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Zum 250. – Barth will Arndt ehren

Löbnitz/Barth Zum 250. – Barth will Arndt ehren

Unverständnis zu Greifswalder Entscheidung / Der Patriot und Publizist lebte 18 Jahre in Löbnitz

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Löbnitz zur Zeit von Ernst Moritz Arndt. Von 1787 bis 1805 wohnte der Patriot, Publizist und Dichter im dortigen Gutshaus. Die Aufnahme entstand um das Jahr 1800. REPROS/ FOTOS: OZ

Löbnitz/Barth. Ernst Moritz Arndt (1769 bis 1860) verbrachte 18 Jahre seines Lebens in Löbnitz bei Barth. Das wissen die Wenigsten. Von 1787 bis 1805 wohnte im dortigen Gutshaus der Patriot, Publizist und Dichter, von dessem Namen sich jetzt die Greifswalder Universität trennen will. 2019 jährt sich sein Geburtstag zum 250. Mal. Dr. Gerd Albrecht, Leiter des Barther Vineta-Museums, plant, Ernst Moritz Arndt aus diesem Anlass eine Ausstellung zu widmen.

 

OZ-Bild

Ernst Moritz Arndt (1769 bis 1860).

„Von Löbnitz aus ist der junge Arndt wöchentlich zu Fuß nach Stralsund zum Gymnasium gelaufen“, weiß Gerd Albrecht aus Archiven und einschlägiger Literatur. Tage- und nächtelang sei er unter dem weiten Himmel des Küstenlands gestromert. Als Publizist, Theologe, pommerscher Kauz und Demokrat habe er auch diese Erlebnisse in sich getragen und publizistisch verarbeitet. Arndt gehörte zu den meist gelesenen Autoren des 19. Jahrhunderts. Seit Jahren wird um seine Person gestritten. „Ernst Moritz Arndt hat sich für die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung eingesetzt und ich respektiere die Entscheidung der Greifswalder Alma Mater“, sagt Gerd Albrecht. Doch sie mache ihn ratlos.

„Einen frei denkenden Geist als Namenspatron über Bord zu werfen, weil man glaubt, er würde Zeitgeist und Sicherheit gefährden, anstatt sich inhaltlich zu reiben und sich objektiv und komplex der Wahrheit der Zeiten zu nähern, erscheint mir nicht universitär“, erklärt Albrecht. Natürlich sei diese Persönlichkeit mit Fehleinschätzungen und Irrtümern behaftet. Aber Arndt bleibe einer der größten freiheitlichen Denker seiner Zeit. Albrecht fragt sich: „Wie wird unserer Tun in 200 Jahren gewertet?“ Arndt tröste dann wohl immer noch mit den von ihm geprägten Worten: „In dem Höchsten und Tiefsten irren ist menschlicher, als sich nie von dem flachen Boden elender Sicherheit versteigen.“

Gerd Albrecht bedauert, dass Arndts Worte von verschiedensten Seiten immer wieder vereinnahmt und oft genug aus ihrem Kontext gerissen worden seien. „Ein Verzicht auf Arndts demokratische Grundhaltung war beispielsweise in Hitler-Deutschlands Bürgertum weit verbreitet“, sagt Albrecht. Er verweist auf den Kirchengeschichtler Professor Staats, der festgestellt habe, dass kaum jemand etwas wissen wollte von Arndts christlichem Humanismus. Ernst Moritz Arndt hatte 1849 gegen die Hinrichtung und Verfolgung seiner eigenen politischen Gegner, der linken Republikaner Robert Blum und Gottfried Kinkel, protestiert.

Gerd Albrecht erinnert auch daran: „Es war Ernst Moritz Arndt, der im deutschen Volk das Gefühl von Einigkeit und Einheit unter Napoleon geweckt und wach gehalten hat.“ Und: „Es war Arndt, der 1848/49 im Frankfurter Parlament mit dafür gesorgt hatte, dass Recht und Freiheit als hohe humanitäre Werte im deutschen Volk nicht vergessen werden konnten.“ Arndt habe seine Unterschrift unter die erste deutsche demokratisch parlamentarische Verfassung gesetzt.

Der Barther Stadtvertreter Dr. Henning Heyden (parteilos) stammt aus Greifswald – der Stadt, deren Universität sich nun entschieden hat, den Namen ihres umstrittenen Patrons Ernst Moritz Arndt abzulegen. Heyden holt sein altes Lexikon von 1883 hervor, sucht unter A und liest vor: „Darin lauten die ersten Worte über Arndt: deutscher Patriot.“ Henning Heyden weiter: „Das war die Auffassung in Pommern nach Aufhebung der Leibeigenschaft, aber auch in ganz Deutschland für sein Wirken bei der Aufklärung in Europa.“

Sagen aus der Region

Als Ernst Moritz Arndt in Löbnitz wohnte, schrieb er viele Sagen und Spukgeschichten aus dem Volke auf. Zu den Sagen aus dem Amtsgebiet Barth gehören: „Die alte Burg bei Löbnitz“, „De witte Frau to Löbnitz“, „De Prester und de Düwel“ oder „De Steen, de de Klock slan hürt“.

Dem Schriftsteller zu Ehren ist ein Gedenkstein im Löbnitzer Park

aufgestellt.

Detlef Lübcke

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