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Gaststätte bewirtet auch Störche

Langenhanshagen Gaststätte bewirtet auch Störche

Tierische Gäste: Jeden Tag kommen Schnucke und Pedro zum Dorfgasthof in Langenhanshagen / Die Betreiber Christine (67) und Harald Schmidt (66) geben ihnen Fisch, Fleisch und frisches Wasser

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„Bitte frisches Wasser und dazu einen Fisch oder Fleisch!“ Die Störche Schnucke und Pedro vor der Gaststätte in Langenhanshagen bei Barth.

Quelle: Fotos: Volker Stephan, Detlef Lübcke

Langenhanshagen. Das ist ja kurios! Im Gasthof „Zur Schmiede“ in Langenhanshagen bei Barth sind auch Störche willkommen. „Immer gastlich zu den Gästen“ – für die Betreiber Christine und Harald Schmidt gilt das Credo der Gastronomie auch bei Schnucke und Pedro. So heißen die beiden Störche, die jeden Tag zu der kleinen Dorfgaststätte kommen.

 

OZ-Bild

Schnucke wurde als Jungstorch per Hand aufgezogen und ist seit jeher an Menschen gewöhnt.“ Christine Schmidt (67), Gastwirtin in Langenhanshagen

Quelle:

Nur für abgesprochene Familienfeiern oder ähnliche Anlässe ist die Dorfgaststätte gegenüber der alten Feldsteinkirche noch geöffnet. Christine und Harald Schmidt sind schon Rentner. Doch wenn das Storchenpaar vor der Tür steht und geduldig auf das Erscheinen der Wirtsleute wartet, machen die Schmidts gern eine Ausnahme.

Schnucke und Pedro ziehen wenige hundert Meter entfernt in ihrem luftigen Nest auf dem Mast eines Gehöfts drei Jungstörche auf. Schmidts können das Nest von ihrer Gaststätte aus sehen. Aufgrund der Trockenheit im Frühjahr und im Juni fällt das natürliche Nahrungsangebot für Familie Storch nur gering aus. „Deshalb holen sie sich ihre tägliche Portion bei uns“, berichtet die 67-Jährige. „Wir helfen ihnen gern mit Fisch, Fleisch und frischem Wasser“, fügt sie hinzu.

Wenn die Sommerhitze groß ist, bietet die Schmiede den beiden Vögeln außerdem ein schattiges Plätzchen zum Ausruhen. Vom Verkehr oder von Passanten auf der vorbeiführenden Straße lassen sich die Tiere überhaupt nicht beeindrucken. Wenn ein Mindestabstand von einigen Metern eingehalten wird, dulden Schnucke und Pedro die Nähe des Menschen. Kommen Passanten den Störchen allerdings zu nahe, breiten sie ihre Flügel aus und erheben sich in die Lüfte.

Gestern haben auch die drei Jungstörche zum ersten Mal das Nest verlassen. Christine Schmidt rechnet fest damit, dass auch sie bald mit zur Fütterung an die Gaststätte kommen werden. „Das war in den vergangenen Jahren auch so“, sagt sie.

Für das Geheimnis der großen Zutraulichkeit hat Christine Schmidt eine Erklärung. „Schnucke wurde als Jungstorch per Hand aufgezogen und ist seit jeher an Menschen gewöhnt“, erzählt sie. „Schnucke kam 2005 zum ersten Mal in unser Dorf und bettelte uns 2008 erstmals um Wasser und Nahrung an“, so die Gastwirtin weiter. Pedro sei schon seit einigen Jahren Schnuckes zweiter Partner. Lange Zeit hätte er sich gegenüber den Menschen vorsichtig und zurückhaltend verhalten. „Doch durch Schnuckes Vorbild hat Pedro seine Scheu nach und nach abgelegt“, sagt Christine Schmidt.

Schnuckes Ringnummer lautet A 277. „Sie ist die am häufigsten aufgezeichnete Störchin Deutschlands“, weiß Christine Schmidt. Auch das hat einen Hintergrund. Die Langenhanshägerin kennt ihn. Schnucke sei nämlich noch niemals nach Afrika geflogen. Sie überwintere stets im thüringischen Dorf Görsbach zwischen Nordhausen und Sangerhausen. Dort sei Schnucke jedoch unter dem Namen Jette bekannt. Pedro ziehe hingegen mit anderen Störchen weiter in den Süden. Er treffe seine Schnucke/Jette erst im Frühjahr wieder.

So gut wie die Langenhanshäger Langschnäbel haben es die Störche nicht überall im Landkreis Vorpommern-Rügen. Die Anzahl der Weißstörche nimmt in Vorpommern-Rügen kontinuierlich ab. Im Altkreis Nordvorpommern ist der Bestand im vergangenen Jahr von 113 Paaren im Jahr 2014 auf 108 Paare geschrumpft. 800 besetzte Storchennester erfassten die Storchenbetreuer im vergangenen Jahr. Damit war 2015 kein gutes Storchenjahr im Land Mecklenburg-Vorpommern (1934: 2604 Paare; 2004: 1142 Paare).

Die Symbolfigur des Naturschutzbundes (Nabu) zeigt landesweit einen negativen Bestandstrend. Hauptgründe dafür sind intensivierte landwirtschaftliche Nutzung und die Entwässerung seiner Lebensräume.

Um Schutzmaßnahmen begründen und formulieren zu können, müssen die Brutpaare in jedem Jahr beobachtet werden. Ehrenamtliche Betreuer der Landes-AG „Weißstorch“ im Nabu zählen seit Jahrzehnten den gesamten Storchenbestand. Ihr Engagement ermöglicht auch die anschauliche Darstellung der Storchenbruten in Tabellen und Verbreitungskarten. 265 Paare blieben im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern ohne Nachwuchs. Das liegt weit unter dem für die Erhaltung der Storchenpopulation nötigen Reproduktionswert.

Wer den Störchen Unterstützung bieten möchte, sollte im eigenen Garten auf Pestizide verzichten. Wer das Glück hat, über etwas mehr Land zu verfügen, kann mit der Anlage eines Teichs noch mehr für diese Vögel tun.

Detlef Lübcke und Volker Stephan

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