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„Denken die Landwirte nicht um, werden sie uns vergiften!“

Barth „Denken die Landwirte nicht um, werden sie uns vergiften!“

Chef der Boddenland GmbH diskutiert mit Bürgern in Barth über die Sicherheit des Trinkwassers und hohe Nitrateinflüsse

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Ein Landwirt bringt auf einem Feld Gülle aus. Nitrat und Ammonium aus der Landwirtschaft belasten die Gewässer.

Quelle: Fotos: Dpa/oz

Barth. Wie sicher ist unser Trinkwasser, und wie teuer kann uns der Erhalt eines gesundes Trinkwassers noch werden? Antworten darauf haben die SPD-Ortsvereine Barth und Zingst am Mittwochabend während einer öffentlichen Diskussionsrunde mit dem Chef des regionalen Wasserversorgers zu finden versucht. Hans Köhler, Geschäftsführer des Trinkwasserversorgers Boddenland in Ribnitz-Damgarten, brachte seine Sichtweise vor 16 Bürgern im Bildungshaus des Barther Bibelzentrums so auf den Punkt: „Denken die Landwirte nicht um, werden sie uns eines Tages vergiften!“ In Anbetracht der hohen Nitrateinflüsse durch Landwirte sagte Köhler: „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, dann sehe ich schwarz!“

Das Trinkwasser der Boddenland GmbH könne von den Kunden bedenkenlos dem Wasserhahn entnommen werden, stellte Köhler klar. Doch ohne eine spezielle Aufbereitung sei es dem Trinkwasserversorger nicht möglich, Schadstoffe herauszufiltern. Wie viel Geld die Boddenland GmbH dafür einsetzt, ließ Köhler offen. Er machte jedoch deutlich: „Die Gelder, die ich ausgebe, um einwandfreies Trinkwasser zu garantieren, werde ich auf den Wasserkunden umlegen müssen.“

Die Belastung der Böden und damit des Grundwassers sei territorial unterschiedlich. Der Bereich Barth schneide dabei schlechter ab als andere innerhalb des Versorgungsgebietes. Köhler verwies auf den Bereich Ehmkenhagen/Kuhlrade bei Marlow. „Hier bieten Ton- und Lehmschichten im Boden einen wirksamen Schutz.“ Die Nitratwerte lägen dort weit unter dem Grenzwert.

Ein Rentner aus Bresewitz bei Barth führte auf, wie viel Gülle ausgefahren werde. Innerhalb von zweieinhalb Tagen seien nach seinen Schätzungen 7000 Kubikmeter Gülle auf eine Wiesenfläche bei Bresewitz gefahren worden. „Wir müssen dabei bedenken, diese ganze Menge verschwindet in unserem Grundwasser. Das hat doch nichts mehr mit Düngen zu tun, sondern ist eine reine Gülleentsorgung“, merkte der 80-Jährige an. Der Bresewitzer weiter: „Wir schauen zu, wie die Landwirtschaft unser Wasser und unseren Boden zerstört und damit die Zukunft unserer Region!“ Es könne nicht sein, dass die Bauern einfach machten, was sie wollten. „Das ist ein Umweltverbrechen!“

Harsche Kritik richtete sich von mehreren Teilnehmern der Runde an Landes-Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD). „So lange Backhaus der Landwirtschaft nicht auf die Finger klopft, wird sich nichts ändern. „Was wollt ihr als SPD dagegen unternehmen?“, lautete eine Frage im Saal. „Ich habe kein Problem damit, unseren Minister zu so einer Diskussionsrunde einzuladen“, sagte Michael Schmidt vom SPD-Ortsverein Zingst. Schmidt moderierte die Veranstaltung. Er wie auch Hans Köhler stellten fest, dass es zwar viele Gesetze, jedoch keine ausreichende Kontrolle gäbe. „Früher hatten wir dafür die staatliche Gewässeraufsicht“, verdeutlichte Köhler. Doch heute sei die Untere Wasserbehörde beim Landkreis personell gar nicht zu Kontrollen in der Lage. „Die Landwirte haben eine Riesenlobby. Das wird man nicht so schnell aufbrechen können“, sagte Köhler. Er warnte aber auch vor pauschalen Vorverurteilungen. „Es gibt auch Landwirte in der Region, die eine ordentliche Landwirtschaft betreiben.“

„Ich nehme diesen Abend zum Anlass, um für dieses Problem im Landkreis zu sensibilieren und Druck aufzubauen“, sagte Michael Schmidt. Als hilfreich erwiesen sich dabei solche Anhaltspunkte wie die des Bresewitzer Rentners. „Um zu ermitteln, braucht man belastbare Fakten.“ Lägen diese vor, könne sich die Staatsanwaltschaft nicht davor drücken.

Detlef Lübcke

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