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Als der Nationalsozialismus Ribnitz erreichte

Ribnitz-Damgarten Als der Nationalsozialismus Ribnitz erreichte

Fackelmarsch am 7. Februar 1933 anlässlich der Machtübergabe an die NSDAP

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Historisches Foto von einem Fackelzug vor dem Ribnitzer Rathaus im Jahre 1938.

Quelle: Stadtgeschichtliche Sammlung

Ribnitz-Damgarten. Am 7. Februar 1933 erleuchtet Ribnitz im Fackelschein. Anlässlich der Machtübergabe an die NSDAP in Berlin zieht ein Fackelzug bestehend aus bis zu 1000 Menschen triumphal durch die Straßen. Gespenstisch streifen menschliche Schatten die Fassaden. In der Nizzestraße haben unter anderem die „nationalsozialistischen Verbände“, zahlreiche Schüler, städtische Vereine und Angehörige des „Stahlhelm“ Aufstellung genommen. Um 20 Uhr geht es los, flankiert von 500 Fackelträgern. Die SA-Kapelle geht dem Zug voran. Unter den Augen vieler Schaulustiger windet sich der Zug durch die Lange Straße, durchschreitet das Rostocker Tor, passiert die Bergstraße und macht sich dann auf den Rückweg durch Mühlen- und Gänsestraße zum Marktplatz auf.

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Auf dem Rückweg geht bereits den meisten Fackeln die Luft aus. Es wird merklich dunkler. Am Markt angekommen, ist aus dem Feuer ein Glimmen geworden. Deshalb muss auch das theatralische Zusammenwerfen der brennenden Fackeln auf dem Markt entfallen.

Der Platz hat sich derweil so gut gefüllt, dass den am Rand stehenden Zuhörern die Worte des Bürgermeisters Decker verborgen bleiben. Decker begrüßt den lang erhofften Sieg einer „nationalen Regierung“, die nun aber „vor schweren Aufgaben stehe“. Er fordert Alle zur Unterstützung der Regierung auf und beendet seine Ausführungen mit einem dreifachen „Sieg Heil“.

Dieser Ausruf findet aber nur bei jenen Ribnitzern lautstarken Widerhall, die „sich eins fühlten mit dem Redner“. Zwar gaben bei der Reichstagswahl Ende Januar 1933 1865 Ribnitzer der NSDAP ihre Stimme, aber 718 bzw. 197 votierten für die SPD bzw. für die KPD.

Zwei Monate später sind wieder zahlreiche Ribnitzer auf den Beinen. Diesmal versammelt die Ortsgruppe der NSDAP die Ribnitzer zu einer „Protestkundgebung gegen die kommunistisch-jüdische Gräuelpropaganda“ hinter sich. Es handelt sich um eine offen antisemitische Veranstaltung. Im Zug werden Schilder mit den Aufschriften getragen, „jüdische Geschäfte zu meiden“ und stattdessen „den Mittelstand zu unterstützen“. Hierbei handelt es sich nicht um die ersten Aktionen gegen das Judentum in der Stadt. Schon im Frühling 1927 macht der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ das Schweriner Innenministerium auf die Schändung „israelitischer Friedhöfe in schwerster Weise“ aufmerksam. Neben Gnoien und Kröpelin, wird auch Ribnitz explizit genannt, auch wenn besagter Fall bereits „einige Jahre zurückliegt“. Als Urheber dieser Schändungen macht der Zentralverein „politische Fanatiker“ aus. Sechs Jahre später werden jene „Fanatiker“ die Politik bestimmen.

Die Teilnehmer der „Protestkundgebung“ sammeln sich in der Bürgerhalle. Dort wird zunächst eine Rede von Joseph Goebbels übertragen. Sie erfordert höchste Konzentration, denn der Empfang ist äußerst schlecht. Die Stimmung im Saal bessert sich spürbar, als NSDAP-Ortsgruppenleiter Otto Koeppe ein an Adolf Hitler abgeschicktes Telegramm vorliest: „ Ganz Ribnitz bezeugt durch Massendemonstration und überfüllte Protestversammlung treue Gefolgschaft im Abwehrkampf gegen Juda. NSDAP. Ortsgruppe Ribnitz.“ Im Saal branden „stürmische Zurufe und Heilsrufe“ auf.

Anschließend erläutert Koeppe, welche Boykottmaßnahmen hier vor Ort gegen jüdische Geschäfte geplant sind. Zu diesem Zeitpunkt leben noch 16 Menschen jüdischen Glaubens in Ribnitz.

Jan Berg

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