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Ausgleichsflächen verzweifelt gesucht

Bergen/ Ausgleichsflächen verzweifelt gesucht

Gemeinden klagen über Flächenmangel / Landkreis setzt auf Ökokonten

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Ausgleichsflächen werden knapp

Auch der Bau von Windenergieanlagen, wie hier an der A20 zwischen Tribsees und Grimmen erfordert Ausgleichsmaßnahmen.

Quelle: Norbert Fellechner

Bergen/. Ribnitz-Damgarten. Überall im Landkreis, vor allem aber auf der Insel Rügen, entstehen derzeit große Bauprojekte. Ob Hotel oder B96n — in der Regel erfordern diese Projekte sogenannte Ausgleichsmaßnahmen, mit denen die Eingriffe in die Natur kompensiert werden sollen. Jede Bodenversiegelung und jede Baumfällung wird aufgenommen und mit entsprechenden Ersatzmaßnahmen belegt. Häufig geschieht das in Form von Renaturierungsflächen, auf denen sich die Natur ihr Territorium zurückerobert, oder Baumpflanzungen.

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Gemeinden klagen über Flächenmangel / Landkreis setzt auf Ökokonten

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Doch die Flächen, auf denen solche Maßnahmen überhaupt umgesetzt werden, werden knapp. „Es ist nicht leicht, geeignetes Land zu finden“, klagt etwa Rambins Bürgermeister Christian Thiede (FDP).

„Unsere letzte große Fläche, die wir für den Ausgleich eines Wohngebietes eingeplant hatten, hat die Degis übernommen und erweitert, die haben für den Bau der B96 dringend Ausgleichsflächen benötigt.“

Die Lage in einem Vogelschutzgebiet mache die Lage noch komplizierter, meint der Bürgermeister. Dort müssten bestimmte Auflagen erfüllt werden.

„Wir wollten für die Versiegelung von landwirtschaftlichen Wegen als Ausgleichsmaßnahme eine Allee an genau diesen Wegen pflanzen. Das wurde uns nicht genehmigt“, berichtet Thiede. „Dabei wollten wir doch den Ausgleich so nah wie möglich an der Eingriffsfläche haben, jetzt müssen wir versuchen auf Flächen auszuweichen, die weiter entfernt sind.“ Gebaut wird in Gemeinde A — ausgeglichen in Gemeinde B.

Diese Entwicklung könnte zukünftig auch weiter fortschreiten. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es für Vorhabenträger seit 2010 nicht nur die Möglichkeit, die Ausgleichsmaßnahmen direkt vor Ort durchzuführen, sondern als Alternative Ersatzmaßnahmen im gleichen Naturraum durchzuführen. „Prinzipiell ist diese Lösung ja nicht verkehrt, aber wenn in Bergen gebaut wird und dafür in Binz Bäume gepflanzt werden, ist das ja Unsinn“, merkt Rainer Starke, Bauamtsleiter der Stadt Bergen, an. „Wir haben als Stadt vorgesorgt und Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen reserviert.“

„Natürlich sollte man prinzipiell einen Ausgleich immer möglichst nahe an der Stelle durchführen, wo auch der Eingriff stattgefunden hat“, meint Hardo Wanke von der Unteren Naturschutzbehörde. „Aber das ist eben nicht immer möglich.“ Man müsse auch den ökologischen Sinn von Kleinstmaßnahmen hinterfragen. „Je größer eine Fläche ist, die zum Beispiel renaturiert wird, desto größer ist der Nutzen für die Natur.“

Seit 2010 kann der Ausgleich mithilfe der sogenannten Ökokonten vorgenommen werden, von denen es bereits 35 im Landkreis gibt. Der Vorhabenträger geht in „Vorleistung“ und sammelt durch Kompensationsmaßnahmen auf einer Fläche Punkte auf einem Konto. Die können dann für die Ausgleichsmaßnahmen eines Bauvorhabens abgebucht werden. Wichtig ist nur, dass Ausgleich und Eingriff im gleichen Naturraum stattfinden, also beispielsweise im „Vorpommerschen Flachland“ oder im „Ostseeküstenland“. „Es gibt im Kreis wirklich gelungene Beispiele, etwa eine 64 Hektar große Fläche bei Langenhanshagen, auf der Naturwald entsteht.“ Auch ein 33 Hektar großes Stück Land bei Bad Sülze gehört zu den Vorzeigeprojekten des Landkreises. Hier findet eine Moor-Renaturierung statt. Weitere Kompensationsflächen gibt es zum Beispiel in Prosnitz auf Rügen (Waldumbau und Aufforstung) und nördlich von Barth (extensives Grünland).

Auch die Stadt Ribnitz-Damgarten besitzt ihr eigenes Ökokonto mit der Nummer VR08, damit ist eine Fläche bei Ahrenshagen verbunden, auf der Naturwald und Sukzessionsflächen entstehen.

Ribnitz-Damgarten sitzt auch mit im Boot beim Projekt Fischlandwiesen. Die zwischen Dierhagen und Wustrow liegenden Wiesen sollen renaturiert werden. Nach Wustrow ist die Stadt Ribnitz-Damgarten größter Flächeneigentümer. Beteiligt ist auch die Gemeinde Dierhagen. Vor Kurzem wurde die Bereitstellung dieser Gemeindeflächen für ein neues Öko-Konto vertraglich vereinbart.

Der Wert der Ökopunkte beläuft sich nach Umsetzung der Maßnahme auf etwa 13 Millionen Euro. Ribnitz-Damgarten erwartet rund 1,1 Millionen Euro aus der Gewinnbeteiligung am Verkauf der Ökopunkte.

Ziel des Projektes ist es, auf mehr als 200 Hektar durch die Schaffung von Überflutungsflächen die Salzgraswiesen wiederherzustellen. Durch eine extensive Beweidung mit Rindern sollen die „Fischlandwiesen“ ihre Bedeutung als Brut-, Rast- und Nahrungsplatz für Wasser- und Watvögel wiedererlangen.

Gleich über mehrere eigene Ökokonten verfügt Thomas Sternberg mit seinen Gesellschaften Een und Windpark Miltzow. Der Windmüller, der unter anderem auch Windenergieanlagen auf Wittow betreibt, findet das Ökokontensystem gut. „Beim Bau von Windkraftanlagen werden natürlich auch Ausgleichsmaßnahmen fällig“, sagt er. „Mir gefällt, dass man mit den großen Kompensationsmaßnahmen wirklich etwas erreichen kann und nicht nur drei Bäumchen pflanzt“.

Ökokonten in Vorpommern-Rügen

Wer in Natur und Landschaft eingreift, ist gesetzlich verpflichtet, dabei entstehende Beeinträchtigungen von Naturhaushalt und Landschaftsbild zu vermeiden.

Unvermeidbare Beeinträchtigungen müssen durch geeignete Maßnahmen kompensiert werden. Diese Kompensation kann am Ort des Eingriffs geschehen, oder — wenn das nicht möglich ist — an anderer geeigneter Stelle (Ersatzmaßnahme). Eine Alternative ist die Abbuchung von Kompensationspunkten von einem Ökokonto.

Ökokonten sind Guthaben, in denen Punkte gesammelt werden, die sich durch bereits vorgezogene Kompensationsmaßnahmen (Renaturierung, Aufforstung) ergeben. Bei zukünftigen Eingriffen wie Bauvorhaben können Bauträger dann geeignete Maßnahmen von diesem Konto kaufen abbuchen.

35 Ökokonten gibt es derzeit in Vorpommern-Rügen, sechs davon sind bereits „verbraucht“, 14 sind frei handelbar.

Von Anne Ziebarth

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