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Radio-Prozess: Mit-Angeklagter belastet Moderator J. schwer

Rostock Radio-Prozess: Mit-Angeklagter belastet Moderator J. schwer

Mutmaßlicher Komplize legt Geständnis ab / Gewinnspielaktionen für seinen früheren Sender Ostseewelle habe Marcus J. mit André B. im Vorfeld im Detail abgesprochen

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Bild aus besseren Tagen: Marcus J. interviewt Verona Feldbusch während einer Schmuck-Präsentation in Rostock.

Quelle: Frank Hormann/nordlicht

Rostock. Im Prozess um angeblich manipulierte Gewinnspiele gegen den ehemaligen Radiomoderator Marcus J. (42) hat sein mutmaßlicher Komplize Andre B. (38) gestern ein umfassendes Geständnis abgelegt. Beide müssen sich vor dem Rostocker Landgericht wegen Betruges und Bankrott verantworten. Mitte März will sich auch J. zu den Vorwürfen äußern.

„Die Gewinnspielaktionen waren mit J. von Anfang bis Ende durchgeplant. Ich war dabei derjenige, der vermittelt hat“, gestand der 38-Jährige. Der mutmaßliche Betrug soll in den Jahren 2008 bis 2010 stattgefunden haben — zum Beispiel bei einem Gewinnspiel, bei dem sich Hörer am Telefon mit dem Satz „Ich höre Ostseewelle“ melden mussten, um zu gewinnen. Laut Anklage war dabei ein Schaden von rund 75000 Euro entstanden.

Mehr als 61000 Euro seien an die beiden Angeklagten geflossen, der größte Teil an den Moderator selbst. Die Gewinnspielteilnehmer hätten von den geplanten Manipulationen gewusst. Alle hätten zugestimmt.

B. erzählte im Gericht, dass es im Vorfeld solcher Aktionen Treffen im Haus von Marcus J. gegeben habe, bei denen B. Namen vorschlug, die für die Gewinnspielaktionen infrage kämen. „Wir hatten damals ein freundschaftliches Verhältnis. J. hatte mir vertraut. Irgendwann fragte er mich, ob ich mir Geld hinzuverdienen möchte und weihte mich ein“, sagt der 38-Jährige. André B. habe Leute aus seinem privaten Umfeld in das Vorhaben eingeweiht und die Namen an J. weitergeleitet. Anhand von eingehenden Fax-Papieren, mit denen sich die Teilnehmer für die Gewinnspiele anmelden konnten, habe J. die instruierten Leute wiedererkannt.

Einen großen Gewinn soll es dabei für B. nicht gegeben haben. Ein Beispiel aus seiner Aussage: In einem Fall habe eine Bekannte von B. 13000 Euro gewonnen. „12000 Euro musste sie davon von ihrem Konto wieder abheben. Ich habe das Geld dann J. übergeben. Bei dieser Aktion habe ich dafür 750 Euro bekommen“, sagt der mutmaßliche Komplize. In anderen Fällen hätten die Anrufer 2000 bis 2500 Euro verdient, er selbst maximal 1000. Und wenn der Gewinn bei 1000 Euro lag, sollen es meist nicht mehr als 50 Euro Beteiligung für B. gewesen sein. „Ich habe mich nie darüber beschwert, dass es nur so wenig ist. 50 Euro sind viel Geld für mich, auch 750 Euro“, berichtet er.

Er sprach auch von dem Druck, den J. auf ihn ausgeübt haben soll. Fast im Stundentakt habe er Nachrichten von ihm auf seinen Handy gehabt. „Marcus J. wollte ständig wissen, ob das Geld schon auf dem Konto der Anrufer ist. So war ich gezwungen, auch Druck auf die Gewinner auszuüben und rief bei ihnen fünf-, sechsmal am Tag an. Ich habe mich sogar mal mitten in der Nacht mit J. getroffen, um das Geld zu übergeben“, schildert er. Wenn etwa eine Aktion in der Wochenmitte stattfand, habe J. das Geld bis zum Wochenende verlangt.

J. hat sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der Anwalt des Moderators kündigte allerdings für die Verhandlung am 10. März eine Erklärung seines Mandanten an. Der 42-Jährige sieht sich neben der Betrugsanklage auch mit dem Vorwurf konfrontiert, im Rahmen einer Privatinsolvenz Einnahmen in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro verschwiegen haben. Die Gläubiger hätten Forderungen von mehr als 500000 Euro erhoben.

Der Ex-Moderator war 2012 bereits wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt worden.

Milderung der Strafe

Ein schnelles Urteil wird in diesem Prozess nicht erwartet. Ursprünglich hatte das Landgericht bis Ende März sieben Verhandlungstage angesetzt. Der Zeitraum wurde jetzt bis zum

26. Mai verlängert.

Die beiden Angeklagten Marcus J. und André B. wollen ein Geständnis

abgeben. Der Anwalt des Moderators kündigte für die Verhandlung am

10. März eine Erklärung seines Mandanten an. Umfassende Geständnisse können eine spürbare Milderung

der Strafe bringen. Darauf machte

der Richter gestern am Landgericht Rostock aufmerksam.



Mathias Otto

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