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Altenheimbewohner beschwerten sich übers Essen

Ribnitz-Damgarten Altenheimbewohner beschwerten sich übers Essen

Im Spätsommer 1936 schaltete sich das Ribnitzer Rathaus ein und forderte eine bessere Verpflegung

Ribnitz-Damgarten. Spätsommer 1936: Naserümpfend und mit einem Kopfschütteln schiebt der Altenheimbewohner Louis Meimann seinen halb leergegessenen Teller zurück in die Mitte des Tisches. Er ist, wie einige Mitbewohner des Hauses auch, mit der Verpflegung nicht mehr zufrieden. Seit Frühjahr 1935 sei diese „merkbar schlechter geworden“.

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Für die Zubereitung der Speisen ist Ida Rohde verantwortlich. Seit Juli 1928 putzt, wäscht und kocht sie für die Ribnitzer Altenheimbewohner.Meimann bemängelt, dass die geschmierten, „sehr dünn“

geschnittenen Brote ohne Butter gereicht würden. Zudem sei Wurst seit längerer Zeit Mangelware. Ständig gebe es Schmalz mit Käse. Die Bewohner hätten sich daran „schon so übergegessen, dass manche der alten Frauen sich hin und wieder für ihre monatlich 2 Mark Taschengeld Butter gekauft haben“. Fleisch gebe es nur sonntags. Im Verlauf der Woche müssten sich die Alten mit Speck zu den Mittagsmahlzeiten begnügen. Stattdessen gebe es an mehreren Tagen in der Woche mittags nur Kartoffelsuppe. Nach Auffassung Meimanns eher „Kartoffeln mit Wasser, weil keinerlei Fett an der Suppe ist, sondern nur Gemüse“.

Dieser Kritik nimmt sich auch das Rathaus an. Nach erfolgter Recherche kommt Stadtrat Sodemann zu der Einsicht, dass die Einwände durchaus berechtigt sind. Die Brote zum Abendbrot seien so dünn wie „Laubblätter“. „Ein gesunder Mensch (könne) davon nicht satt werden, ob gleich es alte Leute sind, die weniger essen“. Frau Rohde wird deshalb aufgefordert, zukünftig „etwas reichlicher zu geben“.

Doch dies ist nicht das einzige Übel im Altenheim. Besonders belästigt fühlen sich die Bewohner vom „unangenehmen Geruch“ der Toilettenanlage der im Haus untergebrachten Krankenzimmer. Weil der Einbau eines Spülklosetts die finanziellen Kräfte der Stadt übersteigt, sollen Handwerker prüfen, ob „durch einen dichteren Abschluss an der Tür des Aborts das Ausdringen des Geruchs vermeiden werden kann“. Nach wenigen Wochen sind die Abdichtungen vorgenommen.

Im August 1936 spitzt sich das Verhältnis zwischen Familie Rohde und der Stadtverwaltung weiter zu. Die Familie ist gleichzeitig Vermieterin von Wohnungen in ihrem Haus im Rostocker Landweg. Mit Hilfe eines Rechtsanwalts kündigt sie nun zahlreichen Mietern, unter anderem weil das Grundstück illegalerweise für die Schweinehaltung genutzt wird. Bürgermeister Dr. Wegner schlägt sich auf die Seite der Mieter und bezeichnet diese Kündigungen angesichts der angespannten Wohnraumsituation in Ribnitz als „im höchsten Grade unsozial“. Weil auch kinderreiche Familien und schwangere Frauen von diesen Kündigungen betroffen sind, reagiert der Bürgermeister sehr vehement. Die Eheleute Rohde werden zu einer Anhörung ins Rathaus geladen. Dort wird ihnen unmissverständlich erklärt, dass bei einer Fortsetzung dieses „unsozialen Verhaltens“, „ihr Verbleiben in städtischem Dienst nicht geduldet werden (könne)“. Die Betreuung der hilfebedürftigen Alten und Kranken der Stadt würde dann in andere Hände übergehen.

Doch es kehrt zunächst wieder Ruhe ein. Mitte Oktober 1938 endet nach zehn Jahren das Arbeitsverhältnis zwischen Ida Rohde und der Stadt. Das Ehepaar Päwel übernimmt nun die Betreuung der Alten und Kranken. Auch zwei Pflegekinder, die in der Wohnung von Frau Rohde untergebracht worden waren, gehen in die Obhut der Eheleute Päwel über.

Jan Berg

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