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Viele Tagesgäste ignorieren Kurtaxe

Bad Doberan/Rerik Viele Tagesgäste ignorieren Kurtaxe

Bürgermeister beklagen hohe Dunkelziffer bei Säumern / Strandvogte treiben Abgabe ein

Bad Doberan/Rerik. In den meisten Ostseebädern ist die Kurabgabe Pflicht. In Bad Doberan, Rerik, Kühlungsborn und Nienhagen müssen Tages- und Übernachtungsgäste einen Obolus an die Kommunen zahlen, die damit ihre touristischen Aufwendungen finanzieren. Doch die Säumer sind vor allem die Tagesgäste, so betroffene Bürgermeister. Dabei gingen den Kommunen Einnahmen verloren.

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Bürgermeister beklagen hohe Dunkelziffer bei Säumern / Strandvogte treiben Abgabe ein

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Denn die Zahl der Kurtaxen-Säumer sei relativ hoch, sagt Nienhagens Bürgermeister Uwe Kahl. Nicht alle würden den Automaten nutzen, der an der Promenade stünde. Um die Kurabgabe zu kontrollieren, wurde daher 2013 ein Strandvogt eingestellt. Mit großem Erfolg, sagt Uwe Kahl: „Jeden Monat sind es mehrere hundert Euro.“ Der Strandvogt achtet nicht nur auf die Sauberkeit am Strand und weist Hundebesitzer darauf hin, dass Tiere nicht erlaubt sind, genausowenig wie Lenkdrachen. „Ich achte darauf, dass die Satzung eingehalten wird“, sagt der Strandvogt, der nicht namentlich genannt werden möchte. Und in der steht, dass erwachsene Tagesgäste in der Hauptsaison 1,50 Euro, in der Nebensaison 1 Euro entrichten müssen. „Die Akzeptanz könnte vor allem bei den Rostockern höher sein“, stellt er seit Jahren fest. Denn an den Stränden unmittelbar um Rostock wie Warnemünde und Hohe Düne ist der Strandzugang kostenfrei. „Wenn ich vernünftig mit ihnen rede, sind aber eigentlich alle einsichtig.“

Mit den Einnahmen aus der Kurtaxe zahlt Nienhagen unter anderem den Rettungsschwimmer, hält kostenfreie Sanitäranlagen vor. Inhaber einer Kurkarte erhalten Ermäßigungen bei Veranstaltungen, können 30 Minuten kostenfrei ins Internet und erhalten Rabatte von Unternehmen.

Auch in Rerik kennt Bürgermeister Wolfgang Gulbis das Problem mit Tagesgästen. „Viele gehen einfach an den Strand ohne zu zahlen.“ Etwa ein Drittel der Kurtaxe-Einnahmen kämen von ihnen, zwei Drittel von Urlaubern, die im Ort übernachten. Beim Einchecken im Hotel oder in der Pension müssen Touristen die Abgabe zahlen und einen schriftlichen Meldeschein ausfüllen mit Angaben zur Aufenthaltsdauer, Herkunft und Anzahl der Mitreisenden. Vermieter sind verpflichtet, den Meldeschein in der Kommune abzugeben. Doch auch hier sei eine hohe Dunkelziffer auszumachen. „Die Stadt kann nicht kontrollieren, wenn ein Vermieter den Meldeschein einfach nicht abgibt oder die Angaben nicht korrekt sind“, sagt er. Beweisen lässt sich das nicht.

Wie wichtig die Einnahmen durch die Kurabgabe sind, zeigt die Statistik: 2015 hat die Stadt 604000 Euro eingenommen (2014: 583000 Euro). Mit dem Geld werde die touristische Infrastruktur aufrechterhalten und Urlauber mit Kurkarten erhalten Vergünstigungen. Immerhin kommen jährlich rund 60000 Gäste nach Rerik.

In Bad Doberan haben im vergangenen Jahr 310000 Urlauber übernachtet, teilt Andrea Lang, Chefin der Touristinformation, mit. Daraus lassen sich aber nicht die Kurtaxe-Einnahmen schließen, zu denen es noch keine Auswertung gebe. Was die Meldepflicht der Vermieter angeht, sei es richtig, „dass wir die Prozesse in den einzelnen Unterkünften nicht komplett überblicken können“, so Andrea Lang. Dennoch verweist sie auf eine gute Zusammenarbeit mit den Vermietern. Tobias Woitendorf, Sprecher des Landestourismusverbandes, verweist auf die Kommunen, die dafür sorgen müssen, dass Tagesgäste die Kurtaxe entrichten. Es gebe immer mal wieder Diskussionen darüber, ob Automaten die geeigneten Mittel seien.

Bislang müssen die Meldebescheinigungen per Hand erfasst und ausgewertet werden. Das ist aufwendig und mühsam. Künftig soll das ein einheitliches elektronisches System erledigen. Es wertet alle erforderlichen Daten aus und leitet sie weiter. „Dadurch wird die Transparenz höher“, sagt Woitendorf.

Katarina Sass

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