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Wieder mehr Fohlen in MV

Ganschow Wieder mehr Fohlen in MV

Die Pferdezüchter in MV schöpfen Hoffnung: Immer mehr Fohlen werden an der Küste geboren.

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Franz Wego (69) ist leidenschaftlicher Pferdezüchter. Hier mit Stute Levia Ana (5) und Fohlen Berliva von Bernay (3 Monate).

Quelle: Dietmar Lilienthal

Ganschow. Franz Wego ist Pferdezüchter aus Leidenschaft. Mehr als 30 Jahre ist es her, dass er mit „Helianthe“, seiner ersten Stute, „sein“ erstes Fohlen aufzog. „Das war eine Trakehner-Fuchsstute, die ich in Ganschow gekauft hatte“, erinnert sich der 69-Jährige. Eine seiner Töchter sei mit „Helianthe“ auch erfolgreich Turniere geritten. Insgesamt kommt der frühere Veterinär-Ingenieur, der viele Jahre auf Gut Dummerstorf bei Rostock in der Rinderzucht arbeitete, auf etwa 50 Fohlen. „Mein Herz schlägt höher, wenn eine Stute ein Fohlen bekommt, das gut einschlägt“, sagt der Dummerstorfer.

Etwa 1000 Fohlen seien in diesem Jahr geboren worden, schätzt Uwe Witt, Geschäftsführer des Pferdezuchtverbandes MV in Rostock. Pro Jahr würden jetzt etwa 50 bis 100 Fohlen mehr hinzukommen. Damit sei das hohe Niveau der 1990er Jahre zwar noch nicht erreicht. „Wichtig ist aber, dass es wieder aufwärtsgeht“, meint Witt. In Spitzenzeiten wurden in MV bis zu 1600 Fohlen jährlich geboren. Nach der Finanzkrise 2008/09 waren es zeitweise nur etwa 800.

„Wo Pferde nur als Prestigeobjekt und Geldanlage gekauft wurden, das brach durch die Krise weg“, weiß Ansgar Kurp, Inhaber des Gestüts Nordvorpommern in Kloster Wulfshagen (Kreis Vorpommern-Greifswald). „Die Nachfrage ging drastisch zurück.“ Für die Züchter seien das harte Jahre gewesen, „in denen sie ihre Tiere gar nicht verkaufen konnten oder nur zu schlechten Preisen“, sagt Verbands-Chef Witt. Deshalb hätten viele Züchter die Zahl ihrer Fohlen reduziert.

Ansgar Kurp spürt das auch in seinem Betrieb. Denn der gebürtige Niedersachse betreibt seit 2001 bei Marlow eine „Pferde-Kita“, in der er für andere Züchter deren Fohlen aufzieht. In besten Zeiten tummelten sich 60 bis 70 Jungtiere auf seinen Koppeln, jetzt sind es etwa 40. Kurp hat Kunden in ganz Deutschland. Daher weiß er: Die Krise traf die Pferdebranche bundesweit und sei auch noch nicht ausgestanden. Der Hannoveraner-Zuchtverband, der vor allem in Niedersachsen und im Rheinland viele Mitglieder hat, kämpft immer noch mit einem Rückgang von etwa 15 Prozent weniger Fohlen pro Jahr.

Die Züchter in MV schöpfen aber wieder Hoffnung. „Ich hoffe, dass wir die Talsohle durchschritten haben“, meint Friedhelm Mencke, Chef des Gestütes Ganschow (Landkreis Rostock). Der Betrieb bei Güstrow zieht dieses Jahr 30 Fohlen auf, in besseren Zeiten waren es mehr als doppelt so viele. „Wir haben bewusst reduziert, bis die Preise am Markt sich stabilisieren“, so Mencke. Aufzucht und Ausbildung der Tiere seien personalintensiv – und damit teuer. „Auf ein Pferd kann man keinen Computer setzen.“ Insgesamt seien derzeit zwar weniger Pferde auf dem Markt, doch die Preise steigen wieder. Mencke: „Das ist für uns ein gutes Zeichen.“

Fohlen mit guter Abstammung sollten nach Branchenangaben schon 3000 bis 4000 Euro kosten, gut ausgebildete fünf- bis sechsjährige Sportpferde etwa 15000 Euro. Die meisten im Land geborenen Fohlen stammen jedoch nicht aus größeren Gestüten, sondern von Hobby-Züchtern wie Franz Wego. Rund 2100 dieser Enthusiasten gibt es laut Verband der Pferdezüchter, die meisten hätten eine bis zwei Stuten im Stall.

Allerdings sinkt die Zahl der Züchter. „Viele sind bereits im Rentenalter und hören aus Altersgründen auf“, weiß Kurp. „Die Kinder machen oft nicht weiter.“ Erst kürzlich habe ein 70-jähriger Pferdefreund ihn gebeten, ihm bei der Auflösung der Zucht und beim Verkauf der Pferde behilflich zu sein.

Franz Wego aber denkt noch nicht ans Aufhören. Momentan hat er eine trächtige Stute, die auch ein Fohlen führt. „Die Tiere sind mein Hobby“, betont er. „Ich will nicht groß verdienen, sondern Freude haben.“ Nur die Kosten sollten annähernd wieder reinkommen, sagt der Pferdenarr, der auf einem Bauernhof bei Teterow aufwuchs.

Was ihn besonders motiviert: Innerhalb kurzer Zeit konnte er vier Pferde an Freizeitreiter verkaufen – vom Fohlen bis zum sechsjährigen Wallach. Nur eins blieb in MV, die anderen gingen in die Nähe von Hamburg, Hannover und Dortmund. Sogar aus Frankreich, Österreich und der Schweiz erhielt er Anfragen. Der Profi, der auch als Turnierrichter und Parcours-Chef einen guten Ruf hat, verrät sein Vermarktungsrezept: die Tiere auf Online-Plattformen anbieten. „Mit einem guten Video, das die Pferde in Aktion und Bewegung zeigt.“ Als Züchter ist Wego überzeugt: „Der Markt zieht wieder an.“

Elke Ehlers

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