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Kunst im Handwerkerdorf

Niepars Kunst im Handwerkerdorf

Neuanfang als Rentnerin: Regina Apitz lebt auf einem Hinterhof ihre Kreativität aus

Niepars. Im gerne als Handwerkerdorf bezeichneten Niepars, zwischen Autoersatzteilen und Werkstätten, hat sich Regina Apitz ihren kreativen Rückzugsort geschaffen. Auf einem Hinterhof hat sie Räume gefunden, die Platz für all das bieten, was das eigene Haus aus allen Nähten platzen lässt.

 

OZ-Bild

Regina Apitz im Atelier vor den Arbeiten, die sie für den Neujahrsempfang der OSTSEE-ZEITUNG gefertigt hat.

Quelle: Foto: Wenke Büssow–krämer

Zeichnungen, Kalligraphien oder Collagen samt den künstlerischen Utensilien sammeln sich dort. „Meine Federn und Tusche habe ich zu Hause, aber wenn ich mehr Platz brauche, arbeite ich hier“, erzählt Regina Apitz. Außerdem bietet ihr der zusätzliche Platz auch die Möglichkeit, eigene Kunstkurse anzubieten, in denen sie Interessierten beispielsweise die Kalligraphie näher bringt.

Vor ihrem Renteneintritt arbeitete sie 37 Jahre lang als Lehrerin für Deutsch und Kunst. Doch statt sich in den Ruhestand zu begeben, sah sie die Zeit für einen Neuanfang gekommen und setzte sich selbst noch einmal auf die Schulbank. In Greifswald schrieb sie sich 2011 für ein Kunststudium ein und machte ihren Master für Bildende Kunst. „Meine Familie fand das gut und hat mich dabei unterstützt. Ich wollte es einfach noch einmal wissen“, sagt die heute 68-Jährige. Denn auch, wenn sie selbst Kunst unterrichtet hat – wie zum Beispiel in Franzburg und Stralsund – konnte Apitz noch wieder neu inspiriert werden. „Der Siebdruck ist da solch eine Neuentdeckung für mich. So etwas Aufwändiges ist im Schulunterricht gar nicht möglich“, so Apitz. Die 2017-Ausgabe ihres Stralsund-Kalenders ist dieser Technik entsprungen. Neben allerlei Techniken bekommen jedoch auch bei den Künstlern elektronische Hilfsmittel mittlerweile eine größere Bedeutung. „Ich dachte auch mal, ich bleibe bei der Handarbeit, aber ein Computer bietet einem so viele Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Apitz. So können etwa handbearbeitete Holzschnitttafeln eingescannt und dann weiterbearbeitet werden. Auch arabische, kyrillische, lateinische und hebräische Glyphen hat sie so spielerisch zu kleinen Kunstwerken angeordnet.

Als Auftragsarbeit für den Neujahrsempfang der OSTSEEZEITUNG entstanden zuletzt auch Collagen aus Zeitungspapier. Alte Zeitungsbilder werden zu neuen Landschaftsperspektiven, drei Porträts ergeben ein neues Gesicht. Die Kreativität wird da lediglich durch die Zeit begrenzt.

Denn auch heute noch springt Regina Apitz vertretungsweise als Kunstlehrerin ein. „Solange ich mit den Schülern noch umgehen kann, macht es noch Spaß. Da kommen mitten im Unterricht dann auch wieder neue Ideen für mich selbst“, so die Künstlerin. Für drei Verlage liest sie dann auch noch Korrektur und illustriert auch selbst Bücher. „Da lässt sich meine Studienkombination Deutsch und Kunst dann wieder hervorragend einsetzen“, sagt Apitz, die auch Mitglied im Künstlerbund und im Kunstverein ist.

Momentan laufen bei ihr bereits die Vorbereitungen für den Stralsund-Kalender 2018, aber auch Termine wie „Kunst offen“ sind bereits im Blick. „Das Wochenende wurde im letzten Jahr erstaunlich gut angekommen. Man merkt, dass sich dann viele Leute regelrecht auf Kunsttour begeben und den gesamten Landkreis abfahren. Viele interessante Gespräche ergeben sich dabei, wovon sich manche Interessenten dann auch später wieder melden“, so die Nieparserin.

Einfach ist es aber nicht, Leute für Kunst zu begeistern, gesteht Regina Apitz. „Wer interessieren will, muss sich etwas einfallen lassen, ja eventuell sogar provozieren, herausfordern.“ So freut sie sich dann auf die Reaktionen auf ihre „handschriftlichen“ Werke. „Wenn die Leute dann dicht rangehen, in der Hoffnung etwas entziffern zu können, sieht man, dass sie interessiert sind.“ Neben Kursen in ihrem Nieparser Atelier und geplanten Veranstaltungen mit dem Kunstverein, bleibt aber immer noch Zeit für Pläne und Träume für die Zukunft. „Ich hätte schon noch Lust auf Bilderbücher, wo ich meine Kunst und Sprache vereinen kann.“

Wenke Büssow-Krämer

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