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Tafel versorgt immer mehr Flüchtlinge

Barth Tafel versorgt immer mehr Flüchtlinge

Ehrenamtliche Helfer haben sich auf Essgewohnheiten der Muslime eingestellt / Schweinefleisch und Gelatine sind für sie bei der Lebensmittel-Ausgabe tabu

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Heike Ebel (l.) und Ursula Jeß gestern beim Zusammenstellen von Lebensmittelbeuteln. Zwei Mal wöchentlich, dienstags und donnerstags, ist bei der Barther Tafel Ausgabetag.

Quelle: Detlef Lübcke

Barth. Andere Länder – andere Essgewohnheiten. Darauf haben sich die ehrenamtlichen Helfer der Barther Tafel eingestellt. Auch immer mehr Flüchtlinge nutzen ihre Lebensmittel-Ausgabe.

OZ-Bild

Ehrenamtliche Helfer haben sich auf Essgewohnheiten der Muslime eingestellt / Schweinefleisch und Gelatine sind für sie bei der Lebensmittel-Ausgabe tabu

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Viele Lebensmittel

sind weggeworfen worden – das ist für uns ein nicht hinnehmbarer Zustand.“Ursula Jeß, Barther Tafel

Beim Zusammenstellen der Tüten mit Lebensmitteln hatten die freiwilligen Helfer zunächst darauf geachtet, dass Flüchtlinge kein Schweinefleisch essen. Seitdem Flüchtlinge die Lebensmittel-Ausgabe in der Sundischen Straße nutzen, kommen deshalb für sie keine Produkte mehr in die Tüte, die Schweinefleisch enthalten. „Dennoch wurde uns zu unserem Erstaunen hinterher berichtet, dass viele der in Barth lebenden Flüchtlinge einen Großteil der abgeholten Lebensmittel nicht verwerten“, sagt bedauernd Ursula Jeß, die Geschäftsführerin des Vereins „Barther Tafel“. Die Folge: Unverhältnismäßig viele Lebensmittel seien weggeworfen worden. Für die Tafel ein nicht hinnehmbarer Zustand. „Unsere Aufgabe besteht doch gerade darin, überschüssige, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel weiterzugeben, damit sie nicht in der Biotonne oder im Müll landen“, erklärt Ursula Jeß.

Weniger Fertigprodukte,

mehr Gemüse

Inzwischen sind die Helfer der Barther Tafel der Ursache des Wegwerfens wohl auf den Grund gekommen. Viele der in Deutschland üblichen Lebensmittel passen nicht zu den Essgewohnheiten der Flüchtlinge oder sie können mit ihnen nichts anfangen. „Fruchtjoghurt zum Beispiel“, zählt Ursula Jeß auf. Naturjoghurt werde gern genommen, aber Fruchtjoghurt, der Gelatine enthalte, nicht. Genauso sei es bei Quark, der Zusätze wie Schnittlauch oder Bärlauch aufweise. Ohne Zusätze werde er gegessen, mit werde er weggeworfen.

Fertigprodukte mit Gelatine kommen in der arabischen Welt nicht auf den Tisch. Der Grund: Gelatine wird aus dem Bindegewebe vor allem von Schweinen produziert. Jedoch fehlt dem Team der Barther Tafel angesichts des hohen Zulaufes die Zeit, die Beschriftungen aller Lebensmittel auf Gelatine zu überprüfen. Deshalb sind die Helfer dazu übergegangen, weniger Fertigprodukte und stattdessen mehr Gemüse in die Beutel der Flüchtlinge zu füllen.

Unerwünschtes kann zurückgegeben werden

Damit keine Lebensmittel mehr in den Müll wandern, stützen sich die Helfer nun auf eine spezielle Liste. Sie führt jene Lebensmittel auf, die nicht zu den Essgewohnheiten der Flüchtlinge gehören.

Hier half Maren Sund, die in ihrem Hofladen in der Barther Chausseestraße bereits Essgewohnheiten von Flüchtlingen kennen gelernt hatte.

Außerdem gibt es jetzt eine Kiste, in die unerwünschte Lebensmittel zurückgegeben werden können. So stehen sie dann gleich für andere Interessierte zur Verfügung.

Zu Handgreiflichkeiten zwischen Flüchtlingen und anderen Bedürftigen, wie jüngst in Crivitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim, die OZ berichtete), sei es in Barth noch nicht gekommen.

„Das lief bisher alles immer noch relativ gut ab. Natürlich gibt es solche und solche Menschen, das ist bei den Flüchtlingen nicht anders als bei den Einheimischen“, sagt Ursula Jeß.

Bürgermeister will

mit Dolmetscher helfen

Weil sie es anscheinend aus ihren Herkunftsländern nicht anders gewohnt seien, würden sich einige Flüchtlinge in der Schlange bei der Lebensmittel-Ausgabe vordrängeln, berichtet Ursula Jeß. Noch werde das zwar im Großen und Ganzen von den anderen Wartenden toleriert. Aber wer weiß, wie lange das noch gut gehe. Hilfe hat gestern der Barther Bürgermeister Stefan Kerth (SPD) angeboten. Er wollte sich um einen Dolmetscher bemühen, der die Flüchtlinge in die Gepflogenheiten bei der Tafel einweisen könnte. Da viele der Flüchtlinge noch kein Deutsch sprechen, ist die Kommunikation zwischen den Freiwilligen der Tafel und den Flüchtlingen bisher nur schwer möglich. Das hat auch Karin Böttger erkannt. Die vom Landkreis Vorpommern-Rügen beauftragte Koordinatorin in der Ehrenamtshilfe hat die Tafel auf Bitte des Barther Willkommensvereins besucht. Auch Bürgermeister Kerth ist Mitglied im Verein „Willkommen in Barth“. Der Verein hat es sich mit zur Aufgabe gemacht, die Tafel zu unterstützen.

Jeweils 30 bis 40 Flüchtlinge nutzen an jedem Dienstag oder Donnerstag die Lebensmittel-Ausgabe der Barther Tafel. Hinzu kommen durchschnittlich 100 einheimische Bedürftige. Für einen Beutel oder einen Karton mit Lebensmitteln sind jeweils zwei Euro zu zahlen. „Ob für Flüchtlinge oder Einheimische – der Preis ist bei allen gleich“, sagt Ursula Jeß.

Detlef Lübcke

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