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Ivo und Kende Kavisanczki sind die jüngsten Fallschirmspringer auf dem Ostsee-Flughafen

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Verantwortungsvolle Aufgabe: Die beiden Brüder beim Fallschirmpacken. Damit finanzierten sie ihre Fallschirmspringer-Ausbildung.

Barth. Elegant schwebt Kende Kavisanczki der Wiese entgegen. Ohne Probleme landet er auf dem Rasen neben dem Rollfeld des Barther Ostsee-Flughafens. Ivo, sein zwei Jahre älterer Bruder, folgt nur wenige Sekunden später. In 3000 Metern Höhe sind die beiden vor knapp drei Minuten aus einem Flugzeug gesprungen. Die fliegenden Brüder sind die jüngsten Fallschirmspringer beim Verein Skydive Ostsee, der auf dem Flughafen unter anderem Tandemsprünge anbietet.

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Ivo und Kende Kavisanczki sind die jüngsten Fallschirmspringer auf dem Ostsee-Flughafen

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Ich habe aus der Flugzeugtür geguckt und mich gefragt, ob ich das wirklich tun will.“Kende Kavisanczki (15)

Im freien Fall kann man sich im dreidimensionalen Raum bewegen, man kann zusammen fliegen.“Ivo Kavisanczki (17)

Alles begann mit einem Geburtstagsgeschenk. Und zwar nicht für Ivo und Kende, sondern für den Vater der beiden Brüder. Vor knapp zwei Jahren bekam Lazlo Kavisanczki von seiner Frau zum 50. Geburtstag seinen ersten Ausbildungs-Fallschirmsprung geschenkt. Vor mehr als 30 Jahren war er in Diensten des ungarischen Militärs Fallschirmspringer und wollte es mal wieder wagen, nachdem die Familie von Berlin in die Nähe von Löbnitz gezogen war. Ivo und Kende waren natürlich mit dabei. Und der heute 17-jährige Ivo und der 15-jährige Kende waren sofort Feuer und Flamme. „Es ist schwer zu erklären“, sagt Ivo Kavisanczki, „im freien Fall kann man sich im dreidimensionalen Raum bewegen, man kann zusammen fliegen.“ Bruder Kende ergänzt: „Es macht einfach extrem Spaß.“

Doch einfach mal ins Flugzeug steigen und mit Fallschirm rausspringen, so leicht ist es dann doch nicht. Dazu gehört eine Ausbildung. Und die kostet. Vater Lazlo streckte die Kosten von rund 2500 Euro pro Nase zwar vor, doch der „zinslose Kredit“ muss zurückgezahlt werden. „Ecki hat uns angesprochen, ob wir uns nicht durch Fallschirmpacken Geld hinzuverdienen möchten“, erklärt Ivo.

Ecki ist Eckhard Gärtner, Vorsitzender des Skydive-Vereins. Und so umfangreich die Ausbildung für die Lizenz zum Fallschirmspringen ist, so verantwortungsvoll ist die Tätigkeit als Fallschirmpacker.

„Es gibt einiges zu beachten, auf jeden Fall wird der nicht einfach reingestopft“, sagt Ivo Kavisanczki. Eine wirkliche Ausbildung gibt es nicht, doch bei dem Vater eines Tandem-Masters, also einem Fallschirmspringer, mit dem Tandemsprünge möglich sind, hat ihnen gezeigt, wie es geht. „Am Anfang ist es schwierig“, ergänzt Kende. Am gesamten Fallschirmspringen sei das Packen sogar das Anstrengendste. Doch aus anfänglich rund 20 Minuten wurden mit der Zeit weniger als zehn Minuten, die es dauert, bis die beiden einen Schirm verpackt haben.

Jedes Wochenende sind die Brüder auf dem Flughafen und sorgen dafür, dass die Fallschirme wieder ordentlich verpackt sind, schließlich hängt das Leben davon ab. Doch darüber machen sich die beiden eigentlich so gut wie nie Gedanken. Etwa 600 Fallschirme haben die beiden seitdem gepackt. Jedes Mal gab es Geld dafür. Mehr als 100 Mal hat jeder bereits seinen eigenen Fallschirm zusammengelegt.

„Es ist toll, sein Hobby durch sein Hobby zu finanzieren“, sagt Ivo, der das Fachgymnasium in Velgast besucht. 114 Solosprünge hat er bereits absolviert. Sein Bruder Kende, der in Barth zum Gymnasium geht, bereits 109. An den ersten Sprung erinnern sich beide noch ganz genau. „Es war sehr aufregend. Ich habe die ganze Zeit ein bisschen gezittert und kurz vor dem Sprung etwas Angst bekommen, doch im Freifall habe ich nur noch daran gedacht, was ich gelernt hatte und zu tun habe“, so Ivo. Der erste Ausbildungssprung fand mit zwei Lehrern statt, die im freien Fall den Schüler quasi direkt begleiten und im Notfall die Reißleine für den Schirm ziehen können. „Ich habe aus die Flugzeugtür rausgeguckt und mich gefragt, ob ich das wirklich tun will. Im freien Fall wusste ich, das will ich tun“, sagt Kende.

Der ältere Bruder Ivo wartete mit dem Ausbildungsbeginn sogar auf seinen Bruder. Als der 14 war, durfte er beginnen. Viel Theorie und etliche Sprünge standen auf dem Programm.

Beide können sich vorstellen, später auch mal als Lehrer auf dem Barther Flughafen zu arbeiten. Ein bisschen Zeit und weitere Sprünge vergehen bis dahin sicherlich noch. Und während Ivo seine Fallschirmspringer-Lizenz bereits hat, wartet Kende noch darauf. Bislang darf er nur im Auftrag eines Lehrers springen. Mit 16 Jahren bekommt er die Lizenz. Die ist quasi schon gedruckt. Alle Prüfungen sind bereits bestanden. Nächstes Jahr im April hat Kende Geburtstag. Dann gibt es wieder ein Geburtstagsgeschenk.

Robert Niemeyer

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