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70 Jahre gemeinsames Glück

Ribnitz-Damgarten 70 Jahre gemeinsames Glück

Marianne und Otto Pingel feiern heute in Ribnitz- Damgarten Gnadenhochzeit. Dabei war es fast vorbei, bevor es richtig begann.

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Marianne und Otto Pingel mit dem Hochzeitsfoto vom 25. Oktober 1947.

Quelle: Foto: Robert Niemeyer

Ribnitz-Damgarten. Es kommt heutzutage ja immer seltener vor, dass zwei Menschen ein Leben lang zusammenbleiben. Und wenn doch, erreichen nur die wenigsten so viele gemeinsame Jahren, wie Marianne und Otto Pingel. Heute feiert des Ehepaar seinen 70. Hochzeitstag. Ein Anlass, um im Kreise der Familie – zwei Töchter, fünf Enkel, zehn Urenkel – zurückzublicken auf bewegte und bewegende Zeiten. Denn während vor den beiden hoffentlich noch einige glückliche Jahre liegen, liegen hinter ihnen ein Weltkrieg, der seine Spuren hinterlassen hat, drei politische Systeme, in denen sie sich zurechtfinden mussten, und eine ewige Liebe, die beinahe verblüht wäre, ehe sie richtig begann.

Schwer verwundet kehrte Otto Pingel 1943 zurück nach Deutschland. Er hatte im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront bei Leningrad gekämpft. Die Rote Armee befreite die Stadt, die deutschen Soldaten wurden zum Rückzug gezwungen. „Sieben Schuss haben mich erwischt“, erinnert er sich. Er verlor dabei den kleinen Finger an der linken Hand. Während der Genesung in seinem Heimatdorf Raduhn bei Parchim lernte er Marianne kennen. Er fast 20, sie vier Jahre jünger als er. Junge Liebe.

Nur ein halber Mensch

Doch es schien vorbei, bevor es richtig begann. Als die sowjetische Armee dem Deutschen Reich immer näher kam, musste Otto Pingel abermals kämpfen. In Marienburg im heutigen Polen. Ein aussichtsloser Kampf. Abermals wurde er schwer verletzt, verlor seinen rechten Unterarm.

Und er beendete die Beziehung zu seiner Marianne. „Ich war sehr niedergeschlagen. Ich habe gedacht: Wer will denn so einen Krüppel haben? Ich war ja nur ein halber Mensch“, erzählt Otto Pingel heute. Eine unvorstellbar schwierige Zeit für den 21 Jahre jungen Mann.

Doch Marianne wusste, zu wem sie gehört. „Weil wir uns einfach geliebt haben“, sagt die heute 89-Jährige.

Eines Abends, Otto hatte sich bereits schlafen gelegt, klingelte sie in Begleitung einer Freundin an seiner Tür. Die Wunden, die Verletzungen, die schwere Zeit: egal. Was folgte, war ein Tanzabend und die Entscheidung füreinander. Weihnachten 1946 verlobten sich die beiden. Am 25. Oktober 1947 wurde Hochzeit gefeiert. Das große Familienfoto dieses Festtages hängt noch immer an der Wand.

Ein Leben in Raduhn

Allerdings nicht mehr in ihrem Haus in Raduhn. Im vergangenen Jahr verließ das Ehepaar seinen Heimatort. Im Pflegeheim am Bodden in Ribnitz-Damgarten teilen sich die beiden ein kleines Zimmer.

„Es ist in Ordnung“, sagt Otto Pingel. Doch leicht war der Umzug nicht. „Es war nicht einfach, das alles hinter sich zu lassen.“ Das Haus hatte sein Urgroßvater 1900 gebaut. Im vergangenen Jahr wurde es verkauft.

Nahezu ihr ganzes Leben haben sie gemeinsam in Raduhn verbracht, auf einem kleinen Bauernhof. Bis zum Umzug hat Otto Pingel leidenschaftlich gern im Garten gearbeitet. Trotz, oder gerade wegen der fehlenden Hand.

Eigentlich Rechtshänder musste er nach Ende des Krieges vieles neu lernen. Eine von vielen Sorgen und Hürden, die das frisch gebackene Ehepaar zu meistern hatte. Marianne begann, in der LPG zu arbeiten. Otto bezog eine kleine Rente. Die bekam er allerdings auch nur, weil er Haus und Hof seiner Ehefrau überschrieb. Wer vermögend war, bekam keine Rente. „Das war schon ein kleines Risiko, das alles der Frau zu schenken“, sagt Otto Pingel heute. Das leicht verschmitzte Lächeln verrät dabei, dass ihm wohl nie wirklich der Gedanke gekommen ist, seine Frau könnte ihn vor die Tür setzen.

Bis zur Wende war Otto stellvertretender Bürgermeister seiner Gemeinde. Über die Jahrzehnte hat er Gemeindeoberhäupter kommen und gehen sehen. Er selbst wollte nie Bürgermeister sein. „Dafür hätte ich in die SED eintreten müssen. Das wollte ich nicht“, sagt er.

Vertrauen, Achtsamkeit und . . .

Trotz der Schwierigkeiten – die bald vierköpfige Familie lebte gemeinsam mit Ottos Mutter in zweieinhalb Zimmern – ging der Mut und die Freude am Leben nie verloren. „Es wurde viel gefeiert, wir haben oft getanzt“, erinnert sich Marianne.

„Es hat alles gut funktioniert“, erinnert sich Vera Peter, eine der beiden Töchter des Ehepaars. Die Dorfgemeinschaft hielt zusammen, ebenso die Familie. Mariannes Eltern zogen ebenfalls nach Raduhn.

1989 legte Otto sein Ehrenamt nieder. Die Mauer fiel. Ein erneuter Umbruch. „Diese Veränderung ist uns schwer gefallen. In der DDR war vieles faul. Aber es war trotzdem ein gutes Leben“, sagt Otto Pingel.

Und was ist das Geheimnis für ein 70 Jahre währendes, gutes, gemeinsames Leben? „Gegenseitiges Vertrauen und aufeinander Achten“, sagt Otto Pingel. „Und immer einander lieben“, sagt Marianne.

Grüne, Silberne und Eiserne

Für Ehejubiläen gibt es traditionelle Bezeichnungen, los geht es mit der Grünen Hochzeit, die die Trauung selbst bezeichnet.

Ein Jahr lang Verheiratete feiern Baumwollhochzeit, bei fünf Jahren ist es die Holzhochzeit. Bei zehn Jahren gibt es die Rosenhochzeit.

25 Ehejahre sind bekannt als

die Silberne Hochzeit. Wer es

doppelt so lange miteinander aushält, kann schließlich den Ehrentag der Goldenen Hochzeit feiern.

60. Jahrestag der Eheschließung bedeutet die Diamantene

Hochzeit.

Unter dem Begriff Eiserne Hochzeit ist das 65. Ehejubiläum be-

kannt.

Sieben Jahrzehnte (Gnadenhochzeit) Ehe sind eine Seltenheit.

75 Jahre lang verheiratete Paare feiern Kronjuwelenhochzeit.

Robert Niemeyer

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