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Wie viel Forschung bringen Windräder?

Groß Schwaß Wie viel Forschung bringen Windräder?

Bürgerinitiative in Groß Schwaß wehrt sich gegen Pilotanlage / Investor verteidigt Innovation des Projekts

Groß Schwaß. Es ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel: Die Bürgerinitiative gegen Windkraftanlagen in Groß Schwaß lässt nichts unversucht, die Pläne zur Errichtung von zwei Windenergieanlagen südlich des Vorwedener Waldes zu verhindern. Briefe, Petitionen, Demonstrationen, Gespräche – erst Mitte Februar waren Vertreter der Initiative mit Investoren, Forschern und Politikern im Schweriner Energieministerium. Doch das Gespräch brachte kein Ergebnis.

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Bürgerinitiative in Groß Schwaß wehrt sich gegen Pilotanlage / Investor verteidigt Innovation des Projekts

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Hintergrund des Streits: Die beiden Windräder sollen auf einem Feld zwischen Lambrechtshagen und Groß Schwaß entstehen – außerhalb von Windeignungsgebieten, die die Landesraumordnung ausgewiesen hat.

Nur mit Sondergenehmigung ließe sich daher der Bau der etwa 200 Meter hohen Windturbinen realisieren, und dazu müssen die Anlagen ausdrücklich Forschungszwecken dienen. Gerade diesen Innovationsansatz bezweifeln die Windkraftgegner. 95 Prozent der Windenergie aus diesen beiden Anlagen würden ganz normal ins Netz eingespeist. Lediglich fünf Prozent sollen zur Wärmeerzeugung genutzt werden. „Das reicht nicht für eine Ausnahmegenehmigung“, sagt Thomas Knopp von der Bürgerinitiative, „Forschung ist hier nur das Etikett.“ 13 Millionen Euro will die Firma M&M Erneuerbare Energien mit Sitz in Rostock in die Pilotanlage investieren. Gesellschafter Martin Weiße sieht zwei Forschungsschwerpunkte. Zum einen gehe es um „Sektorenkopplung“, die Verbindung von Strom- und Wärmemarkt. Überschüssige Windenergie solle genutzt werden, um über einen Wasserspeicher, der im Rostock-Park im Tannenweg stehen soll, Wärme für den Gewerbepark zu produzieren. „Zukünftig sollten Windparks Strom- und Wärmenetze versorgen“, erläutert Weiße. Dafür müssten intelligente regionale Systeme entwickelt werden. In diesem Punkt arbeite M&M mit der Rostocker Universität zusammen. Des Weiteren gehe es um „Versorgungssicherheit“ bei einem Totalausfall. Zusammen mit den Rostocker Stadtwerken sollen Möglichkeiten erkundet werden, wie Anlagen in der Nähe schnell wieder zur Energieversorgung ertüchtigt werden können. Das System sei nicht im „Labormaßstab“ zu testen. „Wir brauchen die Nähe zu Verbrauchern und Partnern, deshalb wurde dieser Standort gewählt“, erklärt Weiße.

Die Bürgerinitiative hält in einer Petition an den Landtag dagegen und verweist auf bereits existierende Projekte bundesweit, bei denen Windenergie und Wärmespeicher gekoppelt und die Regeltechnik dafür bereits umfangreich erforscht und getestet worden sei. „Sogar in Schwerin steht seit 2013 eine solche Anlage“, führt Dr. Hans-Joachim Drexler aus Groß Schwaß im Schreiben an den Petitionsausschuss an.

Die Bürgerinitiative fordert auch von der Genehmigungsbehörde, die Wissenschaftlichkeit des Vorhabens zu prüfen. „Wir sagen: Das Projekt ist nicht innovativ, sondern kommerziell“, betont Thomas Knopp, „eine solche Anlage kann überall in Eignungsgebieten gebaut werden.“

Die Gemeinden Kritzmow und Lambrechtshagen lehnen den Bau der Windkraftanlagen zu Forschungszwecken ab. „Das haben wir schon 2015 beschlossen und vor einem halben Jahr noch mal erneuert“, sagt Kritzmows Bürgermeister Leif Kaiser. Auf einer Einwohnerversammlung sei der große Widerstand der Einwohner deutlich geworden. Die Standorte grenzen zudem an Naturschutz- und Naherholungsgebiete.

Doris Kesselring

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