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Auch 60 Euro schrecken Schwarzfahrer nicht ab

Rostock Auch 60 Euro schrecken Schwarzfahrer nicht ab

Die Erhöhung vor einem Jahr erzielt nicht die erwünschte Wirkung / Rostocker Straßenbahn AG erwischte zuletzt rund 9160 Fahrgäste ohne Ticket

Rostock. Seit knapp einem Jahr zahlen erwischte Schwarzfahrer bundesweit nicht mehr 40 sondern 60 Euro. In Rostock wurde die Erhöhung von einer großen Plakataktion der Straßenbahn AG (RSAG) begleitet. Die große Abschreckungswirkung verfehlte das aber offenbar. „Das hat sich nicht auf die Beanstandungsquote ausgewirkt, es gab keine Veränderungen“, stellt Beate Langner, Sprecherin der RSAG, fest.

Rund 781000 Fahrkunden wurden 2015 kontrolliert, laut RSAG gingen dabei 9164 Schwarzfahrer ins Netz. Im Jahr davor waren die Zahlen ähnlich: 755000 Fahrkarten mussten den Kontrolleuren gezeigt werden, rund 8600 hatten 2014 keinen gültigen Fahrschein gelöst. Ein Teil konnte nachträglich ein Ticket vorweisen, etwa 1700 Fälle landeten 2014 bei der Staatsanwaltschaft.

Auch bundesweit liegen bisher noch keine belastbaren Zahlen vor, wie sich das auf 60 Euro heraufgesetzte „erhöhte Beförderungsentgelt“ auswirkt, teilt Lars Wagner vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit. „Momentan scheint die Quote der Schwarzfahrer konstant bei drei Prozent zu bleiben.“

Bei knapp 40 Millionen Fahrgästen und der Zahl der Kontrollen dürften die meisten Schwarzfahrer bei einer Kontrollquote – wie überall üblich von etwa zwei Prozent – durch das Netz rutschen. Noch vor der Einführung des „60-Euro-Fahrscheins“ hatte der damalige RSAG-Vorstand Jochen Bruhn erklärt, auch die Zahl der Kontrollen zu steigern, wenn die Wirkung ausbleibe. Davon ist derzeit bei der RSAG nicht die Rede: „Die Anzahl des Prüfpersonals hat sich nicht verändert“, erklärt Sprecherin Beate Langner. „Wir passen unsere Kontrollen monatlich den Erfordernissen und Ergebnissen der Vormonate an.“

Die Verluste, die durch Schwarzfahren entstehen, ließen sich laut RSAG-Sprecherin Langner nicht exakt beziffern. Für 2014 sprach Jochen Bruhn von etwa 400000 Euro, die dem städtischen Unternehmen beim Fahrscheinverkauf verlorengegangen sein sollen. Hinzu kommen die Folgekosten für die Justiz und die möglichen Gerichtsverfahren. Die Kassen der Verkehrsunternehmen habe die Erhöhung auf 60 Euro jedenfalls nicht gefüllt, versichert VDV-Sprecher Lars Wagner. „Höhere Einnahmen gibt es dadurch definitiv nicht, denn die 60 Euro, und noch weniger die 40 Euro vorher, decken ja nicht annähernd die Kosten, die durch das Schwarzfahren entstehen.“ Das Prüfpersonal müsse bezahlt werden und die Rechts- beziehungsweise im schlimmsten Fall Gerichtskosten ebenfalls.

So beschreibt das auch RSAG-Sprecherin Beate Langner. „Die Verluste, die durch Schwarzfahren entstehen, lassen sich nicht exakt beziffern.“ Bundesweit geht der VDV von insgesamt deutlich mehr als 300 Millionen Euro Schaden aus.

Thomas Niebuhr

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