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Barth „Wohin mit unserem Kind“

Kita geschlossen: Barther Paar kann Tochter zwischen Festtagen nicht betreuen

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Wir haben unsere Schließtage schon auf ein Minimum reduziert.Ines Schwarz, Kita-Leiterin

Barth. Kleine anonyme Zettelchen wurden in der Barther Kita Wirbelwind an den vergangenen Tagen verteilt. Darauf rief ein unbekannter Verfasser auf, sich für die Kinder stark zu machen, wenn auch andere Eltern mit der Essen-Versorgung und den Schließzeiten zwischen den Feiertagen unzufrieden seien. „Kommt zum Sozialausschuss, es geht um unsere Kinder“, so schloss der Aufruf.

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Kita geschlossen: Barther Paar kann Tochter zwischen Festtagen nicht betreuen

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Auch Kita-Leiterin Ines Schwarz fiel ein solcher Zettel in die Hände. Grund genug, dass sie zum jüngsten Sozialausschuss eilte und gespannt auf konstruktive Kritik einiger unzufriedener Eltern wartete. „Im Vorfeld gab es keine Beschwerden – auch dem Elternrat waren keine Probleme bekannt“, sagt die Chefin. Sie habe allerdings im sozialen Netzwerk Facebook gelesen, dass einige Eltern sich dort darüber ärgerten, dass die Kita zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen bleibe.

In dem Ausschuss traf sie dann auf das Ehepaar Schröder und einen weiteren Vater. Ines Schwarz atmete innerlich auf. „Ich war natürlich gespannt, wie viele Eltern kommen und wo es Probleme gibt“, sagt sie. Dass es sich nicht um eine große Masse handelte, erleichterte sie zunächst.

In der Einwohnerfragestunde trugen die drei Eltern dann ihre Probleme vor. Ein Vater beklagte sich, dass den Kindern stets Brot, vorzugsweise mit Leberwurst, als Zwischenmahlzeit gereicht werde und sein Kind oft hungrig aus der Kita komme, da es keine Leberwurst möge. „Wieso können die Erzieher nicht lieber ein ,Yes-Törtchen’ oder ähnliches anbieten“, fragte er und erntete als Antwort eine umfassende Erläuterung zum Thema gesunde Ernährung für Kinder: wenig Zucker, abwechselnd Fleisch und Fisch, viel Obst – keine „Yes-Törtchen“. Damit war das Thema abgehakt.

Das Problem von Ehepaar Schröder konnte jedoch nicht so schnell gelöst werden. „Wir wissen nicht, wo wir unsere Tochter zwischen Weihnachten und Silvester unterbringen sollen“, sagte Annette Schröder.

Da beide Elternteile im Handel arbeiten, sei es ihnen nicht möglich, ihr Kind mit zur Arbeit zu nehmen. Die einen Großeltern leben 300 Kilometer entfernt, die anderen seien schlichtweg zu alt, um sich um eine Vierjährige zu kümmern. Die Eltern machten auf die rechtliche Betreuungspflicht aufmerksam und forderten eine schnelle Lösung. „Sie bedrohen die Existenz meiner Familie“, kritisierte Ralf Schröder.

Da der Träger der Kita Wirbelwind, die Stadt Barth ist, kam die stellvertretende Bürgermeisterin Doreen Pohland zu Wort: „Die Kita bemüht sich, die Schließtage gering zu halten. Ohne diese Tage müsste die Kita das Personal und damit auch die Kita-Gebühren erhöhen.“ Insgesamt fünf Tage lang schlossen die Wirbelwinde in diesem Jahr. „Viel weniger als Kitas mit privaten Trägern“, erläuterte Leiterin Ines Schwarz. Für die Eltern waren diese Aussagen wenig erfreulich: „Es dreht sich nur noch um Wirtschaftlichkeit, nicht mehr um unsere Kinder. Wir suchen uns rechtlichen Beistand. Zur Not beauftragen wir eine Tagesmutter und stellen sie der Stadt Barth in Rechnung. Wir wissen wirklich nicht, was wir tun sollen“, sagte Ralf Schröder gegenüber der OZ. Immerhin bezahle die Familie auch im Dezember die vollen Gebühren, wenn die Kita drei Tage lang schließe.

Olaf Manzke, Pressesprecher des Landkreises, versprach Hilfe: „Die Eltern sollen sich schnell beim Jugendamt melden, dann suchen wir eine geöffnete Kindertagesstätte in zumutbarer Entfernung.“ Er informierte aber auch, dass die Schließzeiten, die zwischen Landkreis und Kita vereinbart wurden, in der Haus- und Benutzerordnung geregelt sind: „Wenn jedoch wirklich keine andere Möglichkeit besteht, helfen wir den Eltern natürlich.“

Die Kitaleiterin versteht einerseits die Sorgen der Eltern, allerdings sagt sie auch: „Andere Kitas schließen im Sommer wochenlang – oder wenn die Erzieher zu Weiterbildungen fahren. Bei uns finden Fortbildungen stets sonnabends oder im Feierabend statt. Familie Schröder weiß seit einem Jahr, dass wir zwischen den Feiertagen schließen müssen, damit meine Kollegen ihren Resturlaub nehmen können.

Es war keine überraschende Aktion. Wir stellen uns immer vor unsere Eltern.“ Im vergangenen Jahr habe die Kita zwischen den Festtagen geöffnet gehabt. Von 117 Kindern hatten 15 Eltern Betreuungsbedarf für den Nachwuchs angemeldet. Letztlich seien aber nur drei Kinder gekommen. Dafür stellte die Kita vier Erzieher bereit. „In diesem Jahr hielten wir es für zumutbar, dass wir drei Tage lang schließen“, sagt Ines Schwarz. Auch in Löbnitz und Lüdershagen schließen die Kitas am Ende des Jahres. In den Einrichtungen wurde im Vorfeld der Bedarf abgefragt – und den gab es nicht.

Carolin Riemer

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