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„Ich bin Romantiker in der siebten Generation“

Langenhanshagen „Ich bin Romantiker in der siebten Generation“

Maler Egon Arnold zeigt in der Feldsteinkirche in Langenhanshagen seine Eindrücke von der Insel Vilm / Besucher können ihm auch beim Skizzieren zuschauen

Langenhanshagen. Der Ort macht seinem Namen alle Ehre, bis zur Feldsteinkirche mit Backsteinanteil fährt man eine ganze Weile. „Der Mann, der die Ausstellung macht, ist hinter dem Haus“, ermutigen Friedhofsbesucher, noch ein paar Schritte weiter zu gehen. Um die Ecke sitzt Egon Arnold auf einem Hocker, den Skizzenblock auf dem Schoß und zeichnet Backstein für Backstein eines zugemauerten Kirchenportals. Freundlich reagiert er auf die Unterbrechung, erklärt Details, weist auf ungleich große Steine hin. Eigentlich aber käme es auf das an, was er nicht zeichnet, die ausgesparten Zwischenräume, den Mörtel, der alles zusammenhält. „Und da muss auch noch ein kleiner Strich hin“, zeigt er schließlich bei einem der Feldsteine im Fundament seine Untergrenze mit dem Bleistift.

 

OZ-Bild

Maler Egon Arnold stellt seine Werke in der Feldsteinkirche in Langenhanshagen aus.

Quelle: Susanne Retzlaff

Hätte mir damals in Berlin jemand gesagt, ich würde einmal Landschaften malen, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt.“Egon Arnold, Künstler

Ausstellung

Noch bis Sonntag , 11. September, können sich Besucher täglich von 11 bis 17 Uhr in der Feldsteinkirche Langenhanshagen die Bilder und Skizzen anschauen und mit dem Künstler ins Gespräch kommen.

Gern begleitet er den Gast ins Gotteshaus mit den Bildern seiner Ausstellung. Eindrücke aus 20 Sommern auf der Insel Vilm hat er zusammengestellt, darunter Aquarelle und filigrane Federzeichnungen der abwechslungsreichen Landschaft, Fotos von Einritzungen in Rinden und großflächige farbige Drucke von Urwaldstrukturen, die alten Bäume der Insel mit beschränktem Zugang im Rügischen Bodden sind berühmt. Außerdem gewährt der Künstler Einblick in seine Skizzenbücher mit zahllosen Blättern und handschriftlichen Notizen.

1954 in der Lausitz geboren, hat er schon als Kind die Sixtinische Kapelle gezeichnet und die Mona Lisa kopiert, dann Elektriker gelernt und diesen Beruf gar nicht so ungern ausgeübt – bis er malen wollte und nach Berlin ging, um zu studieren. Es war die Zeit der Wende, Pläne änderten sich, Arnold blickte sich in der Welt um, lebte in Spanien, unterrichtete auf Sri Lanka Malerei, kam mit dem Buddhismus in prägenden Kontakt. Eine Ausstellung in Putbus ließ den „Hügelmenschen“ auf Rügen stranden, von dort war es nicht mehr weit bis Vilm. „Hätte mir damals in Berlin jemand gesagt, ich würde einmal Landschaften malen, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sagt Egon Arnold. Unter den alten Bäumen der kleinen Insel auf sich selbst zurückgeworfen, hat sich für ihn allerdings einiges verrückt. „In der Stadt rast alles vorbei, da habe ich ein Mal geguckt und zehn Zeichnungen gemacht. Vilm ist ruhig, hier gucke ich zehn Mal, um ein Bild zu machen.“

Sein Bezug zur Natur habe sich verändert, er beachtet sie; manche meinen, er romantisiere. „Ich bin Romantiker in der siebten Generation“, bekennt er schmunzelnd, das sei nicht heikel, „unser Umgang mit der Natur ist heikel.“ Doch wie Caspar David Friedrich, der unter anderem eine „Landschaft mit Regenbogen“ auf Vilm gemalt hat, wird er nicht arbeiten, auch wenn sich die himmlisch-bunte Erscheinung inzwischen oft auf seinen neuesten Blättern findet.

Ob wir uns diesseits oder jenseits des Regenbogens befinden, oder ob dieser nicht nur ein schönes „Brett vor dem Kopf“ ist, sei allerdings eine der Fragen, der Neugierige noch täglich bis zum 11.

September von 11 bis 17 Uhr in der Feldsteinkirche Langenhanshagen auch zusammen mit dem Künstler nachgehen können. Oder sie schauen ihm einfach beim Skizzieren über die Schulter. Egon Arnold unterrichtet Malerei „ohne Tricks“, gemeinsam mit seiner Frau, der Historikerin Dr. Susana Schmidt gibt er handgemachte Bindfadenbücher heraus. Sie verwalten unter anderem den künstlerischen Nachlass des Malers Joachim Daerr und entdeckten Skizzenbücher der Malerin Elisabeth Büchsel. „Wir wollen kulturelle Verantwortung übernehmen“, sagt der Künstler.

Susanne Retzlaff

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