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Spinnkreis in Retschow: Altes Handwerk ist wieder gefragt

Retschow Spinnkreis in Retschow: Altes Handwerk ist wieder gefragt

Jeden Donnerstag treffen sich im alten Pfarrhaus elf Frauen zum Spinnen und Klönen / Unter dem Dach der evangelischen Kirche fand der Kreis ein neues Zuhause

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Sie gehören dem Spinnkreis Retschow an (v.l.): Rita Pentzin, Birgit Sedl, Sabine Neumann und Heidrun Naethbohm.

Quelle: Sabine Hügelland

Retschow. Manche Maschinen schnurren kaum hörbar– dank eines Kugellagers. Andere klappern ein wenig: Immer donnerstags ab 18.30 Uhr wird im alten Retschower Pfarrhaus gesponnen, trifft sich der Spinnkreis, der seit dem 21. April 2004 besteht. Damals eine kleine Gruppe von sechs Frauen, sind es nun elf, die mehr als Spinnen im Sinn haben. Das steht zwar im Mittelpunkt, doch klönen gehört unmittelbar dazu: „Früher haben sich die Frauen dabei gern Gruselgeschichten erzählt“, weiß Rita Pentzin, eine der Mitbegründerinnen. Weil sich die Vorfahren nach den Gruselgeschichten davor fürchteten, allein in ihre Katen zurück zu gehen – getroffen wurde sich zentral in einem Raum – brachten sie Männer mit Lampen bewaffnet in ihre Häuser zurück. Es gab schließlich noch keine Straßenbeleuchtung.

Früher haben sich die Frauen da- bei gern Gruselge- schichten erzählt.“Spinnkreis-Mitbegründerin Rita Pentzin

Heute tauschen sich die Spinnerinnen über ihr Handwerk und ihr Leben aus und finden allein nach Hause, denn sie kommen aus Rostock und der Umgebung von Retschow. „Als Kind saß ich oft am Spinnrad meiner Mutter – wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich wohl täglich stundenlang daran arbeiten, weil es mir so viel Freude bringt“, sagt Rita Pentzin. Die Spinnerinnen sind auf Veranstaltungen wie den Klostermärkten in Doberan und Greifswald mit ihrem Können gefragt. „Das Interesse an diesem Handwerk ist groß“, sagt Birgit Sedl, die seit vier Jahren dabei ist, und deren Mann ebenfalls am Spinnen Gefallen findet, aus Zeitgründen aber der Interessengemeinschaft nicht angehört.

Bis zu vier Stunden werden benötigt, um nur 100 Gramm Schafwolle vorzubereiten: säubern, waschen, kämmen. Danach dauert es wieder Stunden bis zum fertigen Faden, meist zwei miteinander verzwirnte.

Für die Vermessungsingenieurin in einer Softwarefirma bringt ihr Hobby Entspannung. „Ich habe erst hier spinnen gelernt, hatte jedoch schon lange den Wunsch“, sagt die 50-Jährige die mit weiteren aus der Gruppe Mitglied der Handspinngilde ist – einem Verein zur Förderung des Handspinnens.

Vor einem Jahr kam Heidrun Naethbohm aus Reinshagen in den Spinnkreis.: „Ich entdeckte mein Spinnrad in einem Schaufenster und wollte natürlich lernen, damit zu arbeiten.“ Die 58-Jährige möchte einmal Eigenhaar mit Seide verspinnen: „Aber dafür muss ich mehr üben.“ Denn ganz so einfach, wie es aussieht, ist es eben doch nicht. Gleichmäßig müssen – je nach Spinnrad – ein oder zwei Pedale bewegen werden, sollte Wolle sanft durch die Finger gleiten, um den perfekten Faden zu erhalten.

Sabine Neumann aus Neu Hohenfelde kam 2010 hinzu: „Es gibt keinen Zwang, jeden Donnerstag hier zu sein", so die 65-Jährige. „Mir gefällt vor allem die Gemeinschaft und der Austausch.“ Die Spinnerinnen haben sich reichlich Fachwissen um Wolle, Alpaka, Seide und anderes erworben. „Wir sind ein offener Spinnkreis. Interessenten können gern herkommen. Am besten mit Anmeldung, damit wir ein Spinnrad mehr mitbringen“, sagt Rita Pentzin. Die 59-Jährige besitzt wie die meisten der Gruppe mehr als nur ein Spinnrad. Die Leidenschaft macht nur vor dem Preis halt: Sie kosten einige Hundert bis zu vielen Tausend Euros.

Hervorgegangen ist der Retschower Spinnkreis aus einem in Kröpelin, der zu groß wurde. Unter dem Dach der evangelischen Kirche Steffenshagen-Retschow fanden sie ein neues Zuhause. Er ist der älteste der Region, der so lange ohne Unterbrechung besteht. Auf der Homepage finden sich alle Veranstaltungen – wie etwa am 25. Juni der „Tag des offenen Denkmals“auf dem Köhlerhof Wiethagen und dem Denkmalhof Pentzin in Retschow.

• Internet: www.spinnkreis-retschow.de

Sabine Hügelland

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