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Alkohol ist Droge Nummer eins

Ribnitz-Damgarten Alkohol ist Droge Nummer eins

Im vergangenen Jahr nahmen 133 Suchtkranke Hilfe in Anspruch – für Ribnitz-Damgarten eine sehr hohe Zahl

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Suchtberater: Alkohol ist Droge Nummer 1

Jenny Jelitto und Manfred Drengk vor dem Eingang der Evangelischen Suchtkrankenhilfe in Ribnitz-Damgarten.

Quelle: Anika Wenning

Ribnitz-Damgarten. Bis Suchtkranke sich Hilfe bei einer Beratungsstelle holen, vergehen nicht selten zehn Jahre. „Die Erkenntnis, dass es für mich ein Problem ist, braucht Zeit. Vorher reden sich die Suchtkranken ein, dass sie es alleine oder gemeinsam mit ihrem Partner schaffen“, erklärt Manfred Drengk von der Evangelischen Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern.

Härtere Drogen, wie Kokain, werden vielleicht mal ausprobiert, aber viele bleiben beim Cannabis und beim Alkohol hängen.“Manfred Drengk,

Suchtberater

Der 61-Jährige berät gemeinsam mit seiner Kollegin Jenny Jelitto Suchtkranke im Mittelweg 1 in Ribnitz-Damgarten.

Hauptproblem sei Alkohol. Von den 133 Klienten (davon 104 männlich, 23 weiblich), die im vergangenen Jahr Hilfe in Anspruch nahmen, sei bei 107 (84 männlich, 23 weiblich) die Hauptdiagnose Alkoholsucht gestellt worden. Allerdings würden häufig andere Suchtprobleme, wie Cannabis, hinzukommen. „Bei vielen Jugendlichen ist die Einstiegsdroge sogar meist Cannabis, dann kommt Alkohol hinzu“, berichtet Manfred Drengk. „Härtere Drogen, wie Kokain, werden vielleicht mal ausprobiert, aber viele bleiben beim Cannabis und beim Alkohol hängen. Die härteren Drogen sind einfach zu teuer.“

Doch auch die Alkoholsucht sei teuer. „Ich hatte einen Klienten, der 40 Jahre getrunken hat. Wir haben ausgerechnet, dass er etwa 280000 Euro dafür ausgegeben hat. Davon hätte er sich ein Haus bauen können“, sagt Manfred Drengk.

Heroin spiele so gut wie keine Rolle bei der Sucht- und Drogenberatungsstelle. „Da gibt es einen hohen Angstfaktor“, sagt der 61-Jährige. „Dazu haben auch die Medien mit Schockbildern und Berichten beigetragen.“ Bei Crystal Meth würde diese Abschreckung leider nicht in diesem Maße funktionieren. „Hier gibt es immer wieder das Gerücht, dass die Schockbilder maßlos übertrieben sind“, so der Suchtberater.

In der Sucht- und Drogenberatungsstelle in Ribnitz-Damgarten würden derzeit zwei Crystal- Meth-Abhängige behandelt, die von der Droge wegkommen wollen. Die Dunkelziffer sei allerdings sehr hoch. „Das ist die Spitze des Eisbergs“, berichtet Jenny Jelitto. „Insgesamt geht man davon aus, dass nur sieben bis zehn Prozent der Suchtkranken zu einer Beratungsstelle gehen.“

Immer häufiger würden auch Angehörige Hilfe in Anspruch nehmen. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 25. „Eltern reagieren bei ihrem Kind häufig mit einer Co-Abhängigkeit. Sie schützen ihre Kinder, erfinden bei anderen Ausreden. Das sieht man auch immer wieder bei Ehepartnern“, erklärt Drengk. So würden sie allerdings die Suchtentwicklung noch erhöhen. „Wir machen ihnen klar, dass sie ihrem Kind kein Geld, keine Unterstützungsleistung geben dürfen. Nur wenn der Leidensdruck hoch ist, kann ein Veränderungsprozess in Gang gesetzt werden.“

Seit September 2014 gibt es die Sucht- und Drogenberatungsstelle. „Ich war überrascht, wie viele Klienten kommen“, berichtet Manfred Drengk, der auch noch in der Suchtberatungsstelle in Stralsund arbeitet. „Der Bedarf in Ribnitz-Damgarten ist überraschend groß, signifikant größer als in Stralsund. Man hat den Eindruck, dass sich jetzt einige trauen. Unsere Beratungsstelle liegt auch sehr zentral. Wir sehen immer wieder Leute, die erst mal um das Gebäude herumgehen und beim zehnten Mal kommen sie dann auch zu uns herein. So etwas braucht einfach Zeit.“

Zwar gab es bereits zuvor eine Suchtberatung in Ribnitz-Damgarten, allerdings hatte sich der Verein Chamäleon auf junge Klienten unter 27 Jahre konzentriert. Seit Ende Juni diesen Jahres hat die Chamäleon-Suchtberatungsstelle im Mittelweg geschlossen. Lediglich die Präventionsarbeit, unter anderem an Schulen, bleibe weiterhin bestehen, hieß es seitens der Stadt Ribnitz-Damgarten.

Sprechzeiten

133 Klienten haben im vergangenen Jahr die Hilfe der Evangelischen Suchtkrankenhilfe in Ribnitz-Damgarten in Anspruch genommen. Etwa 70 Prozent aller Klienten kommen aus Ribnitz-Damgarten,

die übrigen 30 Prozent aus der Umgebung, unter anderem Barth, Fischland-Darß-Zingst oder auch Marlow und Bad Sülze.

Die Sucht- und Drogenberatungs-

stelle, Mittelweg 1, hat montags von 12.30 bis 17 Uhr, dienstags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Termine außerhalb der Sprechzeiten können vereinbart werden unter der Telefonnummer 03821/3900069.

Anika Wenning

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