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Bauboom: Gewerkschaft und Verband widersprechen sich

Hohenfelde Bauboom: Gewerkschaft und Verband widersprechen sich

Die Gewerkschaft IG Bau will für die 2750 Bauarbeiter im Landkreis Rostock (19468 in ganz MV) ein Lohnplus durchsetzen. Am 15. März finden die Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband statt.

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Symbolbild: Hier entsteht das neue Stadtgebiet am Grünen Weg in Kühlungsborn, unter anderem Mietwohnungen.

Quelle: Lutz Werner

Hohenfelde. Die Gewerkschaft IG Bau will für die 2750 Bauarbeiter im Landkreis Rostock (19468 in ganz MV) ein Lohnplus durchsetzen. Am 15.

März finden die Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband statt. Der Branche gehe es dank voller Auftragsbücher gut, heißt es von den Interessenvertretern. Doch die Realität sieht anders aus.

„Der Bau boomt. Gerade beim Neubau und Sanieren von Wohnungen sind in diesem Jahr volle Auftragsbücher zu erwarten“, teilt die IG Bau mit. Deshalb sei es nur folgerichtig, dass auch die Löhne steigen müssten, sagte der Bezirksvorsitzende Manfred Scharon. Wenn sich Gewerkschaftler und der Arbeitgeberverband am 15. März gegenüber sitzen, soll über ein Lohnplus von 5,9 Prozent für zwölf Monate verhandelt werden. Das entspreche gut 175 Euro mehr am Monatsende für Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer“, so Scharon. Doch Bauunternehmer Hartmut Hunger kann über die Pläne nur lächeln. Er ist Chef der Firma HSB-Bau mit Sitz in Hohenfelde. In diesem Jahr besteht die Firma seit 20 Jahren. Doch zum Feiern ist dem 58-Jährigen nicht zumute, obwohl die Auftragsbücher bis einschließlich August voll sind. „Die Dumpingpreise auf dem Markt sind das große Problem“, sagt Hunger. Er beschäftigt vier Mitarbeiter, alle über 50 Jahre alt, plus eine Bürokraft. Zahlen könne er ihnen nur elf Euro Lohn.

„Meine Männer müssen mehr leisten und bessere Qualität abliefern, aber ich kann sie nicht besser entlohnen“, bedauert der Geschäftsführer. Eine Tariferhöhung sei zwar schön und gut und auch richtig.

„Aber ich kann sie einfach nicht umsetzen, weil ich es nicht erwirtschaften kann.“

Schuld an den Dumpingpreisen seien unter anderem Baufirmen, die ein Leistungsspektrum anbieten würden, für die sie keine Fachkräfte haben. Das sei nicht nur Ursache dafür, dass viel Pfusch gemacht werde, sondern treibe auch die Preise in den Keller. Hier sei die Gewerbeaufsicht gefragt, die viel strenger Baustellen kontrollieren müsse.

„Fachkräfte kosten nun einmal Geld und wir liefern Qualität ab“, sagt Hunger. Mit seiner Firma würden Bauherren noch echte Häuser bauen mit guten Handwerkern und fachgerechter Beratung. Aufgrund des enormen Druckes auf dem Markt könne er die Leistungen nur zu Dumpingpreisen anbieten. Ein Teufelskreis. Azubis bildet er schon seit zehn Jahren nicht mehr aus. „Die Qualität der Schüler ist einfach zu schlecht.“ Dabei suche er dringend nach Nachwuchs, denn in einigen Jahren will der 58-Jährige in den Ruhestand gehen und seine Firma in guten Händen wissen.

Der Bauverband MV, in dem auch HSB-Bau vertreten ist, spricht eine andere Sprache als die IG Bau. „Bundesweit geht es der Baubranche zwar gut, aber das gilt nicht unbedingt für MV“, kritisiert der Hauptgeschäftsführer Jörg Schnell. Die Unternehmen hätten 2015 ein Minus von 4,2 Prozent Einnahmen hinnehmen müssen. Das entspreche einem Verlust von 82 Milliarden Euro im Vergleich zu 2014. „Die öffentliche Hand hat einfach zu wenig investiert“, so Schnell.

Mehr Lohn für Vollbeschäftigte und Azubis

15829 Beschäftigte arbeiten landesweit im Bauhauptgewerbe (Stand Januar bis November 2015). Im Verlauf des Jahres 2014 waren es noch 15890. Die meisten waren im vergangenen Jahr im Hochbau beschäftigt (11795), an zweiter Stelle folgt der Wohnungsbau (7743), an dritter Stelle der Tiefbau (7401). Die Gewerkschaft IG Bau will für 2750 Bauarbeiter im Landkreis Rostock eine Tariferhöhung von 5,9 Prozent durchsetzen. Die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband finden am 15. März in Berlin statt. Für die 80 Azubis im Landkreis fordert die IG Bau 100 Euro mehr Lohn.

Von Katarina Sass

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