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Seit zehn Jahren bummeln im Sozialkaufhaus

Rostock Seit zehn Jahren bummeln im Sozialkaufhaus

Gestern hat die Einrichtung der Stadtmission Geburtstag gefeiert

Rostock. Neue Deko, Kleidung oder ein Buch: Petra Krause findet beim Einkaufen immer etwas. Nur geht sie mit ihrer Freundin nicht zum Bummeln in die Stadt, sondern fährt zum Sozialkaufhaus in Dierkow. „Ich habe nur eine kleine Rente, kann mir nicht viel leisten“, sagt die 56-Jährige. Arm fühle sie sich deswegen noch lange nicht. „Mit dem Angebot hier habe ich die Möglichkeit, mir etwas zu gönnen“, sagt die Bentwischerin.

Hier gibt es im Flachbau einer ehemaligen Kaufhalle Möbel, Spielsachen, Schuhe. „Es unterscheidet sich kaum von einem klassischen Einkaufshaus“, sagt Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) bei der Feier gestern. 2006 sei es aus der „gesellschaftlichen Notwendigkeit heraus erwachsen“. Träger ist nach wie vor die Stadtmission, die zur Diakonie gehört. Vorstandsmitglied Vera Blum-Pürckhauer erinnert sich an die Anfänge als der Vermieter „unbezahlbare“ 10000 Euro Mietkosten monatlich gefordert habe. „Wir einigten uns auf 500 Euro.“

Sieben Mitarbeiter sind fest im Sozialkaufhaus angestellt. „Wir haben ihnen eine berufliche Perspektive geben können“, sagt Kaufhausleiter Klaus Bürki. Eine von ihnen ist Ines Weber, eine rührige Frau, die nicht nur wegen ihrer Größe stets alles im Blick hat. Sie kennt viele Kunden, „weil sie Stammkunden sind“. Wenn jemand wie Petra Krause reinschaut, gesellt sich Weber beim Stöbern an den Kleiderstangen dazu. Ein Schnack mit den Käufern sei wichtig. Außerdem organisiert die 48-Jährige mit ihren Kollegen die Abholung der Spenden. „Auf die Bürgerhilfe sind wir natürlich angewiesen.“

Privatleute und Gewerbetreibende seien unter den Gebern. Wenn diese beispielsweise Möbel beisteuern, schütze das auch die Umwelt, sagt Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). „Wir bieten zwar einmal pro Jahr für jeden kostenfreie Sperrmüllabholung an, aber wer spontan Dinge loswerden möchte, ist beim Sozialkaufhaus an der richtigen Adresse“, findet er. Er begrüßt die insgesamt drei Sozialkaufhäuser in Rostock, betont aber gleichzeitig: „Es gibt leider zu viele Menschen, die das Sozialkaufhaus nutzen müssen.“

Wer in den Häusern von Diakonie und Caritas in Dierkow, Lütten Klein oder Schmarl einkaufen möchte, muss nachweisen, dass er staatliche Unterstützung erhält. In Dierkow schaue jede Altersgruppe vorbei, weiß Eckhard Langneff. Der 71-Jährige hat als Ehrenamtler angefangen, dann einen Job im Kaufhaus bekommen, nun ist er wieder Helfer. Seine Erfahrung: „Viele kommen erwartungsvoll und gehen glücklich wieder raus.“ Und selbst die Oma finde zum Beispiel eine Tasse, um ihr Kaffeeservice zu erweitern.

Claudia Tupeit

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