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Archäologin legt elf Meter Stadtmauer frei

Barth Archäologin legt elf Meter Stadtmauer frei

Außerdem wurden alte Münzen und Fliesen bei der Grabung in Barth entdeckt. Bei den Fliesen könnte es sich um Barther Produktionen handeln.

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Archäologin Stefanie Brüggemann bei ihrer Arbeit in Barth.

Quelle: Volker Stephan

Barth. Erfolgreiche „Schatzsuche“ in Barth: An der Ecke Fischer-/Hafenstraße können Einwohner einen Blick auf die historische Stadtmauer werfen. Die haben Archäologen freigelegt.

Im geschichtsträchtigen Altstadtkern von Barth kommen bei Bauarbeiten immer wieder Zeitzeugnisse vergangener Jahrhunderte ans Tageslicht, die bei sorgfältiger Untersuchung und wissenschaftlich fundierter Deutung Aufschluss über das einstige Leben in der Stadt geben können. So geschah es auch wieder in den vergangenen beiden Wochen, als an der Ecke Fischer-/Hafenstraße durch die Wasser- und Tiefbaufirma Bossow das Baufeld für ein mehrgeschossiges Wohnhaus vorbereitet wurde.

Fundament der einstigen Stadtmauer sichtbar gemacht

Da bekannt ist, dass unmittelbar neben dem einstigen Fischertor und entlang der Mauerstraße die frühere Stadtmauer verlief, bot sich die Chance, eventuell noch vorhandene Fundamentreste zu finden und zu dokumentieren von der historischen Anlage, die in den 1870-er Jahren abgerissen und mit den für die Barther Gassen typischen kleinen Wohnhäusern überbaut wurde. So schaute bei den Tiefbauarbeiten jeden Tag ein Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV, der in Barth wohnt, vor dem morgendlichen Arbeitsweg auf der Baustelle vorbei. Nachdem sich die ersten Maueroberkanten im Erdreich abzeichneten, wurde Archäologin Stefanie Brüggemann aus Stralsund aktiv. Mit der Technik der Firma Bossow wurde auf der vermuteten Trasse die oberste Bodenschicht abgetragen, den Rest hoben die Archäologin und Grabungsarbeiter Jörg Redlin vorsichtshalber per Hand aus. Natürlich wurde der gesamte Aushub gründlich durchsucht, wobei auch ein professioneller Metalldetektor zum Einsatz kam. Nach und nach wurde so das Fundament der einstigen Stadtmauer auf einer Gesamtlänge von elf Metern sichtbar und von Stefanie Brüggemann dokumentiert.

Mauer stand früher vermutlich auf einem Wall

An manchen Stellen lagen bis zu drei Schichten der Natursteine auf einer Breite von etwa zwei Metern übereinander, allerdings schon sehr lückenhaft. „Im Großen und Ganzen handelt es sich eigentlich nur noch um die unterste Mauerlage in einer Tiefe von 1,60 Metern“, berichtet sie. Sie geht davon aus, dass die Mauer einst auf einem Wall gebaut worden war und nach Norden hin abfiel. Die Fundamentreste bestehen aus roten und grauen Granitsteinen rundlicher Formen, die teilweise bearbeitet sind. „Einerseits, damit sie besser liegen, andererseits, um zur Innenseite hin eine glatte Mauerwand zu erhalten. Dabei ist aber nicht klar, ob diese schon den südlichen Abschluss der Stadtmauer bildete“, so die Archäologin. Spuren des mittelalterlichen weißen Muschelkalkmörtels, dem Mörtel der Backsteingotik, seien nicht mehr zu entdecken gewesen.

Jahrhundertealte Fliesen aus Barther Produktion

Begeistert zeigte sich Stefanie Brüggemann von den sonstigen Fundstücken, die im Verlauf der Grabung ans Tageslicht geholt wurden. So kam eine kleine Sammlung von Pfennigmünzen aus den Jahren 1874 bis 1908 zusammen, außerdem zahlreiche Stücke von Gefäßkeramik aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Geborgene schwarz-glasierte quadratische Fliesen mit Muster, wie sie bisher noch nicht gefunden wurden, könnten sogar aus Barther Produktion stammen. Auffällige Stettiner Fayencen, Keramik aus gelbem Ton mit floralen blau-weißen Elementen, sei hingegen bis ins 20. Jahrhundert verbreitet gewesen.

Als interessantestes Objekt wertete die Archäologin jedoch eine Görlitzer Tuchplombe aus dem 18. Jahrhundert, mit der – quasi als Gütesiegel – eine Warenlieferung verschlossen gewesen sein könnte. Jemand hatte die Plombe damals in den Abfall geworfen, doch aus Blei bestehend, ist sie in der Erde sehr lange Zeit erhalten geblieben.

Obwohl viele Funde erst noch gereinigt und genau ausgewertet werden müssen, hat sich die Grabung aus Sicht von Stefanie Brüggemann sehr gelohnt. Die nächste Fläche in Barth, die archäologisch untersucht werden soll, sei eine Lückenbaustelle in der Langen Straße, kündigt sie an.

Volker Stephan

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