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„Salbeiblätter waren die Zahnbürsten der Mönche“

Bad Doberan „Salbeiblätter waren die Zahnbürsten der Mönche“

Isolde Sonnemann führt Besucher durch den Doberaner Klostergarten – Sie erklärt die Heilwirkung der Kräuter und schlägt den Bogen von den Mönchen zur Wissenschaft

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Hinter dem Doberaner Kornhaus befindet sich ein Klostergarten. Dort finden regelmäßig Führungen statt. Fotos (2): Sabine Hügelland

Bad Doberan. In diesem Doberaner Paradies summt und brummt es. Bienen, Hummeln und Käfer naschen im Klostergarten am Münster von Blüten in Lila, Rosa, Weiß, Blau und Gelb. Isolde Sonnemann wartet derweil auf ihre Gäste, die ihre einstündige Kräuterführung mitmachen. „Ich habe mir einen Garten zugelegt und würde nun gern mehr über Kräuter erfahren“, sagt Urlauberin Janine Kessel, die mit ihrer Schwester Juliane teilnimmt. Diese sagt: „Ich hoffe, ein paar Tipps für Küche und Gesundheit mitnehmen zu können.“

OZ-Bild

Isolde Sonnemann führt Besucher durch den Doberaner Klostergarten – Sie erklärt die Heilwirkung der Kräuter und schlägt den Bogen von den Mönchen zur Wissenschaft

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Isolde Sonnemann wechselt sich mit den Führungen mit Ulrike Lilienfein ab. Zwei Namen, die passender nicht sein könnten, für die Kräuteroase. „Von Salbei, Raute, Koriander....“, nennt sich das Angebot des Kornhauses. Für drei Euro ist man dabei. Die Führung befasst sich vor allem mit der Heilwirkung der Kräuter, die schon von den Zisterzienser-Mönchen genutzt wurden. „Uns kommt es aber darauf an, den Bogen zu heute wissenschaftlich belegten Anwendungen zu schlagen“, sagt Sonnemann.

106 Kräuter wachsen im Garten, umrandet und geschützt durch eine Brombeerhecke. Durch das Weidentor mit Hopfen und Weinstock führt Sonnemann ihre Gäste, nachdem sie die Entstehungsgeschichte des Klosters erzählt hat, die 1171 mit zwölf Mönchen und einem Abt begann. Sie kamen aus Amelungsborn, dem heutigen Niedersachsen.

Zwei Schachteln hat Isolde Sonnemann dabei. In denen befinden sich Samen – die Gäste können die Pflanzen erschnuppern. Diese wundern sich über die Rasenbank, eine clevere und einfache Idee der Mönche, eine bequeme Ruhepause einlegen zu können. „Die Pflanzen sollen nicht über die Stränge schlagen und von anderen Pflanzen in Ruhe gelassen werden“, erfahren die Gäste, weshalb die Kräuter in Kastenbeeten stehen. Isolde Sonnemann weiß genau, welches Kraut für welche körperliche Beschwerden nützlich ist. Sie kennt die Vorliebe der Universalgelehrten Hildegard von Bingen (1098-1179), die unter anderem erwähnt, dass Fenchel fröhlich mache und für klare Augen sorge. „Ach ja, das versuche ich mal“, sagt Urlauberin Marion Binder. „Die Mönche haben vor allem vieles auf Mutter Maria ausgerichtet. Deshalb wurde die Rose sehr von ihnen verehrt“, sagt Sonnemann. Im Klostergarten gibt es deshalb ein Marienbeet. Dort wachsen unter anderem Mariendiestel und Madonnenlilien. Hildegard von Bingen legte zur Erfrischung gern Rosenblätter auf ihre Augen. „Ich habe es selbst noch nicht probiert“, sagt die Kräuterführerin und erntet Schmunzeln, als sie erklärt: „Salbeiblätter waren die Zahnbürsten der Mönche.“

Die Gäste schnuppern, betasten und probieren einige Pflanzen: „Das war spannend“, schwärmt Janine Kessel. „Besonders gefallen hat mir, dass auch Fakten und Hintergrund zum Kloster erläutert wurden.“

Marion Binder will das Angebot erneut nutzen: „Ich habe viel Neues erfahren“, sagt sie.

Eine genaue Überlieferung, wie der Klostergarten einst aussah, gibt es nicht. Da die Zisterzienser den Anbau von Pflanzen in der Nähe für die eigene Ernährung und für Heilzwecke bevorzugten, wird jedoch vermutet, dass es ihn gab. Der neue Garten entstand 2002 auf Initiative des „Vereins der Freunde und Förderer des Klosters Doberan“ und durch die „Agenda-21-Gruppe“. Die Stadt Bad Doberan stellte das Gelände zur Verfügung. Heute liegt die Betreuung vor allem in den Händen des „Kornhausvereins“ und vieler freiwilliger Helfer.

Kräuterführungen

2002 entstand der heutige Klostergarten am Doberaner Münster. Betreut wird er derzeit durch freiwillige Helfer und durch den „Kornhausverein“. Die nächsten Kräuterführungen finden am 19. August sowie am 2. und 16. September statt. Eine Info-Broschüre über den Klostergarten gibt es im Kornhaus, das im August noch viele weitere interessante Angebote für Gäste bereithält. So tritt diesen Sonnabend der irische Folksänger Robbie Doyle mit Band in der Klosterruine auf.

Sabine Hügelland

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