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Cleopatra: Ein Hund macht Schule

Barth Cleopatra: Ein Hund macht Schule

Sie schlichtet Streit und zeigt im Bio-Unterricht der Barther Förderschule ihre Zähne

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Ein tierisch starkes Team: Schüler Lukas Albrecht und Schulleiterin Liane Palatschek mit Schulhund Cleopatra.

Quelle: Carolin Riemer

Barth. Cleopatra ist ein sehr schlauer Hund. Nicht nur, weil die sieben Jahre alte französische Bulldogge täglich zur Schule geht, sondern weil sie dort auch wichtige Aufgaben übernehmen kann. Seit Cleo ein Welpe ist, begleitet sie ihr Frauchen Liane Palatschek (41), die gleichzeitig auch Leiterin der Förderschule Jan-Amos Komensky ist, in den Unterricht. Die Hündin gehört zum Alltag der 90 Kinder und Jugendlichen — genauso wie die Tafel an der Wand, die Kreide oder Hausaufgaben.

Cleo bringt absolut nichts aus der Ruhe.“Liane Palatschek,

Schulleiterin der Jan-Amos Komensky Förderschule

Vielleicht könnte man Cleo als Therapeutin auf vier Pfoten bezeichnen. Sie sorgt nämlich dafür, dass es den Schülern besser geht, auch wenn schwierige Situationen zu meistern sind. „Ist Cleo da, öffnen sich ruhige, verschlossene Kinder. Andere, die sich aggressiv verhalten, werden besonnener und sanfter“, hat Liane Palatschek beobachtet. Die Hündin ist bei jedem Konfliktgespräch im Raum — egal, ob es sich dabei um Streitigkeiten zwischen den Kindern oder um Gespräche zwischen Lehrer und Schüler handelt. Manchmal rollt sie sich einfach auf dem Boden vor den Füßen der Schüler zusammen und schläft. Manchmal lässt sie sich streicheln und manchmal beobachtet sie einfach mit ihren riesigen Kulleraugen die Situation. In Cleos Anwesenheit sieht die Welt gleich ein wenig leichter aus.

Als Liane Palatschek vor sieben Jahren die Idee hatte, ihre Hündin mit in den Schulalltag zu integrieren, mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. Cleo brauchte eine Haftpflichtversicherung, die Eltern mussten zustimmen und etwaige Hundehaarallergien bei den Schülern ausgeschlossen werden. Die Pädagogin besuchte ein Seminar bei Prof. Henri Julius an der Universität Rostock und bildete sich in der sogenannten tiergestützten Intervention fort. Dann konnte es losgehen.

Zunächst begleitete Cleo die Schüler bei Wandertagen, Ausflügen und Klassenfahrten. Das Bulldoggen-Mädchen zeigte dabei schnell, dass sie der Aufgabe gewachsen ist. „Sie lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen und ist wie geschaffen für den Job als Schulhund“, stellte ihre Besitzerin fest. Wenn Cleo ein Zeugnis bekommen würde, hätte sie sicherlich nur Einsen.

So schaffte sie es beispielsweise, ein Mädchen, das in der Vergangenheit missbraucht wurde und weder mit ihren Klassenkameraden noch mit den Lehrern redete, zum Sprechen zu bewegen. „Das Kind war verschreckt und eingeschüchtert. Und eines Tages führte sie Cleo bei einem Wandertag an der Leine und begann zu sprechen. Erst erzählte sie dem Hund ihre Sorgen und dann vertraute sie sich auch uns an“, sagt die Schulleiterin. Und als ein anderes Mädchen neu an die Schule kam, weinte, um sich trat und schlug, setzte Liane Palatschek ihr vorsichtig die Hündin auf den Schoß. „Sie hörte auf zu weinen, streichelte den Hund und fing an zu erzählen. Das war wohl einer von Cleos größten Aufträgen.“

Noch kein Schüler habe das Hundemädchen schlecht behandelt, da passt ihre Besitzerin auch ganz genau auf. Im Gegenteil: Cleo ist eine Belohnung. Wer sich besonders verantwortungsvoll verhält, darf sie auf dem Schulgelände Gassi führen. Zurzeit sind das Nico Zander (14) und Paul Schummeck (14), der Cleo als einen „sehr netten Hund“ beschreibt. Eines ist aber allen Schülern streng verboten:

Leckerlis füttern. Ohne diese Regelung wäre die kleine Dame wohl schon geplatzt.

Und wenn sie nicht gerade als Streitschlichterin und Seelsorgerin für ihre Schüler da ist, hält sie als Anschauungsobjekt für den Biologieunterricht her. Dann muss die gutmütige Cleo zum Beispiel ihre Zähne zeigen — natürlich nur der Anschaulichkeit halber. Manchmal sei sie richtig erschöpft nach einem Schultag. Dann schläft sie auf ihrer Hundedecke im Lehrerzimmer oder sucht sich ein sonniges Fleckchen auf dem Flur der Schule.

Auch wenn Liane Palatschek es nicht gern ausspricht, aber Cleo ist mit ihren fast acht Jahren schon eine Hunde-Oma und sollte langsam über den Ruhestand nachdenken. Ihr Frauchen hat sich deshalb vor zwei Jahren einen zweiten Hund angeschafft. Davinci, ebenfalls eine französische Bulldogge, sollte Cleos Nachfolger werden.

„Mir war allerdings schnell klar, dass er einfach nicht geeignet ist“, bedauert Liane Palatschek. Zwar sei der Hund mit seinen grünen Augen und dem dunkelbraunen Fell der Star unter den Schülern.

Allerdings sei er viel zu laut, wild und ein wenig ängstlich. Nun sucht das Lehrerteam weiter. Eines ist nämlich klar: Ohne Hund soll die Förderschule nicht bleiben.

Vorteile für den Unterricht mit Hund

Ein Hund im Klassenzimmer sorgt für mehr Ruhe und Ausgeglichenheit unter den Schülern. Nachweislich senken sich Puls und Blutdruck beim Streicheln des Fells. Der Geräuschpegel im Klassenzimmer nimmt ab, weil niemand den Vierbeiner erschrecken möchte. Gleichzeitig steigt das Verantwortungsgefühl: Der Hund, der nicht zwischen arm und reich, hübsch oder hässlich unterscheidet, wird schnell zum Tröster und Freund.

Von Carolin Riemer

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