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Barth: Schüler pflegen KZ-Gedenkstätte

Barth Barth: Schüler pflegen KZ-Gedenkstätte

Großer Frühjahrseinsatz: Die Förderschule startet eine Aktion für ihre Stadt - und gegen das Vergessen.

Barth. Schule oder Osterputz — was ist bei Schülern angesagter? Für Lucas (15), Gilbert (15) und Akram (13) zumindest war der Frühjahrseinsatz eine willkommene Abwechselung zum Unterrichtsalltag.

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Großer Frühjahrseinsatz: Die Förderschule startet eine Aktion für ihre Stadt - und gegen das Vergessen.

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Im Unterricht werden sich die Schüler damit auseinandersetzen.“ Schulleiterin Liane Palatschek

Statt wie jeden Morgen zum Lernen in den Klassenräumen Platz zu nehmen, trafen sie sich mit ihren Mitschülern und Lehrern zunächst auf dem Pausenhof. Von Leiterin Liane Palatschek erfuhren sie, was die Barther Förderschule „Jan-Amos Komensky“ für ihre Aktion „Meine Hand für meine Stadt“ geplant hatte.

Schüler und Lehrer teilten sich in zwei große Gruppen auf. Die Mädchen und Jungen bis zur Klassenstufe sechs blieben in der Schule. Hier sollten Blumen im Eingangsbereich gepflanzt, der Schul- und der Naschgarten gepflegt werden. Letzterer ist mit verschiedenen Beerensorten angelegt worden.

Obwohl unterrichtsfrei, völlig verwaist blieb das Schulgebäude dennoch nicht. Schüler und Lehrer hatten sich unter anderem vorgenommen, von innen die Fenster zu putzen.

Die diensthabenden Mitglieder der Schülerfirma „Die Kochmützen“ blieben ebenfalls im Hause. Sie brachten schon mal den Backofen auf Temperatur und besorgten die Zutaten. Die Kochmützen erwarteten kleine Gäste, wollten mit Kindern der Barther Kita „Pusteblume“ Osterkränze backen.

Die andere Hälfte der Schüler und Lehrer zog zu Fuß von der Uhlenflucht zum Ortsausgang in Richtung Löbnitz — sozusagen von einem Ende der Stadt zum anderen. Gegen 9 Uhr waren sie am KZ-Mahnmal angekommen. Mitarbeiter des Barther Stadtbauhofes waren schon eine halbe Stunde vor ihnen da. Die Männer in der orangen Dienstkluft brachten jede Menge Arbeitsgeräte wie Besen, Schaufeln oder Schubkarren zur Gedenkstätte.

Die Aktion „Meine Hand für meine Stadt“ gibt es an der Förderschule „Jan-Amos Komensky“ bereits seit drei Jahren. Sie wird immer kurz vor Ostern gestartet. Im Frühjahr 2015 haben die Schüler unter anderem bei Verschönerungsarbeiten auf dem Hof des Vineta-Museums mitgeholfen. „In diesem Jahr wollten wir das Gelände am KZ-Mahnmal pflegen“, erklärt Liane Palatschek. „Wir hatten uns vorher beim Bauhof der Stadt erkundigt, wo wir helfen können“, ergänzt die Schulleiterin.

Einige der Schüler und Lehrer befreiten die Wege und Beete am Mahnmal von dem vielen Laub der Bäume. Andere glätteten die Maulwurfshügel auf dem Rasen und sammelten Müll.

Um das Entsorgen der Blätter und des eingesammelten Mülls brauchten sie sich dann nicht mehr zu kümmern. Das übernahm später der Stadtbauhof.

Viele der Förderschüler wussten bereits, dass es in Barth ein Konzentrationslager gab. Aus Respekt vor den Opfern verhielten sie sich leise. „Im Unterricht werden sich die Schüler damit auseinandersetzen“, sagte Liane Palatschek. Die Klasse 9 lese gerade Bruno Apitz‘ Roman „Nackt unter Wölfen“, der sich mit diesem Thema befasst. Die zehnte Klasse werde demnächst den Zweiten Weltkrieg im Unterricht behandeln.

Das Konzentrationslager Barth war ein Außenlager des KZ Ravensbrück. Das Lager wurde angelegt, um für die Heinkel-Flugzeugwerke Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. Vor 56 Jahren ist das KZ- Mahnmal eingeweiht worden. Es ist Teil eines Gedenk- und Lehrpfades. Er erinnert an die Häftlinge, die im KZ Barth für die Flugzeugwerke Zwangsarbeit leisten mussten, hungerten, gefoltert und getötet wurden.

Historiker schätzen, dass von den in Barth inhaftierten 6000 Frauen und Männern etwa 2000 ums Leben kamen. 180 fanden dort ihre letzte Ruhestätte.

Von Detlef Lübcke

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