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Mutter und Tochter schlüpfen in Männer-Rollen

Barth Mutter und Tochter schlüpfen in Männer-Rollen

Steffi (49) und Jette Clasen (27) spielen gemeinsam in Barth Theater

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Jette und Steffi Clasen im Stück „Tratsch im Treppenhaus“. Tochter und Mutter freuen sich auf die beiden letzten Aufführungen.

Quelle: Foto: Frank Burger

Barth. Johannes Seefeldt war zunächst skeptisch. Doch: „ . . . wenn der Sohn nur halb so gut wie sein Vater ist, dann muss ich ihn sogar als Pächter oder auch als . . .“ Der Chef des größten Autohauses in Barth bekommt einen Pächter und einen Schwiegersohn. Markus darf Johannes duzen und die Seefeldt-Tochter rast vor Freude von einer Tür zur anderen im Treppenhaus, um ihr großes Glück zu verkünden. Die beiden „Männer“ schauen mit einem Lächeln zu.

So eine der letzten Szenen des Stückes „Tratsch im Treppenhaus“, das auf der Barther Boddenbühne nach der Silvesterpremiere noch am 11. März und am 15. April aufgeführt wird. Nach dem Abschlussapplaus nehmen sich die beiden „Männer“ Johannes und Markus die Perücken ab, ziehen ihre Anzüge aus und fahren als Mutter und Tochter nach Hause nach Zingst.

Zu wenig männliche Schauspieler

Steffi (49) und Jette Clasen (27) spielen in Ermangelung an männlichen Schauspielern im Barther Amateur-Ensemble sogenannte „Hosenrollen“.

„Ich habe das schon vor zwei Jahren im Stück ‚Nackter Wahnsinn’ gemacht. Das war toll“, sprüht es aus Jette Clasen heraus. In diesem Jahr jedoch fällt ihr die Rolle als männlicher Liebhaber schwerer.

Sie habe eine hohe Stimme und so richtig männlich fühle sie sich nicht. Dennoch versucht die Zingsterin alles, um ihre Rolle glaubwürdig zu spielen. Sogar ein paar Bartstoppeln hat sie sich schon anschminken lassen.

Mutter Steffi war zunächst nur Ersatzkandidatin für die kleine Rolle und hat sich viele Tipps für ihren Männerpart geben lassen. Ein Anzug, eine Perücke und ein Hut waren die äußerlichen Verwandlungen. Doch nun nicht nur wie ein Mann, sondern auch wie ein Familien-Patriarch spielen, das sei auch nicht einfach.

Mutter und Tochter Clasen spielen schon lange Theater. 2003 haben sich beide bei einem Casting angemeldet. Sie entdeckten ein Plakat in Barth, auf dem nach Darstellern für eine Sommeraufführung gesucht wurde. Steffi Clasen ging mit ihren beiden Zwillingen Jette und Rieke hin und alle drei bekamen eine Rolle, allerdings nur, weil die damals 13-jährigen Mädchen bereit waren, sich das Honorar zu teilen. Steffi musste 2008 mit der Laienschauspielerei aufhören – sie hatte sich um den dreijährigen Jan zu kümmern. Ihre beiden Töchter waren seitdem immer dabei. „Ich liebe die familiäre Atmosphäre. Die Proben machen mir sehr viel Spaß und ich verstehe mich mit allen Leuten gut“, sagt Jette Clasen, die 2010 eine Elfe im Sommerstück „Titania und Oberon“ spielte und noch heute von dieser Rolle schwärmt. „Die Elfe Lyrin hatte so einen dänischen Einschlag und Jahre später traf ich einen Zuschauer wieder, der sich wunderte, dass ich keine Dänin bin“, freut sich Jette über ihre gelungene Darstellung.

Aus Rolf Herricht wurde Frau Herricht

Jette Clasen denkt auch gerne an das Silvesterstück 2015/16 zurück. In „Knall auf Fall“ spielte sie Frau Herricht und Else, die bemitleidenswerte Frau von Ekel Alfred, Paraderollen für sie. Im aktuellen Stück freut sie sich immer wieder auf die Szene, in der ihr Schlachtermeister Tramsen eine Wurst „durchstecken“ will. „Außerdem bin ich gerne Textretterin“, verrät Jette Clasen. „Ich kenne fast alle Texte meiner Schauspielkollegen und wenn einer mal hängt, kann ich gut retten“, verrät sie.

Ihre Mutter Steffi pflichtet ihr da bei: „Das kann sie wirklich gut.“ Sie selbst habe immer nur „Masse“ und „Fußvolk“ gespielt. Außer in „Haarige Zeiten“, dem Stück zum 750. Stadtjubiläum der Stadt Barth. Da war sie die Frau des Bürgermeisters in der „Barther Bierszene“. Die jetzige kleine Rolle sei ein Wiedereinstieg. Jan ist groß und auch die Arbeit würde ihr erlauben, in ihrer Freizeit Theater zu spielen. Gerne würde Steffi Clasen weiter machen. „Kleinere Rollen reichen dabei völlig aus“, meint sie.

Von Usedom zu Proben angereist

Weiter würde auch ihre Tochter machen. Aber sie arbeitet als Erzieherin in Karlshagen auf Usedom und ohne Führerschein waren schon die Anfahrten zu den Proben dieses Jahr ziemlich problematisch. „Ich muss den Führerschein machen“, nimmt sich Jette Clasen vor. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Rieke will sie nicht Schauspielerin werden. „Ich habe meinen Job und nebenbei spiele ich Theater. So ist das gut für mich“, sagt sie.

Jetzt freuen sich Mutter und Tochter auf die beiden letzten Aufführungen von „Tratsch im Treppenhaus“. „Das Stück kommt besser als gedacht an. Wir freuen uns, wenn das Publikum lacht“, sagt Jette, die zwar gerne lustige Rollen spielt: „Doch mal eine hinterlistige böse Rolle wäre toll.“

Frank Burger

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