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Eigentümer sollen für Mängel zahlen

Bad Doberan Eigentümer sollen für Mängel zahlen

Nach 20 Jahren soll ein zweiter Rettungsweg geschaffen werden / Streit um Verantwortung

Bad Doberan. . Die einen nennen es Behördenwillkür, die anderen pochen auf die Einhaltung der Pflichten. In der Bussardstraße in Bad Doberan schwelt seit Jahren ein Streit zwischen dem Bauamt und Eigentümern. Grund ist eine 20000 Euro teure Aufstellfläche für die Drehleiter der Feuerwehr, die nach 20 Jahren in den Gärten von zwei Eigentümern gebaut werden soll.

 

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Bis hierher könne die Aufstellfläche gehen, deutet Manfred Lanz an. Doch sie soll anstelle des Gartens, auf den Erika Lanz zeigt, gebaut werden, weil die Vorschriften es so wollen. FOTO: KATARINA SASS

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Man sollte endlich mit uns reden und unsere Argumente hören.Manfred Krüger, Anwohner

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Bis hierher könne die Aufstellfläche gehen, deutet Manfred Lanz an. Doch sie soll anstelle des Gartens, auf den Erika Lanz zeigt, gebaut werden, weil die Vorschriften es so wollen. FOTO: KATARINA SASS

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Man sollte endlich mit uns reden und unsere Argumente hören.Manfred Krüger, Anwohner

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Völlig unnötig, sagen sie. Sie fühlen sich entmündigt, hintergangen und ziehen vor Gericht.

Das fünfstöckige Mehrfamilienhaus in der Bussardstraße 7, 9 und 11 wurde 1996 gebaut und gehört einer Eigentümergemeinschaft. Wolfgang und Erika Lanz (beide 75) wohnen hier seit 1997 im Erdgeschoss.

„Wir haben die Wohnung gekauft, weil sie über ein Gartengrundstück verfügte“, erklärt Erika Lanz. Doch das soll sich plötzlich nach 20 Jahren ändern. Denn das Haus verfügt nicht über einen vorgeschriebenen zweiten Rettungsweg für Dachgeschosswohnungen.

Durch Zufall aufgefallen

Zweiter Rettungsweg bedeutet, dass es neben dem herkömmlichen Treppenhaus eine weitere Möglichkeit geben muss, um die Wohnungen verlassen zu können. Ab einer Gebäudehöhe von acht Metern wird eine Rettung der Einwohner über die Drehleiter der Feuerwehr notwendig. Das Haus in der Bussardstraße ist zwölf Meter hoch. Eine Aufstellfläche für die Feuerwehr also Pflicht.

Doch erst vor zwei Jahren fiel einem Mitarbeiter der Unteren Bauaufsichtsbehörde durch Zufall auf, dass dieser zweite Rettungsweg am Gebäude fehlt. „Wir haben dann eine Ordnungsverfügung bekommen, mit der Aufforderung, eine Ausstellungsfläche für die Drehleiter zu bauen“, erklärt Manfred Krüger, ebenfalls Wohnungseigentümer. Die Fläche muss nach Vorschrift 7 mal 12 Meter groß sein und soll zirka 20000 Euro kosten. „Uns wurde eine Frist bis 31. Dezember 2015 gesetzt“, erklärt Krüger. Die Verwaltung rief eine Eigentümerversammlung dazu ein. Laut dem geltenden Wohnungseigentümergesetz (WEG) müssen bei baulichen Veränderungen alle Eigentümer zustimmen. „Das wird in unserem Fall nie möglich sein, denn es haben bereits zwei Eigentümer erfolgreich gegen einen Beschluss für die Stellfläche geklagt“, sagt Krüger. Familie Lanz reichte Klage beim Landgericht Schwerin ein, das die Klage ans Oberlandesgericht (OLG) Greifswald weiterleitete. „Das hat angeregt, weitere Vorschläge für die Realisierung des zweiten Rettungsweges zu machen“, so Krüger. Das haben sie mit Hilfe eines Experten auch gemacht und prüfen lassen. Ein Beispiel sei die Montierung einer Leiter von den Dachterrassen zu den darunter liegenden Balkonen.

Landkreis verhandelt nicht mit einzelnen Eigentümern

Doch das Bauamt beziehungsweise das Brandschutzamt beharre auf die Aufstellfläche – und die soll genau dort gebaut werden, wo Erika und Wolfgang Lanz ihren Garten haben. „Das mindert den Wert unserer Wohnung“, befürchten sie. Denn die Fläche müsse nicht nur ausgekoffert und gefüllt werden, damit es die Traglast des Feuerwehrfahrzeuges tragen kann, sondern sie könne sie auch nicht bewirtschaften.

Hinzu kommt, dass darunter liegende Versorgungsleitungen tiefer verlegt werden müssten. Eines ist für die drei klar: Sie glauben, dass die Aufstellfläche nicht so dicht wie vorgeschrieben errichtet werden müsse, sondern weiter hinten, sodass der Garten nicht betroffen wäre. „Man hat uns gesagt, dass man die Fläche nach hinten verschieben könnte, denn die Leiter ist 30 Meter lang und reicht bis zu den Dachterrassen“, sagt Erika Lanz. Doch, was sie am meisten bestürzt, sei der Fakt, dass niemand mit ihnen rede, sie abschlägige Antworten bekämen und vor vollendete Tatsachen gestellt würden.

„Wir fühlen uns entmündigt und der Behördenwillkür ausgesetzt“ klagt Erika Lanz.

Michael Fengler, Sprecher des Landkreises, bestätigt, dass es eine Klage vor dem OLG Greifswald gegeben habe. „Aber das Gericht hat die Klage zurückgewiesen, da nur die Eigentümergemeinschaft klageberechtigt ist.“ Auch der Landkreis arbeite nur mit der Eigentümergemeinschaft und nicht mit einzelnen Eigentümern. Die Vorschläge bezüglich der Alternativen habe die Brandschutzdienststelle geprüft. „Sie genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen an die Sicherstellung des zweiten Fluchtwegs.“ Denn Größe und Abstände der Aufstellfläche sind in der Norm DIN 14090 genau geregelt. Ihr zufolge kommt eine Verschiebung der Fläche nicht infrage.

Damit geben sich Familie Lanz und Manfred Krüger nicht zufrieden und machen den Bauherren dafür verantwortlich, der bei Bau des Hauses vor 20 Jahren schlicht die Fläche vergessen habe. Sie wollen die fehlende Fläche als verdeckten Baumängel beim jetzigen Bauherren, der Ostseewohnpark GmbH, geltend machen, „denn wir sind betrogen worden“, sagt Erika Lanz. Dann sei sogar eine Kaufrückabwicklung möglich.

Aufstellflächen

Paragraf 5 der Landesbauordnung „Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr“ besagt utner Punkt 9. Aufstellflächen entlang von Außenwänden: Für Aufstellflächen entlang von Außenwänden muss zusätzlich zur Mindestbreite von 3,50 Metern auf der gebäudeabgewandten Seite ein mindestens zwei Meter breiter hindernisfreier Geländestreifen vorhanden sein. Die Aufstellflächen müssen mit ihrer der anzuleiternden Außenwand zugekehrten Seite einen Abstand von mindestens drei Metern zur Außenwand haben. Der Abstand darf höchstens neun Meter und bei Brüstungshöhen von mehr als 18 Metern höchstens sechs Meter betragen. Die Aufstellfläche muss mindestens acht Meter über die letzte Anleiterstelle hinausreichen.

Katarina Sass

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