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Barth Im Wechselbad der Gefühle

Morgen wird Pastorin Annemargret Pilgrim in den Ruhestand verabschiedet / Untätigkeit ist sie nicht gewohnt

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Pastorin Annemargret Pilgrim vor der Buchholz-Orgel in der Barther Marienkirche.

Quelle: Detlef Lübcke

Barth. Morgen endet für Pastorin Annemargret Pilgrim die Dienstzeit in der evangelischen Kirchengemeinde Barth. Doch es beginnt auch ein ganz neuer Lebensabschnitt. „Ich erlebe derzeit ein Wechselbad der Gefühle“, sagt Annemargret Pilgrim, gerade 63 Jahre alt geworden, vor dem Eintritt in den Ruhestand. So vieles sei noch zu erledigen, so einiges noch zu übergeben oder zu Ende zu bringen. Doch sei das in der kurzen Zeit gar nicht mehr zu schaffen. Zudem packen sie und ihr Mann Johannes derzeit die Kisten und Kartons für den Umzug. Vor allem von etlichen Büchern werde sie sich trennen müssen, bedauert die Pastorin. Doch sie passen nicht in die neue, kleinere Wohnung in Stralsund.

Wir wollen Freundschaften pflegen,

vor allem mehr Zeit für die Kinder und Enkel haben.“ Pastorin Annemargret Pilgrim (63)

über die Pläne, die sie mit ihrem Mann

geschmiedet hat

1995 wurde Annemargret Pilgrim zur Superintendentin in Barth gewählt. Nach ihrer Amtszeit als Superintendentin war sie ein Jahr als Landesjugendpfarrerin tätig und blieb dann als Gemeindepastorin in Barth. „Ich habe immer viel Wert darauf gelegt, dass alle Mitarbeitenden sich gleichberechtigt fühlen“, blickt Annemargret Pilgrim zurück. Ein bisschen sei so eine Gemeinde mit ihren Mitarbeitenden und der Verwaltung wie ein kleines mittelständisches Unternehmen, findet die Pastorin.

Zu den wichtigsten Aufgaben in ihrer Dienstzeit zählt sie weniger das Management dieses „Unternehmens Gemeinde“, sondern die ganz persönliche Begleitung Einzelner. „Wenn mir jemand nach vielen seelsorgerlichen Gesprächen sagte, nun sei er neu gestärkt und könne wieder sein Leben meistern, zählte das zu den schönsten Momenten in meinem Berufsleben.“

„Bereits in der Schule habe ich viele Streitgespräche über mein christliches Bekenntnis geführt. Ich wollte den Glauben schon immer erklären und war auch auf der Suche nach Argumentationshilfen“, sagt die Pastorin. Auch habe sie Naturwissenschaft und ihren Glauben nie als Gegensätze begriffen. Für sie sind das Teile eines Ganzen. Als bekennender Christin durfte sie in der DDR nur dank des Einsatzes ihres damaligen Schuldirektors das Abitur an der Erweiterten Oberschule absolvieren.

Das Theologiestudium begann sie 1973 in Greifswald. Annemargret Pilgrim engagierte sich in der Studentengemeinde und sang im Domchor. Die kleine Studierendengemeinschaft schuf ein familiäres Klima an der Fakultät, die damals noch Sektion hieß. „Wir waren eine ganz enge, verschworene Gemeinschaft, hatten eine sehr reiche Zeit und ein fröhliches Studentenleben“, erinnert sich Annemargret Pilgrim gern. In der Studentengemeinde lernte sie ihren Mann kennen. „Johannes suchte Backgroundsängerinnen für einen Kirchentagsauftritt der Kirchenband ‚Gruppe Shalom' und ich machte mit“, schildert Annemargret Pilgrim die erste Begegnung.

So richtig gefunkt hat es zwischen den beiden aber erst beim Gitarrenunterricht unter vier Augen. Noch während des Studiums heirateten sie. Wenig später kam der erste Sohn zur Welt. Als eine besonders schöne Zeit bezeichnet Annemargret Pilgrim ihr Vikariat in Wusterhusen und der Greifswalder Mariengemeinde. „Wir wohnten in Hanshagen, wo mein Mann Pfarrverweser war. Mit dem Moped war ich dann als Vikarin auf den Dörfern unterwegs.“ Nach dem Predigerseminar 1979/80 in Wittenberg trat Annemargret Pilgrim 1980 ihre erste Pfarrstelle in Blumenhagen an. Drei Jahre später – in der Zwischenzeit waren zwei weitere Söhne auf die Welt gekommen – hielt Annemargret Pilgrim erstmals inne. „Bis zu diesem Moment gab es keine Atempause“, sagt die Pastorin. „Alle Lebensphasen gingen nahtlos ineinander über, doch nun überlegte ich mit 30 Jahren, wie es weitergehen sollte und ob mein Glaube ausreicht für ein lebenslanges Pfarrersein.“ Mit ihren Zweifeln fand sie Halt bei einem katholischen Pfarrer in Pasewalk. Er habe ihr zu mehr Geduld geraten.

Die ursprüngliche Heimat von Annemargret Pilgrim ist Ueckermünde. Ihre Mutter war Katechetin. Der Vater, nachdem er durch eine Kriegsverletzung nicht mehr als Tischler arbeiten konnte, entschied sich ebenfalls für diesen Beruf. Beide waren im Gemeindeleben sehr engagiert. Und so wuchs Annemargret Pilgrim ganz selbstverständlich in die Gemeindearbeit hinein. „Ich lebte das alles seit frühester Kindheit mit“, erinnert sich die Pastorin.

Wirklicher Ruhestand ist ausgeschlossen. Untätigkeit ist die Pastorin nicht gewohnt. Fest steht, dass das Ehepaar Pilgrim zunächst einfach eine Zeitlang sein Privatleben genießen möchte. Und dann?

„Wir wollen Freundschaften pflegen, vor allem mehr Zeit für die Kinder und Enkel haben“, zählt Annemargret Pilgrim die Pläne auf, die sie mit ihrem Mann geschmiedet hat. „Bestimmt machen wir auch die eine oder andere Reise.“ Einer Sache ist sie sich ganz sicher: „Wir werden auch im Ruhestand im Chor singen, denn ohne Chor können wir nicht!“

Als Nachfolger hat sich Stefan Fricke, Pastor auf der Insel Usedom, beworben. Die Wahl steht noch bevor.

21 Jahre in Barth

Nach ihrem Dienst in Barth wird

Pastorin Annemargret Pilgrim am 2. Oktober im Rahmen des Erntedank- Gottesdienstes in den Ruhestand verabschiedet. Der Gottesdienst ab 14 Uhr in der St.-Marien-Kirche wird von Pröpstin Helga Ruch gehalten.

Bei einem Empfang soll anschließend im Gemeindehaus auf die 21 Jahre

in Barth zurückgeblickt werden.

Dort kann sich jeder in zwangloser

Atmosphäre von Pastorin Pilgrim

verabschieden.

Ein Konzert ab 18 Uhr in der Kirche wird den Tag beschließen. Prof. Markus Langer aus Rostock spielt an der Buchholzorgel. Langer ist in der Hansestadt Kantor und Organist an der St.-Johanniskirche. Er leitet dort eine der größten Kantoreien Norddeutschlands. In Barth wird er die Altistin Annerose Kleiminger mit Werken von Johann Sebastian Bach und Max Reger begleiten. Der Eintritt ist frei. Es wird um eine Ausgangskollekte gebeten.

Sebastian Kühl und Detlef Lübcke

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