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Rostocker Gruppe kümmert sich um trauernde Eltern

Südstadt Rostocker Gruppe kümmert sich um trauernde Eltern

Hilfe für Paare, die früh ein Kind verloren haben

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Birgit Lamprecht hat früher selbst gedacht, sie würde niemals Kinder bekommen können. Heute hat sich die Sozialpädagogin darauf spezialisiert, anderen in solchen Situationen zu helfen.

Quelle: Foto: Katja Bülow

Südstadt. Birgit Lamprecht weiß noch genau, wie schlecht sie sich fühlte, als es so schien, als würde sie niemals ein Kind bekommen können. Die eigene Enttäuschung, die der Eltern und Schwiegereltern, die Sprüche aus dem Umfeld . . . „Internetforen oder Selbsthilfegruppen, so etwas gab es in Rostock damals noch nicht. Ich hab’ plötzlich überall in der Stadt Kinderwagen gesehen und mich sehr allein gefühlt.“ Heute hat sich die Sozialpädagogin darauf spezialisiert, eben solchen Paaren zur Seite zu stehen, die sich vergeblich ein Baby wünschen oder die mit dem Tod eines Kindes kurz vor oder während der Geburt klarkommen müssen.

Ungewollt kinderlos

In Deutschland ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos, so besagt es die Statistik des Bundesfamilienministeriums. Viele von ihnen versuchen deshalb über reproduktionsmedizinische Behandlungen nachzuhelfen. Dabei allerdings besteht eine erhöhte Gefahr, dass es zu Früh- und Fehlgeburten kommt.

Schon um die Jahrtausendwende gründete Birgit Lamprecht ihren ersten Gesprächskreis für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO sind das jene, bei denen sich nach einem Jahr Sex ohne Verhütung noch immer keine Schwangerschaft einstellt. Sie erinnert sich: „Es war toll, wie in dieser Gruppe plötzlich Gefühle benannt wurden, die sonst niemand auszusprechen wagte.“ Eine aus der Runde erzählte damals vollkommen verzweifelt, wie sehr sie sich über eine Schwangerschaft in der Verwandtschaft freut – und wie sie gleichzeitig ihre Wut und ihren Neid in sich aufsteigen fühlt. Auch dann, wenn Ärzte den Paaren mit den Mitteln der Medizin zu helfen versuchen, seien die Belastungen groß. Birgit Lamprecht: „Es dreht sich über einen langen Zeitraum alles um das eine Thema. Der Geschlechtsverkehr läuft exakt nach Plan, die Männer müssen dafür manchmal extra von der Arbeit nach Hause fahren. Das muss eine Beziehung erst einmal aushalten.“

Der Gesprächskreis von damals hat sich irgendwann aufgelöst, weil fast alle Teilnehmer plötzlich doch noch schwanger wurden. Auch Birgit Lamprecht hat mittlerweile zwei erwachsene Kinder, doch das Thema begegnete ihr immer wieder. Im Dezember vergangenen Jahres gründete sie eine Trauergruppe für all jene, die eine Fehlgeburt verkraften müssen, ihr Kind bei der Geburt verloren oder die Schwangerschaft abgebrochen haben, weil Diagnosen ergaben, dass ihr Nachwuchs schwer krank gewesen wäre. Gerade letztere leiden oftmals an Schuldgefühlen und fragen sich immer wieder, ob sie einen Fehler gemacht haben. Noch dazu maße sich die Gesellschaft an, Urteile über sie zu fällen. „Es wird leider immer sehr schnell bewertet, aber nur sehr wenige haben Respekt davor, dass die Betroffenen eine sehr schwere Entscheidung fällen mussten.“

Während die Betreuung im Kreißsaal in den Augen der Sozialpädagogin wirklich gut ist, sei das Nachhausekommen für die meisten ein schwieriger Schritt. „Viele sind erst einmal völlig gelähmt.“

Unerträglich seien in dieser Situation all jene aus Hilflosigkeit dahergesagten, bagatellisierenden Sprüche, wie „Ihr seid doch noch so jung, ihr könnt noch viele Kinder bekommen“. Echte Erleichterung bedeute es dagegen, wenn Freunde banale Alltagsaufgaben, wie Einkaufen oder Kochen, übernehmen, für die den Paaren zunächst oft die Kraft fehlt.

16 Mitglieder hat die Trauergruppe mittlerweile. Bei den monatlichen Treffen tauschen sie Erfahrungen aus, geben sich gegenseitig Tipps und machen sich Mut. Doch Birgit Lamprecht stellte im Laufe der Zeit fest, dass ab und an auch tiefergehende, individuelle Gespräche nötig sind, für die diese Runde nicht das richtige Umfeld bieten kann. Und so hat sie sich im Beraternetzwerk für Kinderwunsch Deutschland weitergebildet und jetzt ihre Beratungsstelle „Pusteblumenkinder“ eröffnet – für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch und solche, die ihr Kind früh verloren haben. Ihre Erfahrung: „Es geht weiter mit all den Erlebnissen, Erfahrungen und der Trauer.“

Infos über die Beratungsstelle „Pusteblumenkinder“ am Platz der Freundschaft 1 unter

www.lamprecht-begleitung.de

Katja Bülow

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