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Amt lehnt Ausbildung ab

Barth Amt lehnt Ausbildung ab

Denys Hubarets darf keine Lehre im Barther Autohaus von Alexander Dähn beginnen, weil die Ausländerbehörde es verbietet. Das Team ist fassungslos.

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Autohaus Dähn darf jungen Familienvater nicht ausbilden.

Quelle: Carolin Riemer

Barth. Alexander Dähn versteht die Welt nicht mehr: Seit vier Jahren fällt es dem Besitzer des Opel-Autohauses in Barth immer schwerer, geeignete Auszubildende für sein Unternehmen zu finden. „Viele Jugendliche zieht es nun einmal in größere Städte“, erklärt Dähn. Da war es für ihn ein Glücksfall, als er Anfang des Jahres Denys Hubarets kennenlernte. Einen 32 Jahre alten Mann aus der Ukraine, der „goldene Hände hat“, wie Dähn versichert.

Amt lehnt Ausbildung für Familienvater ab

Im Mai stellte er den jungen Familienvater ein und schloss gleichzeitig einen Ausbildungsvertrag mit Denys Hubarets ab. Am 1. September sollte seine Lehre zum Kfz-Mechatroniker beginnen. Doch nun lehnte das Amt für Ausländerangelegenheiten seine Ausbildung plötzlich ab. Denys musste die Firma verlassen, weil er keine Ausbildung in Deutschland machen darf.

„Die Enttäuschung über diesen Entschluss ist riesig. Unser gesamtes Team möchte, dass Denys zu uns zurückkommt“, sagt Alexander Dähn. Der junge Mann sei so fleißig, wissbegierig und überaus sympathisch, dass das gesamte Autohaus-Team den Entschluss der Ausländerbehörde nicht akzeptieren will. Den Grund für die Ablehnung versucht Jenny Berndt, die in Stralsund für Ausländerangelegenheiten zuständig ist, in einem Schreiben zu erklären: „Da Denys Hubarets angab, in der Ukraine Musik auf Lehramt studiert zu haben, liegt eine abgeschlossene Hochschulausbildung vor. Ein Ausländer hat keinen Anspruch auf Aufnahme einer qualifizierten Berufsausbildung, wenn er bereits eine entsprechende Berufsqualifikation erworben hat.“ Soll heißen: Denys arbeitete in Ukraine als Lehrer an einer Musikschule, sein Abschluss ist in Deutschland allerdings nicht anerkannt. Eine neue Ausbildung darf er hier aber trotzdem nicht machen. Nun ist Denys arbeitslos und dem Autohaus-Chef sind die Hände gebunden.

800 Bewerbungen geschrieben

Sie legten Widerspruch gegen das Urteil ein und warten nun auf das Urteil. Alexander Dähn schilderte auch Bundeskanzlerin Merkel und Landrat Drescher die Situation in Briefen. Eine Antwort bekam er bislang von Carmen Schröter, der ersten Stellvertreterin des Landrats. Ihre Empfehlung: „Je eher eine freiwillige Ausreise erfolgt, je eher kann ein Einreiseverfahren mit Visum wegen Ausbildung beantragt werden.“ Eine Empfehlung, die für den Familienvater keine Hilfe darstellt – erst ausreisen, dann wieder einreisen und ein Visum beantragen?

Seit zweieinhalb Jahren lebt er mit seiner Frau Julia (27) und den drei Kindern in Deutschland. Sie flohen vor dem Krieg. Etwa 800 Bewerbungen schrieb Denys Hubarets deutschlandweit, der lediglich eine Aufenthaltsgestattung in Deutschland besitzt. „Die letzte Bewerbung hat geklappt. Ich war froh, dachte, dass ich in diesem Land akzeptiert werde“, sagt er und nimmt gleichzeitig Jenny Berndt von der Ausländerbehörde in Schutz: „Ihre Entscheidung ist auf dem Gesetz gegründet. Und das Gesetz muss respektiert werden.“ Für Alexander Dähn wäre Hubarets nicht nur eine Bereicherung für sein Unternehmen, sondern auch für die Region: „Gerade in unserem ländlichen Bereich fehlen die Fachkräfte und nun muss ich einen überaus talentierten Mann nach Hause schicken?“

Die Kinder von Familie Hubarets besuchen die Schule und den Kindergarten. Seine Frau ist Lehrerin und wartet derzeit noch, ob ihr Diplom in Deutschland anerkannt wird. Zurzeit arbeitet sie an der Volkshochschule in Stralsund. „Bei dieser Familie sehe ich eine gelungene Integration. Aber was nützt es? Ich stelle fest, dass Denys von der Ausländerbehörde in Stralsund schikaniert wird.“ Im März reichte Dähn den Arbeitsvertrag und den Ausbildungsvertrag ein. Im Mai erhielt Hubarets seine Arbeitserlaubnis. Erst am 1. September – an dem Tag als die Ausbildung starten sollte – bekam die Familie das Ablehnungsschreiben von der Ausländerbehörde. „Ich frage mich, was ich als Mensch und Unternehmer von diesem Vorgehen halten soll“, sagt Alexander Dähn. Mehr, als auf die Entscheidung des Gerichts zu warten, könne nun niemand. Zeit, in der Denys Hubarets tatenlos zu Hause sitzen muss.

Carolin Riemer

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