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Welks Liebste, Kameradin, Trommlerin

Bad Doberan Welks Liebste, Kameradin, Trommlerin

Agathe Lindner, die Frau des Schriftstellers, wäre heute 125 Jahre alt geworden

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Mit Ehm Welk und dem Pudel Tüdel auf der Bank im Garten.

Quelle: Foto: Archiv Heribert Koth

Bad Doberan. Agathe Lindner-Welk wäre am 27. April 125 Jahre alt geworden. Die Frau an der Seite des deutschen Journalisten, Schriftstellers, Volkshochschulgründers und Professors Ehm Welk (1884–1966) war Autorin und veröffentlichte Gedichte, Reiseberichte und Romane. „Ohne meine Frau hätte ich kein Buch zustande gebracht“, soll Ehm Welk einmal gesagt haben.

OZ-Bild

Agathe Lindner, die Frau des Schriftstellers, wäre heute 125 Jahre alt geworden

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Agathe Lindner-Welk rettete ihrem Mann zweimal das Leben. Einmal 1934, als er ins KZ Oranienburg kam und sie es schaffte, ihn dort herauszuholen. Ein anderes Mal 1933, als er beim Baden im Meer beinahe ertrank, was beide schriftstellerisch verarbeiteten. Agathe Lindner-Welk – eine selbstbewusste, umsorgende, hilfreiche und stets liebende Partnerin mit einer starken Persönlichkeit – begleitete Ehm Welk im Verlaufe der 42 Jahre andauernden Ehe. Als Ehm Welk starb, konnte sie ihre Trauer schwer verwinden. Agathe Lindner-Welk überlebte ihren Mann um acht Jahre und wurde in Bad Doberan bestattet.

„Sie gehört zu den häufig unterschätzten Dichterfrauen“, sagt Heribert Koth, der sie noch kennenlernte. „Immer war sie Ehm Welks erste Leserin, Kritikerin und Korrektorin. Sie beherrschte die deutsche Sprache meisterlich und verzichtete zugunsten ihres Mannes auf die Selbstentfaltung als Schriftstellerin.“

Heribert Koth ist Mitglied des Freundeskreises Ehm Welk. Seine Mutter arbeitete fast 30 Jahre als Sekretärin des Ehepaares. Das Doberaner Haus in der Dammchaussee 23, das Agathe Welk mit großem Kunstverständnis einrichtete, wurde 1979 kulturelle Begegnungsstätte. Dazu gehört auch eine Bibliothek mit Kunstbänden und rund 4000 teilweise antiquarischen Büchern.

Heribert Koth durfte diese Bibliothek nutzen. „Frau Welk achtete streng darauf, dass die Bücher genau dorthin zurück gestellt wurden, wo sie zuvor standen, denn sie war sehr ordnungsliebend, jedoch auch hilfsbereit“, erzählt er. „Agathe kümmerte sich um die geschäftlichen Belange ihres Mann. Sie arbeitete auch gern im Garten, liebte dessen Gestaltung, das Ernten und Verwerten des selbst Angebauten“, erinnert sich Heribert Koth.

Ihm ist es wichtig, an die Frau zu erinnern, für die Ehm Welk 1937 als Widmung in die Erstausgabe der „Heiden von Kummerow“ schrieb: „Meiner Liebsten, Kameradin und Trommlerin...“ Sie sorgte nicht nur im Haus dafür, dass Ehm Welk eine Atmosphäre vorfand, in der er ungestört arbeiten konnte. „Oft klingelten Ehm-Welk-Verehrer oder Kurgäste aus Heiligendamm, um den berühmten Schriftsteller zu sehen, die aber oft nicht eingelassen wurden,“ erinnert sich Heribert Koth. „Sie besaß einen klugen Verstand, war sehr rational orientiert, war aber auch stark in ihren Emotionen. Sie lieferte ihrem Mann Ideen für neue Werke, zum Beispiel für seinen Roman ,Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer’.“ Als versierte Fotografin begleitete Agathe Lindner-Welk ihren Mann auf vielen Autoreisen im In- und Ausland.

Selbst veröffentlichte sie vier Romane: 1935 „Madonna an der Treppe“, 1937 „Die Stimme Irgendwo“, 1943 „Veronika und ihr Sohn“ und 1962 „Juliane Wied“, ein stark autobiografischer Roman über eine Künstlerehe.

Agathe Lindner wurde 1892 in Berlin als erstes von vier Kindern geboren. Ihr Vater, ein Brauereidirektor, verstarb früh. Die Mutter, Clara Castorf konnte ein Studium nicht finanzieren. So besuchte Agathe die Handelsschule. 1922 heiratete sie Otto Hofmeister, zu dessen besten Freunden Ehm Welk zählte. Nach seinem Tod im selben Jahr entwickelte sich eine wachsende Zuneigung, 1924 heirateten beide. „Mit diesem Datum begann meine eigentliche Zeitrechnung“, habe sie oft geäußert, sagt Heribert Koth.

Welk-Haus als Ort für Lesungen, Konzerte, Theater und Ausstellungen

In diesem Klinkerbau am Rande der Stadt verbrachte der berühmte Autor Ehm Welk ab 1950 seine letzten 16 Lebensjahre.

Bekannt wurde der Literat insbesondere durch seine Romane wie „Die Heiden von Kummerow“ und „Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer“.

Seit Dezember 1979 dient das Haus als öffentliche, kulturelle Begegnungsstätte. Damit wurde Ehm Welks Wunsch nachgekommen, aus dem Haus keine Gedenkstätte zu machen, sondern einen mit Leben erfüllten Ort.

Agathe Lindner-Welk ist eine Vitrine im Ehm-Welk-Haus gewidmet.

Das Ehm-Welk-Haus wird als Ort für Lesungen, Konzerte, Kabarett- und Theatervorstellungen, Ausstellungen und viele andere Veranstaltungen genutzt. Im Garten des Hauses finden Sommertheater und Sommerfeste statt.

Sabine Hügelland

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