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Lupinen-Experimente in der Laborküche

Barth/Nisdorf Lupinen-Experimente in der Laborküche

Michelle und Marcel Rost waren bisher in der rollenden Kaffee-Rösterei unterwegs / Nun baut das Ehepaar in Barth für rund 100000 Euro eine Halle aus

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Aus einem alten Verkaufswagen machte Familie Rost die rollende Kaffeerösterei.

Quelle: privat

Barth/Nisdorf. Etwas unscheinbar und leicht versteckt liegt die Halle 17 im Gewerbegebiet an der Nelkenstraße in Barth. Viel ist noch nicht zu sehen, ein paar Säcke mit Kaffeebohnen liegen auf dem Boden. Michelle Rost schaut sich um, beschreibt, wie es bald aussehen soll. In ein paar Monaten soll es hier dampfen und zischen. Ab September entsteht in der 144 Quadratmeter großen Halle eine Bio-Rösterei. Das Besondere: Dort werden nicht nur Kaffee und Kakao geröstet. Die 38-Jährige und ihr Mann Marcel Rost (41) wollen auch dazu beitragen, dass der Anbau und die Verarbeitung von Süßlupinen und Ur-Getreide wieder heimisch wird.

 

OZ-Bild

Bisher lagert Michelle Rost hier noch Kaffeebohnen, bald schon sollen in der Halle Lupinensamen verarbeitet werden.

Quelle: Robert Niemeyer

Wir hoffen, dass wir im April kommenden Jahres soweit sind, erste Ergebnisse zu haben.“Michelle Rost (38)

2009 ist das Paar von Sachsen nach Nisdorf gezogen. Zuvor hatten sich beide von einem peruanischen Kaffeebauern in Rostock zu Röstern ausbilden lassen. In den vergangenen Jahren waren die beiden vor allem auf Märkten in der Region zu finden, wo sie mit ihrer mobilen Sieben-Quadratmeter-Rösterei ihre Waren anboten. Weil der Platz nicht mehr ausreichte, folgt jetzt der Schritt hin zu einer festen Produktionsstätte. „Trotzdem bleiben wir natürlich mit unserer rollenden Rösterei auf den Märkten der Region präsent. Das ist einfach wichtig, um mit den Leuten im Gespräch zu bleiben“, sagt Michelle Rost. Waren vor einem Jahr noch die Touristen besonders neugierig, kosten jetzt auch immer mehr Einheimische den Lupinen-Kaffee.

Doch im Moment ruht das Geschäft mit dem Kaffee Lupino. „Das Lager ist leer. Wir müssen jetzt erst einmal die neue Ernte einfahren. Das passiert diese Woche auf 2,5 Hektar Fläche auf Rügen.“

Danach wird die Lupine, die übrigens per Mähdrescher in drei Stunden eingefahren sein dürfte, getrocknet und gereinigt. Im Herbst beginnt Familie Rost dann mit dem Rösten – noch auf dem Wagen, später dann in der Barther Halle.

Großer Vorteil der Lupinen-Fans: Während Kakao- und Kaffeebohnen aus Übersee kommen, sollen die Lupinen und das Ur-Getreide in der Region angebaut werden. Dafür hat das Ehepaar aus Nisdorf den Verein Kransdorfer Insel von der Insel Rügen gewinnen können, der dem Ehepaar zwischen sechs und zehn Hektar Land zur Verfügung stellt, um Lupinen- und Ur-Getreidesorten anzubauen, die dann in Barth veredelt werden sollen.

„Wir hoffen, dass wir im April soweit sind, erste Ergebnisse zu haben. Erste Erträge erwarten wir Ende des Jahres“, sagt Michelle Rost – erste Ergebnisse, damit ist unter anderem der Anbau auf der ökologischen Fläche auf Rügen gemeint. Lupinen sind eher selten auf hiesigen Feldern zu finden, schon gar nicht zum Zweck der Weiterverarbeitung.

Ergebnisse meint aber auch, dass sich die Rosts im Experimentieren probieren werden. In die Halle wird eine Laborküche integriert, in der Produkte entwickelt und getestet werden sollen. So könne aus dem gerösteten Getreide Röst- oder Farbmalz entstehen. An der Idee hätten verschiedene Brauereien in der Region bereits Interesse gezeigt. Röstmehl könne für Bäckereien interessant sein. Die Lupinen könnten nicht nur als Heißgetränk, sondern auch in Müsli, Naschereien oder lieblichen Aufstrichen Verwendung finden.

57400 Euro beträgt die Förderung durch das Land(auf) schwung-Projekt. Etwas mehr als 100000 Euro kostet der Umbau der Halle insgesamt. „Einiges muss noch gemacht werden, etwa die Wasseranschlüsse, der Boden. Auch ein Schornstein muss eingebaut werden“, sagt Michelle Rost.

Die Rosts setzen bei ihrem Projekt voll auf Ökologie. Die Produkte sollen Vegetarier und Veganer ansprechen. Einen Online-Shop gibt es bereits.

Land(auf)Schwung: Zehn Projekte im Landkreis bereits gefördert

Der Landkreis Vorpommern-Rügen ist einer von bundesweit 13 Landkreisen, die durch das Bundeslandwirtschaftsministerium im Rahmen des Modellvorhabens Land(auf)Schwung gefördert werden.

Das Projekt von Familie Rost ist eines von zehn Projekten, dass seit Ende 2015 im Rahmen des Bundesmodellvorhabens durch die Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung des Landkreises Vorpommern-Rügen bewilligt wurde. Als nächstes Projekt wird am 1. September in Schlemmin der Ausbau der „Gläsernen Senmfmühle“ beginnen.

Insgesamt ist das verfügbare Budget für die Jahre 2015 und 2016 in Höhe von 800000 Euro vollständig gebunden. Doch auch in den kommenden beiden Jahren sollen Projekte gefördert werden. Dazu gehören innovative Projekte im Themenfeld Daseinsvorsorge im ländlichen Raum, zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements, zur Lösung von Mobilitätsproblemen, aber auch Initiativen, die sich mit der besseren Nutzung digitaler Medien im ländlichen Raum befassen. Die Anträge waren bis 1. August einzureichen. Die Entscheidungsgruppe des Projektes kommt am 13. September zur nächsten Sitzung zusammen.

• Weitere Informationen zum Projekt Land(auf)Schwung gibt es im Internet auf der Seite www.landaufschwung-vr.de. Mehr zum Projekt der Familie Rost in in Barth unter www.landdelikat.de

Robert Niemeyer und Ines Sommer

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