Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Tourismus: Junge Generation ist am Zug

Kühlungsborn Tourismus: Junge Generation ist am Zug

Großer OZ-Talk in Kühlungsborn / Qualität, Wohnraum und Verkehr im Fokus

Voriger Artikel
Schwimmhalle: Abriss gestartet
Nächster Artikel
Garvensdorfer kritisieren Backhaus

Freuten sich in der Kühlungsborner Kunsthalle über eine lebhafte Diskussionsrunde: OZ-Chefredakteur Andreas Ebel und Lokalchefin Anja Levien.

Quelle: Foto: Lennart Plottke

Kühlungsborn. 8,2 Millionen Übernachtungen verzeichneten die mecklenburgischen Ostseebäder im vergangenen Jahr – ein neuer Rekord. Ist damit die Grenze erreicht?

OZ-Bild

Großer OZ-Talk in Kühlungsborn / Qualität, Wohnraum und Verkehr im Fokus

Zur Bildergalerie

Verlieren wir durch zu viele Touristen ein Stück Heimat – oder sind sie ein Teil von ihr? Diese und viele weitere Fragen diskutierten am Mittwochabend gut 40 Fachleute und OZ-Leser beim großen Tourismus-Talk in der Kühlungsborner Kunsthalle.

„Unser Ostseebad hat seit 1990 eine tolle Entwicklung genommen“, meinte etwa Frank Röntgen, Geschäftsführer der gleichnamigen Konditorei. „Jetzt stellt sich nicht mehr die Frage nach der Quantität, sondern nach der Qualität.“ Dabei gelte es, Gäste anzusprechen, „die wir künftig für den Ort wollen“. Hier sei vor allem die neue Touristiker-Generation gefragt, Visionen zu entwickeln, sagte Röntgen: „Wir brauchen frische Kräfte – ein Anfang ist beispielsweise mit jungen Leuten im neuen Vorstand des Dehoga-Regionalverbandes gemacht.“

Brennpunkte Verkehrskonzept und bezahlbarer Wohnraum

Kühlungsborn könne dabei aus einer Position der Stärke heraus agieren, war Ulrich Langer überzeugt: „Wir haben ein hohes Besucherpotenzial, viele Stammgäste, die sich hier wohlfühlen“, sagte der Chef der Touristik-Service-Kühlungsborn GmbH. „Das kann man vielfach schon mit dem Begriff ,Heimat’ gleichsetzen.“

Dennoch dürfe man sich nicht darauf ausruhen, machte Langer deutlich: „Wir brauchen in erster Linie ein Verkehrskonzept – denn vor allem die Strandstraße muss im Sommer beruhigt sein.“ Hierfür müssten Tourismus, Verwaltung, Politik an einem Strang ziehen: „Die ganze Stadt muss im Gleichschritt gehen – das haben wir immer noch nicht geschafft.“ Meinte auch der Kühlungsborner Hotelier und Unternehmer Jörg Schlottke: „Das Zusammenspiel von Einheimischen und Tourismus ist wichtig – es fehlen die Synergien.“ Ein ganz wesentlicher Punkt sei in diesem Zusammenhang das Thema bezahlbarer Wohnraum, so Schlottke: „Es kann nicht sein, dass wir selbst Wohnungen für unsere Mitarbeiter anmieten müssen, weil die Situation auf dem Immobilienmarkt geradezu fatal ist.“

Das gehe aktuell fast jedem Unternehmer im Ostseebad so, sagte Ulrich Langer: „Hier ist Zingst ein gutes Beispiel – da hat die Gemeinde gerade 50 bezahlbare Wohnungen gebaut.“ Die Stadt müsse deshalb das Gespräch mit der städtischen Nordbau und Verwaltungsgesellschaft mbH (Noveg) suchen.

Denn nur qualifizierte Angestellte würden einen hochwertigen Service für die Gäste bieten – vor allem auch in der Vor- und Nachsaison, erklärte Jörg Schlottke: „Da haben wir noch Luft nach oben.“

Beispielsweise bei „Indoor-Angeboten“, wie etwa einer öffentlichen Schwimmhalle, meinte auch Rüdiger Kozian, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Kühlungsborner Yachtclubs: „Wir müssen mehr Angebote schaffen, die auch Einheimische nutzen können.“

