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Rosskastanien: Kein Mittel gegen gefährliches Bakterium

Bad Doberan Rosskastanien: Kein Mittel gegen gefährliches Bakterium

Während die Population der Minier-Motte zu sinken scheint, befällt die Pseudomonas die Bäume / Etwa 40 Kastanien mussten im Landkreis Rostock bereits gefällt werden

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Der schwarz-rötliche Ausfluss am Stamm der Rosskastanie am Forstamt in Bad Doberan zeigt, dass das Pseudomonas-Bakterium den Baum befallen hat. Wolf-Peter Polzin vom Umweltamt des Kreises hat auch Spuren der Minier-Motte in den Blättern entdeckt.

Quelle: Ann-Christin Schneider

Bad Doberan. Mit gründlichem Blick untersucht Wolf-Peter Polzin die alte Rosskastanie, die vor dem Forstamt in Bad Doberan wächst. Sein erster Blick geht auf die Weißfäule, die den etwa 140 Jahre alten Baum befallen hat, nachdem ein Ast entfernt wurde. „Das ist totes Holz, aber die Kastanie hat sich stabilisiert. Mehr Sorgen bereitet mir der schwarz-rötliche Ausfluss an der geschwächten Seite“, gibt der Experte von der Untere Naturschutzbehörde des Landkreises zu.

Das Sekret ist ein eindeutiges Zeichen für den Befall mit Bakterien. Die sogenannte Pseudomonas syringae pv. aesculi befällt ausschließlich Rosskastanien. „Seit drei Jahren finden wir Spuren dieser Komplexkrankheit“, sagt der Rostocker. Und erklärt weiter: „Sie befällt die für die Ernährung des Baumes wichtigen Bestandteile, sodass die Rosskastanie langsam absterben könnte.“

Erst ein bis zwei Jahre nach der Erkrankung sind die Symptome erkennbar. Woher das Bakterium kommt, ist nicht bekannt, genauso wenig wie es bekämpft werden kann. „Gegen Mikroorganismen haben wir keine Chance. Es gibt weder prophylaktische noch therapeutische Behandlungen“, bedauert der 56-Jährige.

Wie lange eine Rosskastanie den Befall übersteht, sei nicht klar. Dies hänge vom Boden, dem Klima, dem Alter und der Vitalität des Baumes ab. Der Rosskastanie am Forstamt gehe es noch gut. „Die Krone ist noch voller Äste und dicht mit Blättern. Auch die Knospen für die Blätter des kommenden Jahres sind bereits gebildet – alles Zeichen für einen relativ guten Gesundheitszustand des Baumes“, schätzt der Sachgebietsleiter für Naturschutz und Landschaftspflege ein. An manch anderen Stellen im Kreis sei das allerdings nicht mehr der Fall gewesen. Zwei Alleen bei Papendorf und Pankelow fielen den Bakterien bereits zum Opfer. Genauso vier Rosskastanien auf einem Kröpeliner Grundstück. „Etwa 40 Kastanien mussten wir fällen, weil die Schäden des Bakteriums zu einem Sicherheitsproblem wurden“, sagt der Naturschutzexperte.

Der Griff zur Säge sei allerdings der letzte Schritt, den das Umweltamt unternimmt. „Wenn uns Symptome auffallen, stehen die Bäume unter Beobachtung und werden häufiger als die vorgeschriebenen zwei Mal im Jahr kontrolliert“, sagt Polzin. Drei Mitarbeiter der Naturbehörde sind für das 3400 Quadratkilometer große Kreisgebiet verantwortlich. „Keiner will, dass die ortsprägenden Bäume verschwinden, aber wir sind machtlos gegen Pseudomonas und können den Sterbeprozess der Kastanie nur verzögern“, erklärt der Experte. Polzin geht davon aus, dass derzeit weniger als zehn Prozent des aktuellen Rosskastanienbestandes betroffen sind.

Positive Entwicklungen vermerkt der Rostocker allerdings bei der Ausbreitung der Minier-Motte: „An den Kastanien am Kamp sind deutlich weniger Fraßspuren zu erkennen als noch vor zehn Jahren. Damals trugen die Bäume schon im September keine Blätter mehr.“ Die Larven der Minier-Motte fressen sich durch das Blatt und zerstören so das für die Photosynthese wichtige Chlorophyll. Durch die fehlenden Nährstoffe ist der Baum geschwächt und wird anfälliger – töten tut ihn die Motte aber nicht. „Ich vermute, dass die Population des Falters so stark angestiegen ist, dass sie nicht mehr genügend Nahrung finden und sich nun auf einem niedrigeren Niveau einpendeln wird“, sagt Polzin. Im Oktober habe er lange keine grünen und gelben Blätter mehr an einer Kastanie gesehen.

Die Rosskastanie als Zeichen der Macht

40 Kastanien fielen der Pseudomonas im Kreis Rostock bereits zum Opfer. Experte Wolf-Peter Polzin geht davon aus, dass jeder zehnte Baum betroffen ist.

Die imposante Kastanie galt vor etwa 400 Jahren als Zeichen für weltliche und geistliche Macht. Kaiser und Könige schmückten ihre Residenzen und Parkanlagen ebenso mit Rosskastanien wie die Kleriker ihre Kirchen und Friedhöfe. Ab Ende des 17. Jahrhunderts wurden die Bäume wegen ihrer auffälligen Blüte und ihrem dunklen Schatten flächendeckend gepflanzt.

Der Name „Rosskastanie“ ist dabei wirklich von dem Pferd abgeleitet. Der Frucht des Baumes wurde im 16. Jahrhundert heilende Kräfte bei Husten und Wurmkrankheiten der Tiere nachgesagt. Sie wurde deswegen auch „Pferdekastanie“ genannt.

Ann-Christin Schneider

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