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Kenz will kein Erholungsort sein

Kenz-Küstrow Kenz will kein Erholungsort sein

Gemeindevertreter lehnen den Vorschlag ab, dass sich Wallfahrtsort um den Titel bewirbt

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Das Kenzer Brunnenhaus ist 2004 nach einer Vorlage von 1763 neu aufgebaut worden.

Quelle: Detlef Lübcke

Kenz-Küstrow. /Barth. Barth ist seit 2015, Ribnitz-Damgarten seit 2012 staatlich anerkannter Erholungsort. Auch in Kenz-Küstrow bei Barth ist in der zuletzt darüber diskutiert worden, ob sich die Gemeinde um diesen Titel bewirbt. Die Gemeindevertreter haben sich nun in ihrer jüngsten Sitzung zu einer klaren Entscheidung durchgerungen. Sie haben sich dazu bekannt, dass Kenz-Küstrow kein anerkannter Erholungsort werden will.

 

OZ-Bild

Wir haben nicht die Voraus- setzungen, die an einen staatlich anerkannten Erholungsort gestellt werden.“Bürgermeister Harald Reinecke

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„Wir haben einfach nicht die Voraussetzungen, die an einen staatlich anerkannten Erholungsort gestellt werden“, begründete Bürgermeister Harald Reinecke (Freie unabhängige Wählergemeinschaft).

Zu den Voraussetzungen gehört, dass der sich um das Prädikat bewerbende Ort „eine landschaftlich bevorzugte und klimatisch günstige Lage“ vorweisen kann — also gute Luft hat. So steht es im Kurort-Erholungsgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem spielt die Geräuschsituation eine entscheidende Rolle. Bademöglichkeiten und Wanderwege muss der Ort vorweisen, auch genügend Sitzbänke. Er muss eine Tourismus-Information haben und öffentliche Toiletten vorweisen können.

Zwar beabsichtigt die Gemeinde Kenz-Küstrow am Hafen im Ortsteil Dabitz ein öffentliches Toilettenhäuschen zu bauen, doch zu den Kriterien zähle sehr viel mehr. „Wir haben keinen Einkaufsladen, wir haben kein Kino...“, sagte Harald Reinecke. Und deshalb sei es von vornherein hoffnungslos, eine Bewerbung zu starten.

Hintergrund der Idee mit dem Erholungsort ist die prekäre Haushaltssituation der Gemeinde. Als Erholungsort könnte die Gemeinde sowohl Kur- als auch Fremdenverkehrsabgabe erheben. Und daraus könnte sie zusätzliche Einnahmen erwirtschaften.

Der Etat für 2016 liegt mit 70000 Euro im Minus. „Wir hatten in Kenz-Küstrow mal bessere Jahre. Da konnten wir darüber diskutieren, was machen wir mit dem Geld“, erinnerte Harald Reinecke.

Doch diese Zeiten seien vorbei. „Wir haben alle Möglichkeiten des Einsparens ausgeschöpft. Mehr geht nicht, es gibt nichts mehr zu kürzen“, erklärte Harald Reinecke.

Unlängst hätte die Gemeinde die Hundesteuer erhöht. „Doch das bringt uns auch nicht weiter, hat uns höchstens nur Ärger unter den Hundehaltern eingebracht“, bilanzierte der Bürgermeister.

Barth will die Kurabgabe ab 1. Juli 2016 erheben. Aus ihr würden nach den derzeitigen Berechnungen jährlich rund 108000 Euro in die Stadtkasse fließen — Geld, das aber wieder in den Tourismus investiert werden soll. Die Kurabgabe beträgt demnach in der Hauptsaison (Mai bis September) 1,20 Uhr pro Person und Aufenthaltstag, ermäßigt 85 Cent. In der Nebensaison (Oktober bis April) erhebt die Boddenstadt 1,05 Euro Kurabgabe pro Person und Aufenthaltstag, ermäßigt 70 Cent. Anstelle der nach Tagen berechneten Kurabgabe kann auch eine Jahreskurabgabe entrichtet werden. Unabhängig von der Saison und Aufenthaltsdauer beträgt sie pro Person 36 Euro und ermäßigt 25,50 Euro. Die Fremdenverkehrsabgabe ist in Barth dagegen noch nicht festgelegt worden. Sie soll später von den Stadtvertretern beschlossen werden.

Der Vorschlag, sich um den Erholungsort-Titel zu bewerben, sei aus der Barther Amtsverwaltung gekommen, berichtete Bürgermeister Reinecke. Der Vorschlag liege auch in der Vergangenheit von Kenz begründet. Das Dorf war mit seiner Quelle und der Kirche St. Marien im Mittelalter der bedeutendste Wallfahrtsort Pommerns. Im 17. Jahrhundert wurde Kenz dann ein bedeutendes Kurbad, vermutlich das erste und damit älteste Vorpommerns.

In der Folgezeit entwickelte sich Kenz zu einem Dorf mit Gästehäusern und Kureinrichtungen. Bis heute zeugen die einstige Wallfahrtskirche mit ihrer für Mecklenburg-Vorpommern bedeutenden Ausstattung, Teile der alten Kurpromenade, das einzigartige Brunnenarchiv sowie der heutige Gesundbrunnen von dieser für Pommern einmaligen und bedeutenden Geschichte dieses Ortes.

Das Brunnenhaus unweit der Kirche ist längst nicht mehr öde, seitdem es 2004 mit Mitteln der EU, des Landkreises und Landes nach einer Vorlage von 1763 neu aufgebaut wurde. Einheimische wie Gäste holen hier Wasser für den Eigenbedarf. Das Kenzer Gesundheitswasser ist als Marke geschützt. Es fühlt sich weich an. Auf der Quelle wurde 1398 die Kirche gebaut.

Wunderwasser

Die Historie berichtet von vielen

Genesungen durch das Kenzer Wasser.

Es enthält Mineralstoffe wie Eisen, Mangan, Magnesium und Kalium.

Im 13. Jahrhundert soll es gewesen sein, als ein Kranker vor dem Bild der Maria Pomerania hockte, das an einer alten Eiche hing. Überliefert ist, dass Maria mit dem Zepter auf die Quelle zeigte und der Kranke von dem Wasser trank. Nach kurzer Zeit fühlte er sich gesund.

Auch Pommernherzog Barnim VI. war 1405 auf dem Weg nach Kenz, weil er sich von dem Wasser Heilung versprach. Doch er starb zuvor und wurde in der Kenzer Kirche beigesetzt.

Bei der Trockenlegung des Gotteshauses wurden 2010 zwei Grabkammern entdeckt, von denen eine nach Expertenmeinung die des Herzogs ist.

Von Detlef Lübcke

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