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Hypnose gegen die Angst

Barth Hypnose gegen die Angst

Dr. Christian Bork (54) wendet sie seit 14 Jahren erfolgreich an / Im Interview spricht der Barther Zahnarzt über seine Erfahrungen und wie die Patienten sich dabei fühlen

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Barth. Viele Menschen haben Angst vorm Zahnarztbesuch. Immer mehr Zahnärzte bieten ihren Patienten deshalb Hypnose an. Dr. Christian Bork (54) aus Barth war einer der ersten Zahnärzte, die in Mecklenburg-Vorpommern eine Zusatzausbildung in Hypnose absolvierten.

Für wen ist Hypnose geeignet?

Dr. Christian Bork: Für fast jeden. Menschen, die sich nicht gut konzentrieren können, besonders ältere Patienten oder kleinere Kinder, sind davon ausgenommen. Aber ansonsten ist Hypnose für jeden geeignet. Sie lässt sich sehr gut für Angst-Patienten anwenden. Hypnose eignet sich auch als Alternative zur Vollnarkose, wenn Patienten zum Beispiel Allergien gegen lokale Betäubungsmittel haben.

Wie fühlt sich der Hypnotisierte?

Ziel bei der Hypnose sollte es sein, den Patienten für die Zahnbehandlung in einen entspannten Trancezustand zu versetzen. Das ist ein Entspannungszustand, bei dem der Blick nach innen gerichtet ist und der Patient herunterfährt. Die äußere Wahrnehmung ist in dieser Situation abgeschaltet. Der Patient fühlt sich wohl. Zu 99,9 Prozent fühlt er sich nach der Hypnose sehr gut. Er hat den Bereich des Träumens und des Im-Traum-leicht- Fliegens gerade hinter sich, eine sonst oftmals nicht erreichte Entspannung. Selbst im Schlaf ist man oft sehr viel verspannter als in der Trance. Wenn man schläft, haben Menschen auch mal einen Albtraum. So etwas gibt es in der Hypnose in der Regel nicht.

Wie führen Sie den Hypnosezustand herbei?

Der Hypnosezustand lässt sich durch suggestive Beeinflussung, Anleitung zur Entspannung und Ablenkung erreichen. Ich leite ihn beim Patienten mit der Bitte ein, es sich so bequem und entspannt wie möglich zu machen. Er schließt die Augen, atmet ruhig. Durch die Art der Gesprächsführung fokussiere ich die Gedanken des Patienten auf sein Körperinneres. Im Hintergrund läuft entspannende Musik.

Hat der Patient während der Hypnose Schmerzen?

Diese Sorgen sind unbegründet. Der Patient hat immer die Möglichkeit, sich mitzuteilen. Er kann den Finger oder die Hand zur Signalgebung benutzen und die Behandlung so unterbrechen. Bei mir sind Spritzen nur noch auf ein Drittel der ansonsten üblichen Dosis gefüllt. Wer Hypnose gut beherrscht, kann während der Behandlung auf Schmerzmittel verzichten. Ich habe schon ohne Spritze Zähne gezogen, bei Patienten, die lokale Betäubungsmittel nicht vertragen. Und sie haben nichts gespürt. Manchmal besteht der Wunsch, ohne Spritze behandelt zu werden. Das kann man mit der Hypnose wunderbar begleiten.

Wie lange arbeiten Sie schon mit Hypnose?

Die Zahnarztpraxis in Barth betreibe ich seit 25 Jahren. Davon arbeite ich seit 14 Jahren mit Hypnose. Als ich 2003 damit begann, waren die Hypnose-Ausbildungen in Mecklenburg-Vorpommern gerade auf dem Vormarsch. Ich war einer der ersten Zahnärzte, die in unserem Land eine solche Ausbildung absolviert haben.

Wie lange mussten Sie lernen, um Hypnose zu beherrschen?

Die Ausbildung dauerte eineinhalb Jahre. Die Ausbildung schafft jedoch nur ein Grundgerüst. Die Erfahrung kommt mit der Arbeit. Man lernt jeden Tag dazu.

Warum arbeiten Sie in Ihrer Praxis mit Hypnose?

Wer Gutes sucht, sucht immer weiter. Die seelische Komponente war und ist mir wichtig. Sie wirkt sich begünstigend für Patient und Behandler aus.

Für den Behandler auch?

Ja, wenn ich den Patienten gut führe, geht’s mir selber auch gut. Nichts ist für einen Zahnarzt schlimmer als die Angst vor der Angst des Patienten.

Warum?

Angst überträgt sich. Die größte Angst haben Zahnärzte aus diesem Grund vor der Angst ihrer Patienten. Deshalb sind auch sehr viele Zahnärzte verspannt.

Wann hilft Hypnose beim Zahnarztbesuch außerdem?

Auch ohne Ängste ist es für manchen Patienten unangenehm, mit geöffnetem Mund dazuliegen und dem Zahnarzt ausgeliefert zu sein. Auch hier schafft die Behandlung in Hypnose einen Weg aus der Situation.

Wie sind Sie zur Hypnose gekommen?

Über einen guten Freund, einen Zahnarzt aus Rom, der 20 Jahre lang in Argentinien eine eigene Praxis hatte. Er hat mir die Hypnose nahe gelegt. Er wandte sie auch bei seinen beiden Töchtern an, die unter Migräne litten. Für mich eine Gnade, diesen römischen Zahnarzt kennen gelernt zu haben. Und über ihn diese Technologie.

Werden die Kosten von den Kassen übernommen?

Von den Privatkassen.

Bei fast allen Menschen anwendbar

Die moderne medizinische Hypnose ist bei etwa 90 Prozent der Patienten anwendbar – besonders bei Menschen, die gute Konzentrationsfähigkeit und bildhafte Fantasie besitzen.

80 Prozent der Bevölkerung sind leicht, zehn Prozent sogar sehr leicht zu hypnotisieren.

Die Behandlung läuft unter Hypnose schneller und angenehmer ab – sowohl für den Patienten als auch für das

Behandlungsteam.

Das Ziel der zahnärztlichen Hypnose ist es, dass der Patient nach der Behandlung das

Gefühl hat, sich gut

erholt zu haben.

Mit Showhypnose hat die moderne zahnmedizinische Hypnose nichts gemeinsam. Äußerungen und Handlungen gegen den eigenen Willen sind in Hypnose nicht möglich. Die behandelnden Zahnärzte sind verpflichtet, die Hypnose nur zum

Wohle des Patienten

anzuwenden.

Interview: Detlef Lübcke

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