Um so auch bei den Bürgern mehr Akzeptanz für die Touristen zu schaffen: „Dazu brauchen wir eine engmaschigere Vernetzung innerhalb des Ortes – mit deutlich schnelleren Entscheidungen.“ Eine Auffassung, die auch Annett Bordelle aus Rerik teilte: „Es macht keinen Spaß mehr, dort zu wohnen – die Grenze ist erreicht.“ Denn im Sommer könne man kaum noch am Strand treten, beim einzigen Supermarkt im Ort müsse man zu Hochzeiten bis zu einer halben Stunde an der Kasse anstehen. „Langsam entsteht unter Einheimischen Unmut über die vielen Urlauber“, sagte Bordelle. „Die Stimmung kann ganz schnell kippen.“ Denn so sei es immer schwieriger, Personal zu finden: „Wer macht denn die Ferienwohnungen sauber – die übrigens ein Drittel des Jahres leer stehen?“

Eine Küstenregion – Blick über den Tellerrand lohnt

Insgesamt sei man dennoch in einer „hervorragenden Ausgangslage, weil aktuell in einigen Gemeinden über Fusionen nachgedacht wird – da lohnt auch der Blick über den Tellerrand“, sagte Rüdiger Kozian – und schlug damit in die gleiche Kerbe wie Albrecht Kurbjuhn: „Wir müssen uns als Küstenregion begreifen – und uns auch mit unseren Nachbarkommunen vernetzen“, erklärte der Hotelier und Unternehmer. „Warum denken wir zum Beispiel nicht darüber nach, Wohnungen für Angestellte in Kröpelin zu suchen?“

Die Rahmenbedingungen seien günstig, meinte Kurbjuhn: „Mit Thomas Gutteck gibt es jetzt in Kröpelin einen neuen Bürgermeister – wir sollten uns mit ihm zusammensetzen, um unsere Grenzen zu erweitern.“ Ganz ähnlich sah das auch Andreas Herrmann, der sich im Ostseebad Rerik viele Jahre als Stadtvertreter engagiert hat: „Wir müssen die Ostseeküste als Ganzes in den Fokus nehmen – etwa mit Blick auf die Infrastruktur und insbesondere beim Radwegenetz.“ Denn hier hinke man beispielsweise im Vergleich mit Schleswig-Holstein erheblich hinterher: „Rerik und Kühlungsborn sind zwei Orte mit unterschiedlichen Profilen – bei einem Zusammengehen würde man sich gut ergänzen.“

Dabei gehe es auch in Rerik vor allem um Qualität, sagte Stefanie Quaas, Leiterin der Kurverwaltung: „Das Thema halten wir auf Verbandsebene seit ein paar Jahren hoch – dennoch darf man nicht vergessen, dass Besitzer von Ferienwohnungen in erster Linie Reriker Bürger sind und eben keine Hoteliers.“ Insofern sei das Verständnis für notwendige Investitionen in Kühlungsborn vielleicht höher.

„Dazu kommt, dass Rerik knapp 2100 Einwohner hat – die müssen wir unbedingt im Ort halten, um auch die Qualität für die Gäste zu halten.“

Qualitätsbegriff:

Natur ist höchstes Gut

Ein Begriff, mit dem viele Urlauber vor allem auch die unmittelbare Nähe zu Strand und Ostsee verbinden, war Andreas Herrmann überzeugt: „Die Natur ist nach wie vor unser höchstes Gut– deshalb sollten wir auch alles daran setzen, unsere Naturstrände zu erhalten.“ Und zwar Umweltschützer und Wirtschaftsunternehmen gemeinsam: „Dazu müssen wir aber unbedingt unsere Streitkultur verbessern.“

Die OSTSEE-ZEITUNG wolle hier auch künftig Akzente und Themen setzen und die Entwicklung journalistisch begleiten, betonte Chefredakteur Andreas Ebel. Mit dem Tourismus-Talk in Kühlungsborn ist ein guter Anfang gemacht.

Lennart Plottke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Bansin
„„Wir sind in einem harten Wettbewerb. Küstenregionen und Seebäder rüsten sich für die Zukunft, das Werben für unsere Insel wird nicht leichter.“Sebastian Ader, TVIU-Chef

Tourismusverbandschef und Hotelier Sebastian Ader gibt Denkanstöße

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Politik
Verlagshaus Bad Doberan

Service-Center:
Am Markt 2
18209 Bad Doberan

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:
Alexandrinenplatz 1 a
18209 Bad Doberan

Leiterin Lokalredaktion: Anja Levien
Telefon: 0 38 203 / 55 300
E-Mail: bad-doberan@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.