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Karpfen-Ernte nach alter Tradition

Hütten Karpfen-Ernte nach alter Tradition

Etwa 1000 Fische wurden aus dem Wiesenteich geholt / Fest auf dem Fischereihof Detlefsen

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Die Helfer gehen mit einem Netz in den Wiesenteich und kesseln die Karpfen ein.

Hütten. „Langsam“, ruft Carolin Detlefsen am Ufer des Wiesenteiches in Hütten den Helfern zu, die im Wasser dabei sind, das Netz mit den Karpfen Richtung Ufer zu ziehen.

OZ-Bild

Etwa 1000 Fische wurden aus dem Wiesenteich geholt / Fest auf dem Fischereihof Detlefsen

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Hier stehen Bottiche bereit, in denen die Karpfen lebend zum Wassertank transportiert werden, der wenige Meter auf dem Feldweg auf einem Anhänger steht. Zahlreiche Zuschauer verfolgen das öffentliche Abfischen des Teiches in alter Tradition der Zisterzienser. Seit vielen Jahren lädt der Fischereihof Detlefsen zu dieser Karpfen-Ernte ein.

„Der Karpfen hat hier in der Region eine besondere Tradition zu Weihnachten und Silvester“, sagt Leif Detlefsen, Chef des Fischereihofes: „Er wird jetzt nach dem Sommer abgefischt und in einem Hochbehälter ausgewässert.“ Das sei wegen des Geschmacks wichtig. Jetzt würde der Fisch noch moorig schmecken. Schwimmt er eine Weile im klaren Wasser, bekomme er seinen nussigen Geschmack. Seit 1991 zieht Leif Detlefsen Karpfen nach traditioneller Weise der Mönche auf. Bis zur Auflösung des Klosters 1552 hatten die Zisterzienser die Teiche betrieben, nach 1906 nahm die Großherzogliche Forstverwaltung die Teichbewirtschaftung wieder auf.

Das Besondere an der Aufzucht sei die Nachhaltigkeit. Die acht Teiche, die in Bewirtschaftung des Fischereibetriebes sind, seien nicht tiefer als ein Meter. Im Sommer kann sich das Gewässer und der Boden gut erwärmen. Je wärmer es ist, desto mehr frisst auch der Karpfen. Bis zu 30 Grad Wassertemperatur könne er gut haben. Die Tiere, die jetzt abgefischt werden, sind drei bis vier Jahre alt.

Schätzungsweise 1000 Fische würden in den zwei Tagen aus dem Teich geholt, so Detlefsen.

Über den Winter würden die Teiche trocken gelegt, in dem eine Schleuse geöffnet und das Wasser abgelassen werde. „Dadurch erhöht sich die Fruchtbarkeit des Teichbodens. Er wird immer wieder mineralisiert“, erläutert Leif Detlefsen. Und biete so beispielsweise auch Lebensraum für Pantoffeltierchen und Wasserflöhe. Im Frühjahr wird der Teich mit frischem Quellwasser wieder aufgefüllt.

Das ganze Wochenende sind die Helfer am Teich im Gange. Mit einem Netz in der Hand gehen sie ins Wasser. Es hat eine Ober- und Unterleine. Letztere liegt auf dem Boden auf, sodass die Fische nicht unter dem Netz durchschwimmen können. Im Wasser gehen die Helfer einen Kreis, treiben so die Karpfen ins Netz und bis ans Ufer. Hier werden sie mit der Hand in die Bottiche gelegt. Sebastian Nimmig ist das vierte Mal dabei, trägt zusammen mit Tom Winkler die Behälter zum Wassertank. Vorher habe er nichts mit Fischen zu tun gehabt. Der Familie helfe man aber gerne, sagt der Freund von Carolin Detlefsen, Tochter des Fischerhof-Chefs. Die beiden haben extra Urlaub genommen.

Jan Gräntzel ist aus Greifswald zum Helfen gekommen. Sein Vater sei ein Studienfreund von Leif Detlefsen, der bei Berlin Binnenfischerei studiert hat. Von klein auf an sei er bei der Karpfen-Ernte dabei. „Wir sind hier eine lustige Runde, es macht Spaß.“ Da der Karpfen keine Schuppen habe, sei es gar nicht so einfach, ihn zu fassen zu bekommen. „Man muss wissen wie“, sagt er. „Man muss ihn mit einer Hand am Kopf und mit der anderen am Schwanz packen.“ Nicole Zühlke ist das zweite Jahr dabei. Ihre Eltern wohnen in Parkentin. „Es macht Spaß“, sagt sie.

Nach wenigen Minuten ist der Wassertank voll, werden die Karpfen auf den Hof gebracht. Die Fische im Teich werden freigelassen bis die nächste Abfisch-Runde beginnt. Die schauen sich Steffi Möller und Franziska Loster vom Ufer aus an. Es sei lustig anzusehen und ein schönes Beisammensein, sagen sie. Auch auf dem Fischereihof ist die Stimmung gut. Bei Musik der Band Timskis wird erzählt und natürlich Fisch gegessen.

Mönche bewirtschafteten Teiche bis 1552

1000 Karpfen sind am Wochenende in etwa aus dem Wiesenteich in Hütten geholt worden. Der Fischereihof Detlefsen lädt jedes Jahr zur Karpfen-Ernte nach Hütten ein. Der Teich wird in alter Tradition der Zisterzienser-Mönche abgefischt.

1906 nahm die Großherzogliche Forstverwaltung die Teichbewirtschaftung wieder auf. Die Teiche waren von den Mönchen des Zisterzienserklosters Doberan, das 1171 gegründet wurde, angelegt worden und bis zur Auflösung des Klosters 1552 bewirtschaftet worden. Um in der fleischlosen Fastenzeit auf gutes Essen nicht verzichten zu müssen, züchteten sie Karpfen.

Die abgefischten Karpfen werden in die Winterhälterung eingesetzt und sind zum Verkauf freigegeben.

Anja Levien

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