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Investor steht zum Moorbad-Projekt

Bad Doberan Investor steht zum Moorbad-Projekt

David Corleis will dort auch eine große Spielhalle betreiben / Das ruft wenig Begeisterung hervor

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Die historische Fassade des alten Moorbades soll erhalten bleiben und Wahrzeichen des neuen Bau-Ensembles werden.

Quelle: Lennart Plottke

Bad Doberan. Investor David Corleis steht zu seinem Vorhaben, aus der Ruine des alten Moorbades, eines Schandflecks in bester Lage in der Münsterstadt, etwas Schmuckes zu machen. Das war die klare Botschaft bei seinem Auftritt vorgestern Abend in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus der Bad Doberaner Stadtvertretung.

OZ-Bild

David Corleis will dort auch eine große Spielhalle betreiben / Das ruft wenig Begeisterung hervor

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Der Ausschuss hatte ihn eingeladen, „weil es dort seit ein paar Monaten offenbar stagniert“ und der Ausschuss wissen wolle, was Sache ist, so Ausschussvorsitzender Jochen Arenz (parteilos). Dahinter stand – unausgesprochen – die Sorge, dass es mit Corleis wieder einen Investor geben könne, der viel verspricht und sich dann angesichts der Größe der Aufgabe wieder klammheimlich davonmacht.

Diesen Eindruck konnte der Unternehmer, der in MV an 14 Standorten Spielhallen, Gaststätten und Hotels betreibt und in Hamburg an vier Gesellschaften mit ähnlichem Profil beteiligt ist, überzeugend entkräften. „Bevor die Architekten mit der Ausführungsplanung beginnen können, ist viel Arbeit zu machen, die nicht sichtbar ist“, erklärte er und verwies auf Verhandlungen mit der Forst, um auf dem Grundstück Rodungsarbeiten durchführen zu können. Und auf Gespräche mit der Denkmalpflege, um die Ruine aus dem Denkmalschutz herausnehmen zu können – und auf anderes mehr, wie Aufräumarbeiten und den Schutz des Grundstücks. „Ich habe alles bezahlt, was mit den vorbereitenden Arbeiten in dieser frühen Phase des Projekts zu tun hat“, erklärte Corleis. Rund 500000 Euro habe er inzwischen investiert. Der größte Brocken sei der Kauf des Grundstücks – 415201 Euro – im September vergangenen Jahres bei einer Zwangsversteigerung gewesen.

Wenig begeistert sind die Ausschussmitglieder – jedenfalls die große Mehrheit – allerdings von dem Projekt, das Corleis für das fast 20800 Quadratmeter große Moorbadgrundstück plant. Er will dort – wie er es bezeichnet – „ein Drei-Sterne-Low-Budget-Hotel, 60 Zimmer für 65 bis 70 Euro“ für Geschäftsreisende und Veranstaltungsgäste bauen – mit großem Restaurant und einem Festsaal für 200 Personen, „in dem es viele Hochzeiten geben soll.“ Dazu käme ein separater, öffentlicher Wellness-Bereich, „der zum Aufpreis von Hotelgästen natürlich mit genutzt werden kann“. Das Herzstück seines Projekts ist eine große Spielhalle „im edlen Casino-Ambiente“ mit zwölf Spielautomaten und einem elektronisch gesteuerten Roulette-Tisch. Die weiteren, kreditfinanzierten Baumaßnahmen werden noch einmal 2,5 Millionen Euro kosten und die Einnahmen aus dem Spielhallenbetrieb seien für ihn unverzichtbar, um den Kredit bedienen zu können.

„Wir reden hier über ein legales und strikt reglementiertes Gewerbe“, stellte Corleis klar und schnitt von sich aus ein heikles Thema an, das immer mal wieder durch die Stadt geistert. „Mutmaßungen, dass es dort auch ein Rotlicht-Milieu geben werde, sind völlig aus der Luft gegriffen. Meine Lebensgefährtin und ich werden auf dem Grundstück auch unser Privathaus bauen. Denken Sie denn im Ernst daran, dass wir uns eine solche Szene aufs Grundstück holen möchten?“.

Der Investor rechnet damit, dass das Bebauungsplan-Verfahren bis Sommer 2017 mit der Erteilung von Baurecht abgeschlossen sein wird. Es folgen die Ausführungsplanung, Rodungsarbeiten und der Teilabriss der Ruine – bis auf die historische Fassade. Sie bleibt erhalten. Baubeginn soll im Frühjahr 2018 sein, eine Teileröffnung werde es 2019 geben und 2020 soll das Vorhaben abgeschlossen sein.

„Wir sind nicht begeistert, einige runzeln die Stirn“, stellte Ausschussvorsitzender Arenz nach dem Vortrag des Investors fest. „Eigentlich möchten wir dort, im Herzen der Kurstadt, keinen Spielhallenbetrieb“, fügte er hinzu. „Was Sie hier vorstellen, ist ein kunterbuntes Durcheinander. Das wird nie funktionieren“, so Karin Schwede (parteilos). „Es ist nicht das, was wir an diesem Standort wollen. Wir sind eine Kurstadt“, so das Urteil von Monika Schneider (Linke). Lediglich Gebhard Zeug (SPD) sah das Projekt eher positiv. „Wenn das so realisiert wird und solide finanziert ist, haben wir für die Moorbad-Ruine endlich eine vernünftige Lösung“, stellte er fest.

Es war die erste öffentliche Diskussion zum Moorbad-Projekt. Sie zeigt: Der Weg zu einem beschlussfähigen B-Plan wird lang und kontrovers werden.

Umstrittenes Projekt

3 Millionen Euro wird Investor David Corleis nach eigenen Angaben auf dem Grundstück des alten Moorbades investieren. Rund 500000 Euro hat er bereits für den Kauf des Grundstücks, seine Sicherung und vorbereitende Maßnahmen ausgegeben. Die eigentlichen Baumaßnahmen werden voraussichtlich rund 2,5 Millionen Euro kosten.

Hotel mit großem Restaurant und Festsaal, separater Wellnessbereich und eine große Spielhalle sind die Eckpunkte seines Vorhabens. Spielhallen-Betrieb und der bescheidene Drei-Sterne-Hotel-Standard werden in Doberan kontrovers diskutiert.

Lutz Werner

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