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Anwohner kontra Windpark-Pläne

Ahrenshagen Anwohner kontra Windpark-Pläne

Fast 600 Unterschriften aus Prusdorf, Tribohm und Ahrenshagen setzen Zeichen

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Ahrenshagen. Drei Ortsteile, eine Meinung: Wir wollen keine Windparks! Etwa 60 Einwohner trafen sich am späten Dienstagnachmittag auf dem Acker zwischen Ahrenshagen, Tribohm und Prusdorf. Hier plant die bayrische Firma Jade-Naturenergie die Errichtung eines Windparks.

 

OZ-Bild

Thorsten Klemp (li.) hält die Liste, während Anita Kaiser aus Tribohm (re.) unterschreibt.

Quelle:

Ich unterschreibe nicht, ich bin nicht käuflich!“Landwirt Toralf Groth, Pächter des Landes

Drei bis vier 170 Meter hohe Windräder könnten hier entstehen. Die Vorgaben – 1000 Meter Abstand zur Wohnbebauung – sind erfüllt. Daher benötigen die Planer keine Zustimmung der Gemeinde. Auch in Ahrenshagen, südlich der Bahnhofstraße, sollen bis zu fünf Windräder gebaut werden. Investor sind die Stadtwerke Stralsund Natur GmbH, die Fachhochschule der Hansestadt und das Hamburger Ingenieurbüro e3 (die OZ berichtete). Nach neuesten Informationen soll hier ein wissenschaftliches Forschungsfeld entstehen.

Burkhard Schade vom Bürgerbüro Ahrenshagen informierte gestern bei der Gemeindevertretersitzung, dass keiner der beiden Windparks „vom Tisch ist“. Vor allem der Investor Jade- Naturenergie bestehe auf die Umsetzung. Die Erklärung von Mitarbeiter Heiko Betz: „Wir haben bereits so viel Geld in die Planung gesteckt, dass wir den Windpark weiter voran bringen wollen.“

Doch die Anwohner wehren sich. Und auch Bürgermeister Hagen Oehlckers und die Gemeindevertreter wollen keine riesigen Energieanlagen vor der Haustür. André Wagner (42) aus Ahrenshagen sammelte fast 600 Unterschriften gegen das Projekt. Von Tür zu Tür ging er mit der Liste, klärte Anwohner auf und führte lange Gespräche. Die Mitarbeiter der Jade-Naturenergie arbeiteten „nämlich eher heimlich an ihren Plänen“ – und das bereits seit drei Jahren, so der Eindruck der Anwohner. Ans Licht brachte es erst Pastor Christhart Wehring, da Teile des Landes, auf dem die Windräder gebaut werden sollen, der Kirchgemeinde gehören.

„Schockierend“, findet Anwohner Gunnar Stendel (42) aus Prusdorf die Tatsache, dass sie als Betroffene erst so spät von dem geplanten Projekt erfuhren. „Da kommt ein Investor, plant heimlich und hofft auf wenig Widerstand, das ist eine Frechheit!“ Und auch Bürgermeister Oehlckers findet die Vorgehensweise der Firma „seltsam“. Die Gemeindevertreter empfinden die Unterschriftenliste als sehr hilfreich bei der Entscheidungsfindung, sagte Burkhard Schade. „Denn es gibt viele Menschen, die sich in Ahrenshagen-Daskow niederlassen und Häuser bauen möchten. Das tut niemand, wenn ihm ein Windrad vor die Nase gesetzt wird. Auch wir wollen keine Windräder.“

Die Acker-Fläche gehört mehreren Landwirten aus der Region, einem Hamburger und der Kirche. Die größte Fläche wird von Toralf Groth bewirtschaftet. Er hat das Land bis zum Jahr 2028 gepachtet und wurde bereits von der Jade Naturenergie angeschrieben und um einen Bewirtschaftungsvertrag gebeten. Dafür, dass der Windpark sein Ackerland zerschneiden würde und der Ahrenshäger weniger Weizen, Gerste, Raps und Zuckerrüben anbauen könnte, bot ihm die Firma eine finanzielle Entschädigung an. „Aber ich unterschreibe nichts. Ich bin nicht käuflich – da müssten die mich schon zum Multimillionär machen“, sagt Groth. Er könne den Anblick der Windräder nicht ertragen. Schon seit Vater bewirtschaftete die Felder.

Zunächst würde die Gemeinde mit jährlich etwa 120000 Euro am Gewinn beteiligt werden – kein Argument für die Anwohner. „Die kriegen den Strom eh’ nicht in den Süden, weil die Trassen fehlen“, sagte Hans Köhler. „Die Risiken des Infraschalls sind nicht erforscht. Nicht zu vergessen sind Schlagschatten und Lärm “, kritisierte Gunnar Stendel. Der einstige Rostocker Frank Zenker, der sich seine neue Heimat 1995 aufgrund der Ruhe und Natur in Ahrenshagen-Daskow suchte, ist ebenfalls dagegen. Sven Vagt baut gerade ein Ferienhaus in Ahrenshagen: „Wer will denn neben einem Windrad Urlaub machen“, fragt er sich nun.

Anita Kaiser und viele andere sorgen sich um die Natur: „Hier rasten Kraniche, hier brüten Vögel – das ist alles Geschichte, wenn die Windräder gebaut sind.“ Die Anwohner waren sich einig:

Energiewende ja, aber bitte nicht so dicht vor ihrer Haustür!

Carolin Riemer

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