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Stubbendorf Aus Getreideacker wurde Wald

Das Dorf Stubbendorf gibt es nicht mehr / Große Krisen verursachten starken Bevölkerungsrückgang

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Stubbendorf auf der schwedischen Matrikelkarte von 1696 (Detail).

Quelle: Foto: Kartensammlung Universität Greifswald

Stubbendorf. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts gab es in Vorpommern drei bis viermal so viele Dörfer wie heute. Wald war kaum vorhanden. Starkes Bevölkerungswachstum hatte dazu geführt, dass Wald für den Getreideanbau gerodet wurde. Die Aussaat auf weniger geeigneten Flächen lohnte sich, die Preise waren hoch. Getreide wurde damals als Monokultur angebaut.

Auch dort, wo sich heute der naturnahe Stubbendorfer Wald befindet, befanden sich Äcker und ein Dorf. Das wurde jetzt bei einem Feldkurs mit Greifswalder und Bamberger Studenten „Zur altkartenbasierten interdisziplinären Kulturraumanalyse“ eindeutig belegt . Im Wald lassen sich die beim Pflügen entstandenen Furchen) flächendeckend mit modernen Methoden (Laser-Airborne-Scans) bis heute nachweisen.

Archäologische Funde wie ein Hufeisen, zwei eiserne Messer belegen die Siedlung. Ein Hohlpfennig aus dem 14. Jahrhundert erwies sich als Fälschung. Er besteht aus einem versilberten Kupferkern statt ganz aus Silber.

Auch mehrere Urkunden beweisen die Existenz eines Dorfes Stubbendorf nahe Tribsees seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Am 21. September 1275 verlieh beispielsweise der damalige Landesherr, Rügenfürst Wizlaw II., das Eigentum des Dorfes Stubbendorf dem Kloster Neuenkamp (heute Franzburg). 1434 erfolgt die letzte urkundliche Erwähnung.

Die Glanzzeit der Landwirtschaft war zu diesem Zeitpunkt vorbei. Im 14. und 15. Jahrhundert führten unter anderem Missernten und die Pest zu einem Bevölkerungsrückgang. Die Getreidenachfrage sank.

Die spätmittelalterliche Agrarkrise führte zur Aufgabe von Siedlungen, auch Stubbendorfs.

Außer dieser Agrarkrise haben auch die Kriege des 17. und frühen 18. Jahrhunderts zur Entstehung sehr vieler Wüstungen in Vorpommern geführt. „In einigen Gebieten sind vier von fünf Dörfern – verglichen mit dem Beginn des 14. Jahrhunderts – in diesen beiden Perioden eingegangen“, sagt der Historiker Haik Thomas Porada, einer der Leiter des Kurses zur Altkartenanalyse. „Im Schnitt mindestens jedes zweite“.

Bei den kleinen Städten wie Tribsees oder Grimmen seien in deren Stadtfeldmark drei und mehr Dörfer verlassen worden. Stubbendorf grenzt an die Stadtfeldmark von Tribsees. Die Holzarmut jener Zeit führte bei den Stadtpfarrkirchen von Tribsees und Grimmen zu einem versteinerten Dachstuhl. „Ein sogenannter Sarkophag wurde konstruiert“, berichtet Porada unter Berufung auf Forschungen des Bauhistorikers Torsten Rütz. Der starke Rückgang der Bevölkerung während der Kriege der Schwedenzeit führte dann zur Wiederbewaldung. Für Stubbendorf geht Porada von einer zielgerichteten Wiederaufforstung aus. Auf den guten Böden existierte Ende des 17. Jahrhunderts ein geschlossener Eichenbestand, auf größeren, überwiegend sandigen Flächen ein Laubmischwald.

Für den Schutz des Waldes wurden Heidereitereien als Vorgänger der heutigen Revierförstereien eingerichtet. Wann genau diese in Stubbendorf entstand, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall existierte eine Heidereiterei aber im 18. Jahrhundert im Bereich der heutigen Revierförsterei. Dessen jetziges Gebäude wurde 1910 anstelle eines abgebrannten Vorgängers errichtet. Das heutige Verhältnis von Wald zu Offenland gehe auf die Anstrengungen des preußischen Staates zurück, so Porada weiter. Neuvorpommern, zu dem Stubbendorf gehört, wurde 1815 preußisch. Viele ertragsschwache Standorte wurden danach seit dem 19. Jahrhundert aufgeforstet.

Für den zuständigen Poggendorfer Forstamtsleiter Thomas Gottlob sind die neuen Erkenntnisse Anlass, den Text einer geplanten Schautafel für den Stubbendorfer Forst gründlich zu überarbeiten. Die pommersche Forstgeschichte sei komplex und spannend und geeignet, mehr Besucher für diesen Raum zu interessieren, meint Gottlob. Im geplanten Trebel-Erlebnispfad werde eine Schleife durch den Wald angeboten werden.

Der Erlebnispfad

In der Trebelregion wird bis Herbst ein großteils mit EU-Geld finanzierter Erlebnis- und Wanderweg von rund 30 Kilometer Länge mit etwa zehn Stationen entstehen. Startpunkt ist in Tribsees mit seinem Heimatmuseum und der Kirche.

Das Forstamt Poggendorf (Revier Stubbendorf) will mit einem Waldlehrpfad ein Projekt verwirklichen, das an den Wanderweg anschließt. Auch dafür fließt EU–Geld. Alte Obstsorten wurden gepflanzt, entlang der Obstbäume wird es einen Imkerlehrpfad geben. Auf etwa 4,5 Kilometern entstehen in regelmäßigen Abständen kleine Stationen. Dort stehen Informationstafeln und es wird zu Mitmachaktionen eingeladen.

Eckhard Oberdörfer

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