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Die Mollistraße verändert ihr Gesicht

Bad Doberan Die Mollistraße verändert ihr Gesicht

Auszug, Einzug, Umzug: Die Bummelmeile zwischen Tradition und Neuanfang

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Hat die letzten guten Tropfen ins Regal geräumt: Inhaber Henry Wünsch in der neuen „Weinhandlung Schollenberger“.

Quelle: Foto: Lennart Plottke

Bad Doberan. „Blumen“ steht in grünen Lettern an der Klinker-Fassade des Doberaner Eckhauses. Doch seit einigen Tagen gibt es im kleinen Geschäft an der Mollistraße keinen Blüten, Pflanzen oder Sträucher mehr. Stattdessen verkauft hier jetzt Henry Wünsch Weine, Liköre und diverse andere Spirituosen. „Wir sind mit unserer Weinhandlung nur ein paar Häuser weitergezogen“, sagt der Inhaber. „Denn aus den früheren Räumlichkeiten mussten wir nach 16 Jahren raus – der Vermieter hatte andere Vorstellungen.“

OZ-Bild

Auszug, Einzug, Umzug: Die Bummelmeile zwischen Tradition und Neuanfang

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119

Händler

gibt es aktuell

in Bad Doberan.

Die Verkaufsfläche

beträgt insgesamt

22 000 Quadratmeter.

88,9 Prozent –

so hoch ist der

Kaufkraftindex in

der Stadt. Damit liegt

die Stadt nur wenige

Punkte unter dem

Bundesdurchschnitt

und sogar über

dem Wert in der

Hansestadt Rostock.

63,7 Millionen Euro –

so viel Umsatz machen

die Doberaner

Verkäufer pro Jahr.

Es habe schon einige Zeit gebraucht, wieder einen geeigneten Laden zu finden, erklärt Wünsch: „Wir haben lange gesucht – und so groß war die Auswahl auch nicht.“ Bad Doberan nach insgesamt 21 Jahren ganz zu verlassen, habe nie zur Debatte gestanden, macht Wünsch deutlich: „Umso mehr freut es mich, jetzt hier einen neuen Standort gefunden zu haben – die zentralere Lage direkt an der Molli-Haltestelle ist für uns einfach noch besser.“

So wie die Auslagen im einstigen traditionsreichen Blumenladen verändern derzeit viele Geschäfte an der Mollistraße ihr Gesicht. Auch im beliebten „Schreibwaren- und Bastelstübchen Gellendin“ – unmittelbarer Nachbar der früheren Weinhandlung – bestimmen derzeit Handwerker die Szenerie. Hier hat sich der langjährige Inhaber in den Ruhestand verabschiedet. In einigen Wochen will an diesem Standort eine Krankenkasse ihr neues, modernes Kundencenter eröffnen.

Ein paar Häuser weiter steht Jutta Ulrich-Becker hinter dem Ladentisch – noch. Denn große Beschriftungen am Schaufenster kündigen es bereits an: „Großer Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe“. „Ich denke, dass ich mir mit fast 75 Jahren meinen Ruhestand verdient habe – obwohl ich zugeben muss, dass ich mich zum Jahresende mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiede.“ Denn seit 22 Jahren hat sie hier Kunden in ihrem Gardinenstudio „Coupon“ begrüßt, das gleichzeitig auch ein „süßes Lädchen“ mit allerlei Leckereien war.

Sie werde auch den Zusammenhalt unter den Händlern vermissen, sagt Ulrich-Becker: „Viele Leute sind traurig, dass ich aufhöre – die fragen dann immer: Wo sollen wir denn jetzt hingehen? Wo gibt’s das denn in Doberan heute noch?“ Meint auch Manfred Wagner, der vom Buchenberg regelmäßig „runter in die Stadt fährt“, um hier seine kleinen Besorgungen zu machen. „Jammerschade, dass wieder ein Stück Tradition verschwindet“, sagt der 62-Jährige: „Es gibt für mich eigentlich gar keinen Grund mehr, durch die Mollistraße zu bummeln.“ Das sieht die 54-Jahre alte Irmgard Mahler ähnlich: „Ich habe das Gefühl, dass sich hier seit einigen Jahren immer mehr unbedeutende Krimskrams-Läden ansiedeln – die Straße verliert langsam ihr attraktives Gesicht.“

Eine Gefahr, der sich auch Jochen Arenz bewusst ist: „Aus mindestens zwei langjährigen Geschäften werden jetzt Büroräume – das macht die Innenstadt kaputt.“ Es sei Aufgabe der Verwaltung, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit eine Ansiedlung weiter attraktiv bleibe, macht der Vorsitzender im Wirtschaftsausschuss deutlich.

Jutta Ulrich-Becker sieht noch nicht ganz so schwarz: „Ich habe einen Interessenten in Aussicht, der das Sortiment auch übernehmen würde – es müssen aber noch letzte Gespräche geführt werden.“ In jedem Fall sollte der künftige Inhaber in diesem Bereich bleiben – „damit das für Bad Doberan nicht verloren geht“. Denn die Kunden würden nicht nur aus der Münsterstadt, sondern auch aus den benachbarten Dörfern und sogar aus Rostock kommen, sagt Ulrich-Becker und ist deshalb überzeugt: „Wer hier einsteigt, kann eigentlich nur profitieren.“

Lennart Plottke

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