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„Alles was Tasten hat und kein Klavier ist“

Rostock „Alles was Tasten hat und kein Klavier ist“

Johann-Gottfried Schmidt ist selbstständiger Orgelbauer / Bald arbeitet er an einem Instrument für die Innenstadtgemeinde

Rostock. Es war kein gerader Weg, den Johann-Gottfried Schmidt ging, bis er selbstständiger Cembalo- und Orgelbaumeister wurde. In Berlin wurde der jetzt 45-jährige groß.

Das Abitur blieb ihm verwehrt: Der Vater war Cembalobauer und Restaurator am Kunstgewerbemuseum Berlin, die Mutter Flötistin. „Ich bekam am Kombinat mit eigener Schule und Werkstatt eine sehr gute Ausbildung zum Bau- und Möbeltischler“, sagt er. In der Wendezeit, der Vater hatte sich in Rostock als Cembolobauer niedergelassen, begann er im Tannenweg als Lehrjunge. 1994 war er Cembalobauer.

Schmidts „Wanderschaft“ führte ihn zu Cembalobauern in Ost und West. Er war bei Bernhard von Tuchern in Leitheim, bei Jürgen Ammer bei Kassel und bei Klemens Kleitsch in Rosenheim. Die Suche nach dem eigenen Weg machte ihn für fünf Jahre zum Orgelbaugesellen. „Ich konnte an solch schönen Objekten wie im Bremer Dom, am Dom im norwegischen Bergen und am Rigaer Dom mitarbeiten“ erinnert er sich. Mit dem Tod des Vaters kam der Einstieg in die Firma. Das Abitur an der Abendschule wurde zur Voraussetzung für die Meisterschule in Ludwigsburg.

2003 begann der Bau von Kleinorgeln und Cembalos, im gleichen Jahr zog die Firma in den Tannenweg. „Historische Tasteninstrumente Johann-Gottfried Schmidt“: so das Firmenschild. Dahinter verbirgt sich der Bau von Truhen- und Kleinorgeln, Cembali, Spinette, Virginale und Clavichords. „Wir machen alles, was Tasten hat und kein Klavier ist“, sagt Schmidt lachend. „Wir bauen die Instrumente nach Wünschen und Vorstellungen der Besteller.“ Schwerpunkt sind die Truhenorgeln. Jedes Jahr werden zwei Instrumente gefertigt. Aktuell entsteht ein Cembalo für einen Privatmann bei Bonn. Die Truhenorgel für die Innenstadtgemeinde wird das nächste Instrument. Auch die Lautencompaney Berlin, die Wittenberger Schlosskapelle und die Sandvikenkommune in Schweden bekamen Orgeln.

Jedes Teil wird in der Werkstatt von Hand gefertigt. Für Orgelkörper, Tastatur, hölzerne Pfeifen stehen Holzbearbeitungsmaschinen bereit. Bleche werden zurechtgeschnitten und zu Pfeifen geformt. „Für die geringen Stückzahlen gibt es keine Zulieferer“, sagt er. Ein Mitarbeiter und zwei Lehrlinge stehen ihm r zur Seite. Bisher wurden vier Lehrlinge ausgebildet. „Auch meine Schwester Marie-Elise hat drei Jahre bei mir gelernt.“

Neben dem Neubau gehören die Restauration, Reparatur und Pflege von Instrumenten zur Arbeit. So werden die Zungenregister der Rostocker Hauptkirchen und die Cembali des Volkstheaters und der HMT gestimmt. Der Weg führt ihn durch ganz Deutschland. „Ich bin oft tagelang unterwegs. Da muss die Familie mitmachen. Urlaub fällt oft knapp aus“, sagt Schmidt. Auch die von ihm angebotenen Kurse zum Selbstaufbau von Clavichorden führen ihn weit fort. In diesem Jahr sind Kurse in Rostock, München, Wien und Cambridge. „Sie werden gut angenommen.“

Von Jürgen Falkenberg

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