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Wie der Vater so der Sohn

Barth Wie der Vater so der Sohn

Vermessungs– ingenieur Ulrich Zeh bereitet seinen Sohn auf die Übernahme seiner Firma vor. So vorbildlich passiert das selten.

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Ulrich Zeh und sein Sohn Lasse im Barther Vermessungsbüro. Nach dem Studium möchte Lasse die Firma seines Vaters übernehmen. Erste Erfahrungen sammelte der 19-jährige Filius bei einem Praktikum in der väterlichen Firma – und fand Gefallen an der Arbeit. „Ich bin jeden Tag mit einem Lächeln aus dem Büro gegangen“, sagt er.

Quelle: Foto: Carolin Riemer

Barth. Lasse Zeh möchte das tun, was heutzutage anscheinend nur noch wenige junge Leute wollen: In die Fußstapfen seines Vaters treten und dessen Firma übernehmen.

Das klingt vielleicht, als wolle es sich der 19-Jährige besonders leicht machen und sich in ein gemachtes Nest setzen – doch das ist ein großer Irrtum. Lasses Vater Ulrich Zeh leitet seit nunmehr 26 Jahren ein Vermessungsbüro in Ribnitz-Damgarten und Barth. Bis zu 30 Mitarbeiter beschäftigte er dort zu Höchstzeiten. Er bildete junge Leute aus und musste immer wieder zusehen, wie diese, nachdem der große Boom in der Vermessung nach der Wende abebbte, in anderen Bereichen und anderen Bundesländern tätig wurden. „In unserer Branche fehlt der Nachwuchs wohl noch extremer als in anderen Berufen“, sagt der staatlich bestellte Vermessungsingenieur.

Etwa 70 zugelassene Kollegen gibt es derzeit in Mecklenburg-Vorpommern. „Doch von denen geht etwa die Hälfte in den kommenden zehn Jahren in Rente“, sagt Ulrich Zeh. Eine katastrophale Entwicklung wenn man bedenkt, dass deutschlandweit pro Jahr maximal 35 neue Vermessungsassessoren ausgebildet werden. Dabei bietet der Beruf heutzutage mehr Aufgabenfelder als in früheren Zeiten. „Aber in unserem Beruf gibt es nicht so eine große Konkurrenzsituation wie in anderen Bereichen“, sagt Zeh. Lasse nickt. Aber die lange Ausbildung, Studium, Referendariat und die Praktika fordern nicht nur viel Zeit, sondern auch Höchstleistungen. Deswegen fehlt der Nachwuchs. Die Ausbildung ist vielen jungen Leuten schlichtweg zu schwer.

Vor jedem Bauvorhaben kommen Vermessungsingenieure zum Einsatz. Sie bestimmen Grundstücksgrenzen, müssen nicht nur mit Zahlen und komplizierten Formeln umgehen, sondern benötigen auch viel Fingerspitzengefühl. „Wir sind für den Grenzfrieden der Nachbarn verantwortlich“, erklärt Ulrich Zeh.

Sein 19-jähriger Sohn wollte während seiner Schulzeit eigentlich Architekt werden. Er legte sein Abitur in Prerow ab und begann dann aber doch ein einjähriges Praktikum in der Firma seines Vaters.

„Und ich bin jeden Tag mit einem Lächeln aus dem Büro gegangen“, sagt der junge Mann. Spätestens da wurde ihm klar: „Ich möchte die Firma meines Vaters übernehmen.“ Zur Freude von Ulrich Zeh. Zwar stehe dem Sohn nun eine lange Ausbildung bevor – mit zehn Jahren müsse der angehende Vermessungsassessor rechnen – aber: „Ein Nachfolger für das Büro und Arbeitgeber für die Mitarbeiter ist dadurch in Sicht.“ Für Ulrich Zeh bedeutet das indes auch, er muss weiter in seine Firma investieren. Neue Geräte anschaffen, immer modern und auf dem aktuellsten Stand sein. „Nicht, dass mein Sohn eines Tages zu mir sagt ,Mensch Alter, du hast hier ja nur den alten Krempel rumstehen.’“

Ulrich Zeh ist Mitte 50 und hoffte einst auf einen früheren Ruhestand. „Das wird nun nichts. Ich muss ja warten, bis Lasse fertig ist mit dem Studium, Referendariat und Praxisjahr. Aber grundsätzlich bin ich sehr froh, wenn ich ihn als Nachfolger einsetzen kann.“

Zumal Lasse dann auch Kontakt zu seinen Freunden halten kann. Die ziehen zwar zum Studium in große Städte – auch Lasse studiert in Hamburg – aber: „Dann wollen wir zurückkommen. Wir wissen unsere Heimat zu schätzen.“ Sein Vater weiß, dass Lasses Kumpels als Bauingenieure, Elektrotechniker und im Bereich Heizung und Sanitär ihre Ausbildungen starten. „Genau das ist es, was unsere Region und unsere Jugend benötigt.“ Wenn sie sich nach ihren Ausbildungen wieder in der Heimat träfen, sei die Vernetzung vorhanden, weil sie einst zusammen zur Schule gingen. „Vernetzung ist die Grundlage dafür, dass das Geld in der Region bleibt. Und Geld in der Region ist Grundlage dafür, dass die Betriebe Arbeit haben und wachsen und Nachfolger haben. Das ist ein Kreislauf.“ Lasse und Ulrich Zeh machen den Anfang.

12 000 Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern ohne Nachfolger

Nach Schätzungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rostock stehen bis zum Jahr 2025 in Mecklenburg-Vorpommern rund 12 000 Unternehmen vor einem Führungswechsel, aber nur bei der Hälfte davon dürfte die Übergabe auch tatsächlich gelingen. 200 000 Arbeitsplätze hängen von dem Wechsel der Generationen ab.

In der neuen Veranstaltungsreihe „Unternehmer Jazz“ von OSTSEE-ZEITUNG und Rostocker IHK reden Chefs über ihre Erfahrungen und Lösungsvorschläge, wie der Firmenwechsel gelingen kann. Untermalt wird die Veranstaltung von Jazz-Musik.

Nächster Termin für den Unternehmer-Jazz ist der

7. November um 18 Uhr im Stralsunder Rathaus (Löwenscher Saal).

Anmeldungen per E-Mail an: chefredaktion@ostsee-zeitung.de

Carolin Riemer

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