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Als der Nationalsozialismus Damgarten erreichte

Ribnitz-Damgarten Als der Nationalsozialismus Damgarten erreichte

Im Februar 1930 wurde die Damgartener Ortsgruppe der NSDAP gegründet

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Briefkopf der NSDAP-Ortsgruppe Damgarten.

Quelle: Sammlung Jan Berg

Ribnitz-Damgarten. Im Juli 1930 registrierte ein „Verzeichnis staatsfeindlicher Personen“ drei Ortsgruppen der NSDAP im Kreis Franzburg-Barth. Die größte dieser Ortsgruppen hatte sich in Prerow formiert. Sie zählte unter Leitung des Kellners Otto Wolff beachtliche 45 Mitglieder. Wolff betrieb die dortige Bahnhofsgaststätte und geriet schon 1929 dadurch ins Visier des Staatsschutzes, „daß die periodisch erscheinende Zeitung ,Die Diktatur‘ im Wartesaal des Bahnhofs Prerow ausliegt und daß im Wartesaal Versammlungen der Nat.-Soz. Partei unter Führung des Kellners Wolff abgehalten werden“.

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Zweitstärkste Ortsgruppe war zu diesem Zeitpunkt jene in Velgast mit 32 Mitgliedern, gefolgt von jener in Bartelshagen mit 28 Mitgliedern. Damit hatte die Partei ihre ersten regionalen Zentren nicht in den Städten, sondern auf dem flachen Land.

Die Gründung der Damgartener Ortsgruppe der NSDAP datiert in den Februar 1930 und erfolgte auf Initiative des Tierarztes Dr. Otto Graf. Graf beschrieb sein „Erweckungserlebnis“ wie folgt: „Im Winter 1930 sei er mit seinem Auto durch Kenz gefahren und hätte dort durch Zufall eine nat.-soz. Versammlung besucht. Das Gehörte habe damals so gewaltig auf ihn eingewirkt, daß er und seine beiden Begleiter Hauptmann Pollatz und seine Frau, sich sofort in die Partei aufnehmen ließen. Er habe dann etwa Mitte Februar die erste Versammlung in Damgarten angesetzt, die zur Gründungsversammlung der Ortsgruppe wurde. Von den zahlreichen Versammlungsteilnehmern fanden sich aber nur bereit, in die Partei einzutreten: P(artei)g(enossen) (Fritz) Rosenfeldt, (Hans) Tarnow und (Hans) Dedow. Im Laufe desselben Jahres kamen aber weitere Mitglieder hinzu, so daß die Zahl vorläufig auf 12 stieg. Die Erfolge blieben nicht aus, nicht besonders bemerkbar in der Mitgliederzahl, wohl aber in den Wahlergebnissen.“ In den Fokus der Behörden des Kreises war die kleine Gruppe zu diesem Zeitpunkt noch nicht geraten.

Innerhalb der Ortsgruppe kam es in der Folgezeit zu Machtkämpfen zwischen gemäßigteren Parteigenossen (Graf) und extremistischer Eingestellten (Rosenfeldt). Nach Aussagen eines Damgartener Sozialdemokraten hatte sich Graf 1933 schützend vor örtliche Kommunisten und Sozialdemokraten gestellt und so deren geforderte Überstellung in ein Konzentrationslager verhindert. An seiner Grundüberzeugung ließ Graf dennoch keine Zweifel. Bei seiner Vereidung als stellvertretender Bürgermeister im April 1935 bekundete er, „sein Amt als alter Nationalsozialist im Sinne des Führers auszuführen“.

Letztlich wurden Graf aber die internen „Machtgelüste eines Rosenfeldt“ zum Verhängnis, woraufhin er wohl 1936 seines Postens enthoben wurde. Stadtrat blieb der Tierarzt weiterhin. Seine Nachfolge als örtlicher Parteiführer trat zunächst der Maler Jakob Dahmen an. Schon im Juli 1937 wurde Horst Pieper neuer Ortsgruppenleiter. Er blieb es offiziell bis zum Kriegsende. Nachdem Pieper zum Heeresdienst einberufen worden war, übernahm der namentlich noch unbekannte, stellvertretende Ortsgruppenleiter die Parteigeschäfte. Als dieser erkrankte, rückte der städtische Angestellte Adalbert Binz in die erste Reihe. Binz arbeitete seit 1937 in der Stadtkasse und war SA-Obersturmführer. Er hatte am Polen- und Westfeldzug teilgenommen.

Wieder in Damgarten trat er dann vom Frühjahr 1941 bis zu seiner Einberufung zum Russlandfeldzug im Februar 1942 die Funktion des aktiven Stellvertreters an.

Auf Binz folgte kurzzeitig ein namentlich erwähnter Köhn. Im Mai 1943 wiederum unterzeichnete der städtische Angestellte Hermann Schröder als kommissarischer Ortsgruppenleiter parteiamtliche Schreiben. Die Entnazifizierungskommission bescheinigte Schröder nach Kriegsende trotz dieser Tätigkeit „einen guten Leumund“ in Damgarten.

Von Jan Berg

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