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Adebar macht sich rar: Viele Nester bleiben leer

Stralsund/Bergen Adebar macht sich rar: Viele Nester bleiben leer

Die Storchenbestände in Vorpommern-Rügen sind in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen

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Solche Bilder werden immer seltener: Weißstörche bei der Paarung in einem Nest auf der Insel Rügen.

Quelle: Matthias Bräse

Stralsund/Bergen. Die Anzahl der Weißstörche nimmt im Landkreis Vorpommern-Rügen kontinuierlich ab. „Gerade auf Rügen ist die Population in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen“, sagt Storchenexperte Matthias Bräse. Er beschäftigt sich seit seiner Jugend mit den Schreitvögeln, beringt seit 1997 die Jungtiere und führt als Storchen-Regionalbeauftragter des Nabu akribisch Buch über jedes Storchenpaar, das sich auf der Insel Rügen niederlässt.

„2015 hatten wir gerade einmal 16 Paare auf der Insel, die 24 Jungvögel groß gezogen haben“, sagt er. „In den 1990er-Jahren waren es deutlich mehr. 1997 gab es 34 Storchenpaare und rund 80 Aufzuchten.“ Und auch 2016 wird wohl wieder deutlich schlechter verlaufen als das Vorjahr, prognostiziert Bräse. Aktuell seien auf Rügen neun Paare sowie ein Einzelstorch bestätigt worden.

Auch auf dem Festland ist die Situation erschreckend. „Nördlich der B105 stehen die meisten Nester leer“, berichtet der Storchenbetreuer Eckhard Frädrich aus der Region Stralsund. Im Altkreis Nordvorpommern ist der Bestand im letzten Jahr von 113 Paaren im Jahr 2014 auf 108 Paare 2015 geschrumpft. Während die Zahlen in Deutschland ansteigen, ist der Bestand in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2004 und 2014 um 25 Prozent zurückgegangen. Die Gründe für die unterschiedliche Entwicklung der Storchenzahlen in Deutschland sind komplex, wie Bräse sagt. Die Störche setzen sich aus zwei Populationen zusammen, die unterschiedliche Überwinterungsquartiere und Flugrouten haben. Während die Westzügler über Spanien ins Winterquartier nach Westafrika ziehen, fliegen die Ostzügler über den Bosporus und die Sinai-Halbinsel nach Ost- und Südafrika. „Die Westzügler überwintern zunehmend in Spanien und machen sich nicht mehr den langen Weg“, beschreibt Bräse. „Daher haben sie in jedem Fall die kürzere Zugroute und weniger Verluste.“ Die in Vorpommern dominierenden Ostzügler wurden in den vergangenen Jahren zusätzlich durch Dürren in ihren Überwinterungsgebieten belastet. Manch einer dürfte den Weg einfach nicht mehr geschafft haben.

Ein weiterer Grund des Storchenschwunds liege im Wandel der Kulturlandschaft. „Die ganz jungen Störche fressen vor allem Insekten und Würmer“, erzählt Bräse. Genau das sei das Problem. „Die Landwirte benötigen heute jeden Meter Fläche, um rentabel wirtschaften zu können. Der Einsatz von Pestiziden ist längst normal.“ In dieser Landschaft bleibe zu wenig Futter für die Jungstörche übrig.

Wer den Störchen Unterstützung bieten möchte, dem empfiehlt Bräse, im eigenen Garten auf Pestizide zu verzichten. Wer über etwas mehr Land verfügt, kann mit der Anlage eines kleinen Teichs noch mehr für die „Knickebeine“ tun. Vielleicht wird dann manches Storchennest wieder besetzt. Dass es sich um dieselben Tiere wie in vorherigen Jahren handelt, sei eher unwahrscheinlich. „Auch wenn viele Menschen davon überzeugt sind, dass es sich um ihr Storchenpaar handelt, ist dem nur manchmal so“, sagt Bräse. „Die besten Nester werden von den ersten Störchen besetzt, die ankommen. Wenn sie nicht beringt sind, lassen sich Störche auch kaum voneinander unterscheiden.“

Viele Menschen freut es, wenn die großen schwarz-weißen Vögel auf ihren Nestern stehen, mit den Schnäbeln klappern und balzen oder zur Nahrungssuche über die Wiesen stolzieren. Und das wollen alle Storchenfreunde zwischen Bergen und Grimmen auch künftig gern beobachten.

Wenig Storchengeklapper

2015 war kein gutes Storchenjahr im Land Mecklenburg-Vorpommern. Die Betreuer konnten im vergangenen Jahr 800 besetzte Storchennester erfassen. Das sind 64 Storchenpaare weniger als 2014. Im landesweiten Durchschnitt sind nur 1,52 Junge pro Nest ausgeflogen.Von den 800 Brutpaaren blieben 265 Paare ohne Nachwuchs.

In Deutschland sieht die Situation anders aus, die Zahlen steigen an: 1988 wurden noch 2949 Brutpaare gezählt. 1994 zählte man wieder 4155 Brutpaare, 2013/14 erhöhte sich die Zahl noch einmal, da waren es dann sogar 4482 (Weißstorchzensus).

Von Anne Ziebarth

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