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Reisen wie vor fast 80 Jahren

Barth Reisen wie vor fast 80 Jahren

Sonderfahrten mit der Pressnitztalbahn lockten eisenbahnbegeisterte Gäste und Schaulustige an

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Die Lokführer Marco Pelz (l., 33) und Martin Engwicht (23).

Barth. Es war schon ein Ereignis, als am Freitagvormittag zum ersten Mal nach Jahrzehnten wieder ein Dampfzug in den Barther Bahnhof einfuhr. Die Pressnitztalbahn aus dem Erzgebirge bot an den drei Tagen des vergangenen Wochenendes Sonderfahrten unter Dampf zwischen dem Stralsunder und dem Barther Bahnhof. Auf dem Bahnsteig hatten sich Eisenbahnfreunde, Modellbahner, ehemalige Reichsbahnangehörige und sogar eine ganze Gruppe Kinder der evangelischen Kita St. Marien eingefunden, um das seltene Schauspiel nicht zu verpassen. Hinter der Biegung am einstigen Stellwerk ertönte die Dampfpfeife, dann war auch schon der erste Rauch zu sehen. Eine Minute später kam die Dampflok 86-1333-3, 1939 in Wien-Florisdorf gebaut, schnaufend und zischend am Bahnsteig zu stehen.

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Sonderfahrten mit der Pressnitztalbahn lockten eisenbahnbegeisterte Gäste und Schaulustige an

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Als ich 1974 in Waren- Müritz bei der Deutschen Reichsbahn anfing, waren auf den Nebenstrecken noch viele solcher offenen Wagen im Einsatz.“Zugführer Martin Rehbein

Viel Zeit blieb den Fahrgästen nicht, um aus- und einzusteigen, denn obwohl es sich um eine Sonderfahrt handelte, musste der Fahrplan korrekt eingehalten werden. Als Zugführer Martin Rehbein die grün-weiße Kelle hob und seine Trillerpfeife ertönen ließ, ging es schon wieder zurück nach Stralsund. Allerdings wurde der liebevoll restaurierte und gepflegte Traditionszug der Schweriner Eisenbahnfreunde, den sich die Pressnitztalbahn ausgeliehen hatte, nun von einer Diesellok der Baureihe 112 gezogen. Dieses Schauspiel wiederholte sich bis zum Sonntagnachmittag elf Mal, bevor die Lokomotive und der Traditionszug ihre Heimreisen antraten.

Im Zug waren neben dem Zugführer zwei weitere Schaffner unterwegs, um die Fahrscheine zu verkaufen. Als Domizil für die Zugbegleiter diente der erste Wagen hinter der Dampflok, ein sogenannter Post- und Sitzwagen 4. Klasse (Holzklasse) mit vielen historischen Details. Eine Besonderheit der alten Wagen waren die offenen Plattformen, über die man einsteigen musste oder in die nächsten Wagen gelangen konnte. „Als ich 1974 in Waren-Müritz bei der Deutschen Reichsbahn anfing, waren auf den Nebenstrecken noch viele solcher offenen Wagen im Einsatz“, erinnerte sich Martin Rehbein, mit dem die Fahrgäste gern ins Gespräch kamen. So zum Beispiel auch Rentner Heinz-Dieter Schäfer (72), der einst am Barther Kleinbahnhof einen Futtermittelhandel betrieben und viel vom Bahnverkehr mitbekommen hatte. Er hatte eine Familienkarte gelöst und seinen Enkel und dessen Freundin mit auf die Reise nach Stralsund genommen. Die standen draußen auf der Plattform und waren ganz fasziniert von der im Fahrtwind vorbeirauschenden Landschaft. „Das letzte Mal sind wir im Februar unter Dampf unterwegs gewesen – mit dem rasenden Roland“, erzählte der Rentner.

Überall an der Strecke – auf Bahnsteigen, an Bahnübergängen oder im Gebüsch – warteten Menschen mit Kameras auf den Zug, der auch in Stralsund von einer Schar eisenbahnbegeisterter Schaulustiger empfangen wurde. Während des 20-minütigen Aufenthaltes hatten auch die beiden Lokführer Zeit, über ihre Tätigkeit zu berichten. Während Marco Pelz (33) von der Pressnitztalbahn für die dreiwöchige „Tournee“ an der Ostsee freigestellt worden war, nutzte Student Martin Engwicht (23) die Semesterferien für das Eisenbahnabenteuer. Nach seiner dreijährigen Lokführerlehre (Diesel/Dampf) bei der Pressnitztalbahn hat er soeben das zweite seiner vier Studienjahre Verkehrswesen in Zwickau hinter sich gebracht. „Nach Abschluss des Studiums würde ich sehr gern bei der Pressnitztalbahn bleiben“, so sein Wunsch.

Das Kohlenschaufeln – zwischen Stralsund und Barth etwa vier Tonnen pro Tag – teilten sich die beiden Lokführer. „Hier ist ja alles flach. Im Erzgebirge müssen wir viel mehr schaufeln“, freuten sich die Beiden. Sie hatten ihre Lokomotive auch über Nacht unter Dampf zu halten, um morgens gleich startklar zu sein. „Wir sind nie weiter als 20 Meter von ihr entfernt, denn das mitgereiste Personal ist in einem mitgebrachten historischen Schlafwagen vor einem Stralsunder Lok-Schuppen untergebracht.“

Im kommenden Jahr würden die Pressnitztalbahner ihre Rundreise durch Vorpommern gern wiederholen.

Volker Stephan

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