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Ab August: Eine Schulfahrt, die wird teuer

Ribnitz-Damgarten Ab August: Eine Schulfahrt, die wird teuer

Eltern, die ihr Kind nicht auf die örtlich zuständige Schule schicken, tragen die Fahrtkosten künftig allein / Kritiker sehen das Schulgesetz ausgehebelt

Ribnitz-Damgarten. Achtung, für viele Eltern beginnt das neue Schuljahr mit einem tiefen Griff in die Geldbörse – es wird teuer. Ab August bezuschusst der Landkreis nämlich nicht mehr alle Fahrten mit dem Schulbus.

Eltern, die ihre Kinder nicht auf die örtliche zuständige Schule schicken, tragen die Fahrtkosten dann zu 100 Prozent allein. Und davon sind in der Region viele betroffen – beispielsweise alle, deren Kind in einer Freien Schule, beispielsweise der Damgartener Löwenzahnschule lernen. Aber auch die benachbarte staatliche Harbig-Schule ist von der neuen Regelung betroffen. „Gerade in den höheren Klassenstufen haben wir etliche Schüler, die in Marlow leben“, sagt Direktorin Kerstin Schapperjahn. Für die Marlower ist eigentlich die Ribnitzer Bernsteinschule die sogenannte „zuständige Schule“. „Doch die empfinden viele Eltern als zu groß, sodass sie sich für unsere überschaubare Einrichtung entschieden.“ Schapperjahn befürchtet, dass viele Eltern sich die zusätzlichen Kosten nicht leisten können und ihre Kinder eventuell umschulen.

Keine freie Schulwahl mehr möglich

Dass außerdem die „freie Schulwahl“, die im Schulgesetz fest verankert ist, damit ausgehebelt werde, kritisiert Dörte Diester aus der Löwenzahnschule. „So frei ist die Wahl der Schule dann nämlich gar nicht mehr, wenn sich nicht alle Eltern den Bus dorthin leisten können.“

Ein Beispiel: Als René Wegner aus Ahrenshagen vor Jahren beschloss, seine beiden Söhne in der Freien Schule Prerow anzumelden, zahlte er für die Fahrten noch gar nichts. Der 44-Jährige und seine Frau wählten die Schule, weil dort auch Spanisch und Wirtschaft unterrichtet wird. „Eine Ganztagsschule mit gutem Unterricht und außerschulischen Angeboten.“ Wegner empfindet es als seine Pflicht, seinen Kindern die bestmögliche Ausbildung zu garantieren.

Doch der Sparkurs des Landkreises schritt von Schuljahr zu Schuljahr voran. Wegner zahlte zunächst 56,80 Euro pro Monat und Kind für die Fahrten zur Schule. Ab dem kommenden Schuljahr sind es 106,80 Euro monatlich pro Schüler. Er gründete die Initiative „Schülerbeförderung“ und befasste sich intensiv mit der Thematik. Wegner erfuhr, dass der Landkreis 2,7 Millionen Euro Zuschüsse für die Beförderung kassiert und fragt sich: „Wo bleibt das Geld wenn so viele Eltern doch allein für die Kosten aufkommen müssen?“ Wegner ist irritiert, dass viele Eltern noch nicht gegen die neue Regelung vorgegangen sind und vermutet, dass die meisten noch gar nicht wissen, was auf sie zukommt.

„Immerhin ist dieser Beschluss im Kreistag bereits im vergangenen Jahr von den Abgeordneten gefasst worden und wird erst in diesem Jahr umgesetzt – klammheimlich.“Wegner geht die Art und Weise mehr gegen den Strich, als die hohen Kosten. „Das Schulgesetz besagt, dass es eine freie Schulwahl gibt. Dann müssen sie diese Wahl auch Eltern ermöglichen, die sich 100 Euro monatlich nicht leisten können.“

Am falschen Ende gespart und unzumutbar für die Schüler

Die Schülerbeförderung sorgt für viel Diskussionsstoff. Schulleiterin Kerstin Schapperjahn findet es nicht korrekt, dass die neuen Regeln zur Schülerbeförderung so abrupt greifen. „Immerhin haben sich viele Schüler unter der Maßgabe bei uns angemeldet, das die Fahrtkosten frei sind. Und Jugendliche kurz vor den Prüfungen in die örtlich zuständige Schule umzuschulen, nur weil die Fahrtkosten dann gezahlt werden, ist für die angehenden Prüflinge schwierig.“ Und außerdem sei es pädagogisch auch gar nicht gewollt, bestärkt die Direktorin der Ribnitz Bernsteinschule, Christina Bonke. „Das ist keine Bildungsgerechtigkeit und absolut am falschen Ende gespart.“ Bonke schrieb einen Brief an den Bildungsminister und unterstützt eine landesweite Elterninitiative: „Wir brauchen ein Schülerticket, das allen Schülern ermöglicht, kostenlos zur Schule ihrer Wahl zu fahren. Auch nach dem Unterricht sollten sie flexibel und mobil sein, damit sie beispielsweise an Praktika oder außerschulischen Angeboten teilnehmen können.“ Die Bernsteinschule arbeitet zurzeit eng mit dem Kunsthaus Ahrenshoop zusammen – weitere Fahrtkosten entstehen, die nicht von allen Eltern bezahlbar sind.

Olaf Manzke, Pressesprecher des Landkreises erklärt: „Der Landkreis musste ein Haushaltssicherungskonzept vorlegen. Alle freiwilligen Aufgaben, wozu auch die Schülerbeförderung gehört, kamen auf den Prüfstand.“ Die Abgeordneten hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. „Aber durch die neue Regelung spart der Kreis jährlich 800000 Euro. Die 2,7 Millionen Euro Fördermittel werden hingegen benötigt, um die Schüler in ihre zuständigen Schule zu befördern. Antworten, die René Wegner nicht zufrieden stellen. Er ist froh, dass sein älterer Sohn in diesen Tagen mit der Schule fertig ist.

Carolin Riemer

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