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Teures Parken: Doberaner sollen endlich das Parkdeck nutzen

Bad Doberan Teures Parken: Doberaner sollen endlich das Parkdeck nutzen

In einem Konzept sollen die Gebühren für die Stellflächen in der Innenstadt drastisch erhöht werden / Stadt muss Lärm mindern / Scharfe Kritik von den Händlern

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Steffen Jörn aus Zweedorf nutzt öfter das Parkdeck, wenn er in Doberans Innenstadt etwas erledigen will. Hier bekomme man immer einen Parkplatz, ist er sicher. Die Stadt will das Parkdeck attraktiver machen und günstige Plätze anbieten – auch zur Vermietung. Fotos (3): Katarina Sass

Bad Doberan. Wer künftig innenstadtnah rund um den Kamp oder den Marktplatz sein Auto abstellen möchte, muss bald tief ins Portmonee greifen. Die Stadt will die Parkgebühren massiv erhöhen. In einem ersten Entwurf war von einer Verteuerung von 400 Prozent die Rede. Den hat die Verwaltung zwar zurückgezogen, doch teurer werde es allemal, heißt es. Händler befürchten ein Aussterben der Innenstadt und sehen die Ziele verfehlt.

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In einem Konzept sollen die Gebühren für die Stellflächen in der Innenstadt drastisch erhöht werden / Stadt muss Lärm mindern / Scharfe Kritik von den Händlern

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Auf der Bauausschusssitzung am Dienstagabend stellte der von der Stadt beauftragte Nils Christoph Merkel von „Merkel ingenieur consult“ Doberan das neue Parkraumkonzept für das Zentrum und für Heiligendamm vor, das eine neue Gebührensatzung beinhaltet. Die Stadt möchte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum Einen muss sie in der Innenstadt den durch den Verkehr verursachten Lärm reduzieren, der vor allem durch das permanente Umherkurven verursacht wird. Zum Anderen soll das Parkhaus belebt werden. „Es muss weh tun“, war der Satz des Abends.

Die Zahlen verdeutlichen, wie attraktiv Parken in der Innenstadt ist: Über 730 Stellflächen gibt es dort. Die Stadt nimmt rund um den Kamp und den Markt jährlich 1500 Euro pro Stellplatz ein. Zum Vergleich: 250 Euro sind es jährlich pro Parkplatz am ZOB. Im Parkdeck in der Verbindungsstraße, das seit Jahren von den Doberanern nur zögerlich genutzt wird, sind es im Erdgeschoss zwar noch jährlich 600 Euro pro Stellfläche. Doch in den oberen Stockwerken nimmt die Stadt gerade einmal zehn Euro pro Jahr und Parkplatz ein. Die Idee des Konzeptes: Da keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden sollen, aber der so genannte Parksuchverkehr eingedämmt werden muss, müssen die Gebühren steigen, um die Suchenden abzuschrecken und ins Parkdeck zu lenken. Rund um den Kamp, in der August-Bebel-Straße sowie am ZOB in der Beethovenstraße sollen die Tarife zwischen 9 und 18 Uhr am stärksten erhöht werden. Gleichzeitig bleibe der Tarif für das Parkdeck moderat. Für Heiligendamm sollte die Erhöhung ebenfalls gelten. Vor allem, was die Stellplätze Richtung Börgerende betrifft sowie die Parkplätze direkt an der Promenade und in Höhe des Bahnhofes (siehe Grafik).

Doch kann mit dem Konzept tatsächlich der Lärm vermindert und der Doberaner „umerzogen“ werden? Bei den Mitgliedern des Bauausschusses stieß das Konzept von Merkel auf geteilte Meinungen. Professor Thomas Römhild (UDI) schlug vor, die Parkplätze um den Kamp komplett zu streichen. „Dann erst wird das Parkdeck genutzt und für die Händler wird es attraktiver, weil sie ihr Angebot dann auch vor der Tür präsentieren können“, sagte er. Skeptische Blicke kamen von Monika Schneider (Linke): „Das Problem wird auf diese Weise nicht gelöst. Die Urlauber parken dort, wo sie eine Lücke sehen.“ Ulrich Baltzer hält die Gebührenordnung für Heiligendamm für eine reine Einnahmequelle für die Stadt. „Da muss nichts geordnet werden.“

Das Konzept stößt bei Kleinhändlern auf scharfe Kritik. „Wenn die Innenstadt weiter absterben soll, soll die Verwaltung das machen“, sagt Ulrich Bartz, der mit seinem Blumengeschäft am Kamp besonders von den Kurzparkern profitiert. „Menschen, die schlecht zu Fuß sind, parken doch nicht auf dem Parkdeck und gehen in die Stadt“. Eine Verteuerung der Gebühren vertreibe die Kunden, ist er sicher und wünscht sich deshalb die „Brötchentaste“ am Automat zurück. Sie erlaubt das kurzzeitige kostenfreie Halten. Auch Apothekerin Andrea Poehls ist besorgt. Hohe Gebühren führen nicht dazu, dass die Kunden ins Parkdeck fahren, glaubt sie. „Das hat außerdem einen schlechten Ruf.“ Erschrocken ist auch Ulrike von Brandenstein, deren Mann der Inhaber der Kneipe „Zum Ochsen“ ist. „Wir stehen hier selbst mit unserem privaten Pkw. Das wäre fatal“, sagt sie. Der Bauausschuss hat dem Parkraumkonzept von Merkel im Grundsatz zugestimmt, allerdings unter der Voraussetzung, dass die Verwaltung die Gebührensatzung überarbeitet. Bauamtsleiter Norbert Sass hatte schon während der Sitzung angekündigt, die Tarife nicht ganz so hoch zu schrauben. „Aber eine Erhöhung gibt es in jedem Fall“. Das letzte Wort hat die Stadtvertretung.

Katarina Sass

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