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Übernachten unterm Wasserkessel

Bad Doberan Übernachten unterm Wasserkessel

Der Wasserturm von Doberan hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich / Heute Nutzung als Ferienwohnung

Bad Doberan. Der Wasserturm auf dem Tempelberg gehört längst zu den Wahrzeichen der Stadt – wenn auch nicht so sehr wie das Münster. Doch als Klaus Kellermann eine alte Fotografie von 1955 zeigt, die ein Pionier-Ferienlager vor dem Wasserturm zeigt, bekommt Bärbel Nitzsch feuchte Augen. „An Ferienlager wie diese kann ich mich noch gut erinnern“, sagt sie und beide lachen. Mit dem Wasserturm auf verbinden besonders Alteingessene viele Erlebnisse.

Bärbel Nitzsch ist die Verwalterin des Oktaeders und so etwas wie die gute Fee des Hauses. Sie vermietet die darin befindliche Ferienwohnung im Namen des jetzigen Besitzers Sandy Köhler, hält sie in Schuss, betreut die Gäste. Sie wohnt wie Klaus Kellermann genau gegenüber. Kellermann hat eine Chronik zum Wasserturm angefertigt.

Gebaut wurde der 22 Meter hohe Turm 1927, denn kurz zuvor hat Doberan ein Wasserleitungsnetz bekommen. „Im Zweiten Weltkrieg diente er als Luftbeobachtungsposten“, erzählt Kellermann. Entsprechend oft war der Turm Ziel feindlicher Luftangriffe. Noch heute zeugen zahlreiche Einschusslöcher an der Backsteinfassade vom Beschuss. Doch der Turm hielt Stand. Anfang der 90er-Jahre, erinnert sich der 77-Jährige, sei Schluss gewesen mit der Nutzung des Wasserturms. 2000 ist das denkmalgeschützte Gebäude verkauft worden – zunächst an einen Doberaner Architekten, der hier seine Privatwohnung errichtete. Seit vier Jahren ist der Turm in Besitz von Sandy Köhler, einem Unternehmer aus Süddeutschland.

Das Gebäude ist nicht nur von außen etwas besonderes, sondern besticht auch in Inneren durch die geschickte Verbindung zwischen einem Industriedenkmal und modernen Komfort. „Original sind noch die Stahltreppen und der Kesselboden“, sagt der Hobbyhistoriker. Die Treppe führt durch den Kesselboden bis nach oben auf das überdachte Dach. Von dort aus haben Gäste einen Rundumblick über die Münsterstadt bis hin zur Ostsee. „An manchen Tagen kann man bis nach Dänemark gucken“, sagt Bärbel Nitzsch. Am Horizont tauchen die Kräne der Werft in Warnemünde auf. 29 Meter über Normalnull befinde man sich. Höher geht es nicht mehr. Zumindest nicht für Besucher. Zwischenzeitlich diente der Wasserturm als öffentlicher Aussichtsturm. „Früher gab es einen Turmwächter, der die Gäste für 50 Pfennige bis nach oben geführt hat“, weiß Kellermann.

Heutzutage übernachten Urlauber aus ganz Deutschland, aber vor allem aus Berlin in der Unterkunft, die Schlafmöglichkeiten für acht Personen bietet. Auf insgesamt 260 Quadratmetern verteilen sich rund um das offene Treppengerüst Schlafzimmer, Wohnzimmer, Kinderzimmer, Küche und Bäder. Die Möbel sind alle an das achteckige Gebäude angepasst. „Die Ferienwohnung wird gut angenommen von den Gästen“, sagt Bärbel Nitzsch. Oft würden mehrere Familien den Turm mieten, die Zahl der Spontanurlauber ist trendgemäß gestiegen. Zu Weihnachten und über den Jahreswechsel hinweg sei die Unterkunft sehr beliebt.

Geplant ist auf dem 1300 Quadratmeter großem Grundstück der bau einer Terrasse – dort, wo früher die Zelte des Pionierlagers aufgebaut waren. Früher beherbergte das inzwischen verfallene Gebäude nebenan ein beliebtes Ferienheim – „dort haben sich meine Eltern kennengelernt“, erzählt die 63-Jährige. Dort wird auch bald wieder Leben einkehren. Die Ruine wird abgerissen. Nach dem Willen einer Hohenfelderin könnte an dem Standort auf dem Tempelberg die „Vital Villa Weitsicht“ mit Beauty-Salon, Wellnessbereich, Café und Schulungsräumen entstehen.

Katarina Sass

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