Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Risiko für Herzerkrankungen minimieren – Datenanalyse hilft

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Risiko für Herzerkrankungen minimieren – Datenanalyse hilft

Markus Wolfien von der Uni Rostock untersucht Unterschiede zwischen Zellen

Voriger Artikel
Diamanthochzeit: „Mit Humor geht alles leichter“
Nächster Artikel
In der Turnhalle hängt ein Lebensretter in Kastenform

Markus Wolfien (28) ist Doktorand am Institut für Systembiologie und Bioinformatik an der Universität Rostock.

Quelle: Foto: Pauline Rabe

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Mehr als 300000 Menschen erleiden laut der Deutschen Herzstiftung jährlich einen Herzinfarkt. „Kennen wir die Unterschiede zwischen Schrittmacherzellen und Muskelzellen im menschlichen Herzen, kann dieses Wissen helfen, das Risiko für solche Erkrankungen zu minimieren und die Regeneration zu fördern“, erklärt Markus Wolfien, Doktorand am Institut für Systembiologie und Bioinformatik. Unter der Leitung von Olaf Wolkenhauer beschäftigt sich der 28-Jährige in einem seiner Forschungsprojekte mit der Analyse von Sequenzierungsdaten. Unterstützt wird er dabei vom Deutschen Netzwerk für Bioinformatik-Infrastruktur.

„Die zu untersuchenden Daten erhalte ich auch von der Rostocker Universitätsmedizin“, sagt Wolfien. Dort wird in Laborversuchen mit Mauszellen eine Art Schnappschuss vom aktiven Teil der DNA gemacht.

„Die Mauszellen werden gezielt gesteuert, so dass sie anfangen zu schlagen.“ Die RNA lässt sich so isolieren und genau sequenzieren. Diese Daten werden dem Doktoranden zur Verfügung gestellt. „Sie landen auf meinem Rechner und anhand des Ist-Zustandes kann ich die Unterschiede zwischen den Zellenarten charakterisieren.“

Im Gegensatz zu den Millionen Herzmuskelzellen finden sich nur wenige tausend Schrittmacherzellen im menschlichen Körper. „Das ist eine sehr geringe Anzahl“, erklärt der 28-jährige Doktorand. Weitere Unterschiede finden sich in den Wachstumsfaktoren. „Die Charakterisierung hilft uns, das Risiko und die Therapie für Krankheiten wie Kreislaufbeschwerden, Herzrhythmusstörungen oder eben auch für einen Herzinfarkt besser zu bestimmen.“ Die Ergebnisse der Datenanalyse gehen zurück an das Klinikum. „Mittlerweile benötige ich nur noch ein bis zwei Wochen für die Auswertung“, erzählt der Doktorand schmunzelnd. Aber auch nur, weil er sich mittlerweile in die Software eingearbeitet habe. „Meinen entwickelten Programmablauf stelle ich auf Plattformen wie Galaxy zur Verfügung.“ Das ermöglicht anderen Wissenschaftlern ihre Daten mit Wolfiens „Workflow“ zu untersuchen. „Damit die Einarbeitung besser klappt, gebe ich Workshops.“

Diese Woche reist der 28-Jährige zum Beispiel nach Slowenien. In einem dreistündigen Training wird er 30 Wissenschaftler trainieren. Von Informatikern, Medizinern bis zu Biologen finde sich alles unter den Teilnehmern. „Und das ist der Knackpunkt.“ Es gäbe zu viele Daten und zu wenig Wissenschaftler, die jene auswerten können. „Also müssen auch Nicht-Computerwissenschaftler ran. Ich erleichtere ihnen den Einstieg.“ Diese Arbeit sei unerlässlich.

„Gleichzeitig ist es aber auch schön, dass so ein reger Austausch zwischen den unterschiedlichsten Disziplinen stattfindet“, sagt Wolfien. Generell habe sich in den vergangenen Jahren ein Wandel vollzogen. „Bevor die Systemmedizin relevant wurde, puzzelten wir nur an unseren Programmen.“ Nun finden diese ihren Weg in die Klinik. „Computerbasierte Methoden haben zugenommen und unsere Analysen bringen unterstützend zu Laborversuchen wichtige Erkenntnisse“, erklärt der 28-Jährige. Das Ziel für die Zukunft sei, die Analysen noch einfacher und umfassender zu gestalten. „Die Technologie bleibt eben nicht stehen.“ Sie entwickle sich stets weiter. So dürften auch die Werkzeuge der Programme ebenfalls nicht stehen bleiben.

Von der Systembiologie zur Systemmedizin

Die Systemmedizin ist eine neue Herangehensweise, Krankheiten besser zu verstehen und zu behandeln. Dabei verknüpft sie neueste Methoden aus den Lebenswissenschaften mit Methoden aus der Informationswissenschaft und macht die daraus resultierenden Ergebnisse für die Behandlung von Patienten in Kliniken und Arztpraxen nutzbar.

2 Projekte umfasst die Forschungsarbeit von Markus Wolfien. Der Doktorand beschäftigt sich einerseits mit der biologischen Charakterisierung von Herzmuskelzellen, andererseits mit der Erstellung von analytischen Verfahren für die RNA-Sequenzierung.

2 Jahre soll das Projekt „Structured Analysis and Integration of RNA-Seq Experiments – de.STAIR“ und die Zusammenarbeit mit den Professoren Gustav Steinhoff und Robert David der Unimedizin Rostock noch mindestens laufen.

10000 Schrittmacherzellen finden sich etwa im menschlichen Körper. Von Herzmuskelzellen gibt es hingegen Millionen.

Pauline Rabe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Telefon-Forum
Viele Leserfragen gab es beim gestrigen OZ-Telefon-Forum zum Thema „Allergien – was tun?“

Fast jedes vierte Schulkind in MV ist Allergiker. Zum Thema gab es am Mittwoch OZ-Telefon-Forum viele Leserfragen.

mehr
Mehr aus Bad Doberan
Verlagshaus Bad Doberan

Service-Center:
Am Markt 2
18209 Bad Doberan

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:
Alexandrinenplatz 1 a
18209 Bad Doberan

Leiterin Lokalredaktion: Anja Levien
Telefon: 0 38 203 / 55 300
E-Mail: bad-doberan@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.